Reiche Schwestern - arme Stadt

Dank an den scheidenden Pfarrer: Michael Ljubisic bekam von Bürgermeister Knoblauch eine Prähofer.

Mühldorf - Mit einem großen Fest und einem Festakt verabschiedeten die Pfarrei St. Nikolaus und die Stadt gestern die "Armen Schulschwestern". Auch Pfarrer Michael Ljubisic empfing Dank für seine Arbeit in der Pfarrei. Er wechselt nach Trostberg

Ein Bild der Ordensgründerin schenkte Schwester Antoinette ihren Kindergartenkindern nach deren Auftritt im Haberkasten-Innenhof. Fotoshon

Welch' großer Einschnitt der Weggang der Schwestern Antoinette, Magina, Herefriedes und Elfriede ist, machte die Oberin der "Armen Schulschwestern" Charlotte Oerthel deutlich: "Sie werden im gesamten Stadtbild fehlen." Denn nach 156 Jahren verlassen die letzten Ordensleute die Stadt, in der sie sich bis zuletzt der Erziehung und Bildung der Kinder gewidmet haben. Bürgermeister Günther Knoblauch bescheinigte dem Orden sichtlich bewegt: "Wir verabschieden uns nicht nur von Persönlichkeiten, die seit Jahrzehnten in unserer Stadt gewirkt haben. Sondern wir verabschieden uns auch von einer Institution."

1854 kamen die "Armen Schulschwestern" auf Wunsch des Stadtrats nach Mühldorf, seitdem haben sie Kinder unterrichtet und erzogen. Ilse Haserer, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, machte das am eigenen Beispiel und den Namen der Schwestern deutlich, die sie, ihre Kinder und jetzt ihre Enkel ausgebildet haben. Zuletzt Schwester Magina im Kindergarten St. Nikolaus und Schwester Antoinette im städtischen Kindergarten, der nach der Ordensgründerin Theresia Gerhardinger benannt ist.

"Über Jahrhunderte haben Ordensleute die Stadt begleitet", sagte Knoblauch, "die Bürger haben davon profitiert. Der Orden ist unendlich tief in der Stadt verwurzelt." Trotzdem gehen die "Armen Schulschwestern", Nachwuchsmangel macht die Konzentration des Ordens auf weniger Aufgaben notwendig. "Sie haben uns unendlich reich gemacht und durften reiche Frucht in der Stadt ernten", änderte Knoblauch den Namen der Ordensfrauen kurzerhand in reiche Schulschwestern um. "Wenn Sie uns verlassen, sind wir die Armen."

Kindergärten und Musikschule, Blaskapelle und Kinderchor, Ministranten, VdK und Pfadfinderinnen verabschiedeten am Nachmittag nach der Vesper im voll besetzten Haberkasten-Innenhof Schwestern und Pfarrer. Der darf sich über eine geschnitzte Figur des Heiligen Nikolaus freuen, den Pfarrgemeinderatsvorsitzende Haserer und Kirchenpfleger Ernst Wagner überreichten.

Wagner bedauerte den Weggang des Pfarrers, der eine "ernste und schwierige Zeit" in Mühldorf erlebt habe. Die Einrichtung der Stadtkirche Mühldorf habe in den letzten Jahren von Ljubisic viel Kraft gefordert. "Wir sind froh, dass sie sich nicht von ihrem Weg haben abbringen lassen, trotz der in den letzten Wochen entmutigenden Entwicklung", sagte Wagner mit Blick auf die Eingliederung der Pfarrei St. Nikolaus in die Stadtkirche und dem damit verbundenen Abschied Ljubisics. Vor allem auf geistlichem Gebiet habe Ljubisic viel geleistet. "Sie haben uns klar gemacht, dass sich der christliche Glaube nicht im Besuch des Gottesdienstes erschöpft."

Mit dem Abschied Ljubisic, dem am kommenden Wochenende die Pfarrer der Stadtteilkirche folgen, beginnt die Zeit der Stadtkirche. Dekan Roland Haimerl übernimmt sie am 1. September.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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