"Wir haben alles verloren!"

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Mettenheim - Verletzt wurde zum Glück niemand. Bei dem Brand in ihrem Haus in Stenging hat Familie Ritter aber ihr ganzes Hab und Gut verloren.

Was wirklich passiert ist? „Ich glaube nicht, dass ich das schon begriffen habe“, sagt Bettina Ritter. Die 35-Jährige sitzt im Reiterstüberl in Stenging und reibt sich die müden Augen. Am Samstag hat sie hier noch gefeiert, mit Freunden und Bekannten auf das einjährige Jubiläum des Stüberls angestoßen, nun wohnt sie hier zwischen Billardtisch und Theke. Vorübergehend jedenfalls. Matrazen liegen auf dem Boden, die beiden Katzen haben es sich auf den Decken und Schlafsäcken bequem gemacht. Sie sind die einzigen, die am Tag danach so etwas wie Normalität ausstrahlen.

Für Bettina Ritter, ihren Mann Olaf sowie die drei Kinder Andreas (15), Ines und Tanja (beide 13) herrscht dagegen Ausnahmezustand. Seit knapp 24 Stunden, seit ihnen das Feuer alles genommen hat. „Es ging so schnell. Das glaubt man ja nicht, wenn man es nicht erlebt hat“, sagt die Mutter, die gerade mit Tochter Ines auf dem Heimweg war, als der Brand ausbrach. Schon von der Autobahnbrücke bei Lochheim aus hatte sie die Rauchsäule gesehen und noch an eine Zündelei ihres Sohnes im Garten gedacht. Doch als ihr Andreas dann im Hof ohne Schuhe, ohne Jacke und mit Tränen in den Augen entgegenkommt, ist klar, dass sich hier eine Katastrophe anbahnt. „Ich rannte noch in die Wohnung, duckte mich unter dem Rauch durch und schüttete zwei Eimer mit Schnee und einen mit Wasser auf die Flammen. Doch da war nichts mehr zu machen.“

Großbrand in Stenging

Ein Feuerwehrmann erzählt ihr nachher, warum sich der Brand so schnell ausgebreitet hat: Die Holzvertäfelung an den Wänden und die alte Strohmattendämmung in der Decke haben es den Flammen leicht gemacht. Zwar sind die Ermittlungen der Kripo noch nicht abgeschlossen, doch im Moment deutet alles darauf hin, dass ein Funkenflug die Katastrophe ausgelöst hat. „Wir haben im Büro eine Holzzentralheizung stehen, die meine Mutter zusammen mit den Kindern eingeheizt hat. Das wird es wohl gewesen sein. Aber genau müssen das die Experten klären“, sagt Bettina Ritter. Natürlich sei es ein Trost, dass niemand verletzt wurde, dass sich auch der Verdacht auf Rauchvergiftung bei niemandem bestätigt hat.

Natürlich sei es ein Lichtblick, dass wenigstens der Stall mit den Pferden verschont geblieben ist. Doch jetzt, heute, in dieser Situation, kann Bettina Ritter das nicht in den Vordergrund stellen. „Die kleinen Katzen sind tot, auch die Ratte und der Hase hatten in ihren Käfigen keine Chance. Und wir haben nichts mehr. Keine Unterlagen, keine Erinnerungsfotos, keine Klamotten. Was sich das Feuer nicht geholt hat, hat das Wasser zerstört.“ Nun gilt es den Alltag zu organisieren. Die Töchter kommen zunächst einmal bei einer Freundin unter. „Die müssen ja in die Schule. Das ist so am besten gewährleistet.“ Sohn Andreas wird vielleicht die kommenden Tage bei einem Freund übernachten. „Bis klar ist, wie es hier weitergeht.“

Der Brandexperte der Versicherung hat sich angekündigt, wie hoch der Schaden ist, kann im Augenblick noch niemand sagen. Auch die beiden angrenzenden Wohnungen sind unbewohnbar, dort hat das Löschwasser seine Spuren hinterlassen. Für ihre Familie hofft Bettina Ritter auf eine erste schnelle und unkomplizierte Lösung: „Es wäre toll, wenn wir einen Wohnwagen mieten könnten. Damit ich hier draußen bei den Pferden bleiben kann.“

Die Hilfsbereitschaft der Nachbarn und Freunde ist groß, von der ersten Minute an. „Noch gestern Abend kamen die ersten mit Kleidung, Decken und warmen Leberkässemmeln. Heute Morgen standen Freunde mit dem Frühstück vor der Tür. Einfach toll“, sagt die Pferdeliebhaberin und deutet auf den Billardtisch, auf dem sich Pullis, Hosen und Jacken stapeln. Irgendjemand hat begonnen, die Kleiderspenden zu sortieren. „Winterschuhe bräuchten wir noch dringend. Und Jacken“, sagt Bettina Ritter. Doch eigentlich weiß sie selbst nicht, wo sie anfangen soll. Der Schock sitzt tief, immer noch.

ha/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © Anette Mrugala

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