Kabarettist Ringlstetter beehrt den Haberkasten

+
Von der Watschn über d‘Schelln bis zur Fotzn: Hannes Ringlstetter hat sie erlebt, die Dreifaltigkeit der dörflichen Züchtigung. „Dahoam in Niederbayern, wo Esoterik noch Marienverehrung hoaßt.“ Foto ha

Mühldorf - Mit seinem Soloprogramm begeistert der Kabarettist Hannes Ringlstetter den ausverkauften Saal und wird wieder zum Sorgenkind.

„Meine Verehrung“ also. Nicht zu verwechseln mit einem netten Gruß ans Publikum. Nein, man muss den Titel des zweiten Soloprogramms von Hannes Ringlstetter schon korrekt betonen, um zu erfahren, worum sich im ausverkauften Haberkasten alles dreht: um seine Verehrung. Und um sonst nichts.

Geschickt hat er das eingefädelt, der Ringlstetter: Während sich der Kabarettist vom Publikum 120 Minuten lang - völlig zu Recht - verehren lässt, kann er ganz nebenbei seine Traumata bewältigen. Und da ist einiges zusammen gekommen in den 41 Jahren, in denen Mama Ringlstetter unzählige Male geseufzt haben muss: "Oh mei, da Bua".

Denn irgendwie hängt das bei ihm ja alles zusammen: Jeder Verehrung folgt ein Trauma. Die Austro-Popper zum Beispiel, von Ambros bis STS: Alle hat er sie verehrt. Doch nun gilt es die "Weusd a Herz host wia a Bergwerk"-Vergangenheit aufzuarbeiten, der Lagerfeuer-Gitarren-Romantik von einst mit aller Macht entgegenzutreten. "Du bist ned from Austria" singt sich Ringlstetter selber zu - und imitiert dabei den Fendrich, den Goisern und den Hader mit einer solchen Inbrunst, dass es eine wahre Freude ist.

Wirklich tief geht das nicht. Muss es auch nicht. Denn Hannes Ringlstetter sieht sich nicht als Bühnenbotschafter, hintergründiges oder gar politisches Kabarett liegt ihm fern. Ein Unterhalter will er sein und bei passender Gelegenheit mit seinen Gästen in gemeinsamen Erinnerungen kramen - nicht mehr und nicht weniger.

Und genau das kann er richtig gut. Dank einer großartigen Stimme, dank einer Bühnenpräsenz, die jeden Scheinwerfer überflüssig macht, und - an diesem Abend - dank eines bestens aufgelegten Publikums, das ihm in die Karten spielt.

Themen finden sich genug, ein Trauma hängt sich an das nächste: Dem Bayern-1-Wunschkonzert folgt die erste große Liebe - und die Erkenntnis, dass "Sex erst dann zum Problem wird, wenn eine zweite Person dazukommt". So einfach ist das.

Mit Klavier und Gitarre, mit Witz und Charme, mit viel Spontaneität und Gelassenheit begegnet er seiner Vergangenheit, hat dabei den Reisinger Sepp senior genauso auf dem Kieker wie das hässliche Leverkusen. "Pill-City" überzieht der Niederbayer nämlich mit noch mehr Hohn und Spott als die eigene Heimat. Am härtesten trifft es aber die Kanzlerin. Auch wenn "Tschüss, Angela, komm gut nach Hause" ein wenig aus der Art schlägt, ist die finale Nummer ein Paradebeispiel für Ringlstetters Rezept: Er liebt das Spiel mit der Vorstellungskraft seines Publikums. Und kennt keine Gnade. Wer will sich schon vorstellen, wie Joachim Sauer abends in Lack und Leder im Türrahmen auf seine Frau wartet.

Hat trotzdem viel Spaß gemacht, unsere und seine Verehrung.

Mühldorfer-Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser