Raus aus dem Stall

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Vor wenigen Tagen hat Anton Bachhuber seine Kühe wieder auf die Kurzrasenweide getrieben. Foto HA

Mühldorf - Vor drei Jahren begannen im Landkreis Mühldorf die ersten Landwirte damit, ihre Milchviehhaltung auf das System der Kurzrasenweide umzustellen.

Eine Entwicklung, die in Neuseeland ihren Ursprung hat, allerdings nicht für alle Landwirte in Frage kommt. "Strukturwandel hat es in der Landwirtschaft immer gegeben", sagt Anton Bachhuber. "Man muss sich nur darauf einstellen, wenn die Zeit reif dafür ist." Für den 33-jährigen Landwirt aus Niederbergkirchen war sie reif. Vor zwei Jahren hat sich Anton Bachhuber Gedanken gemacht, wie es weiter gehen soll mit seinem Hof, mit den 28 Hektar Grund, mit den 33 Milchkühen im Stall.

Auslöser war die Diskussion um ein mögliches Anbindeverbot für Kühe, das die Europäische Union erlassen wollte. "Das hätte bei mir alles über den Haufen geworfen. Also musste ich nach Alternativen für die Stallhaltung suchen."

Die Lösung lag einfach vor der Stalltür, draußen auf der grünen Wiese - oder wie es die Fachleute nennen: auf der Kurzrasenweide. Möglichst früh im Jahr treibt er seitdem die Kühe auf die Weide und sorgt so dafür, dass das frische Gras sofort gefressen wird. "Damit hat das Unkraut keine Chance", erklärt Bachhuber, der zugleich einräumt: "Im ersten Jahr habe ich noch viele Fehler gemacht."

Keine Überraschung für Claudia Mühlhauser vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Töging: "Das System der Kurzrasenweide erfordert ein hohes Maß an Wissen und eine gute Beobachtungsgabe." Deshalb bietet ihre Behörde laufend Fortbildungen zum Thema an, begleitet derzeit knapp 30 Landwirte in der Region bei der Umstellung, dazu kommen über 100 Teilnehmer in entsprechenden Seminaren.

Das Interesse wächst, auch wenn die Kurzrasenweide laut Mühlhauser "ein Nischenprodukt ist und bleibt". Zum Vergleich: Alleine in den Landkreisen Mühldorf und Altötting gibt es über 1200 Milchviehbetriebe im Haupterwerb. "Dieses System kommt nur für ganz bestimmte Betriebe in Frage. Ob eine Umstellung überhaupt möglich ist, hängt von vielen Faktoren ab." Die Niederschlagsmenge ist so ein Faktor, ebenso die Größe und Lage der Weideflächen oder die Anzahl der Milchkühe. "Und nicht zuletzt kommt es auf den Willen des Landwirts an", sagt Mühlhauser. Denn die Vorurteile gegenüber der Weidehaltung seien nach wie vor groß.

Auch Anton Bachhuber musste sich so manchen abfälligen Kommentar seines Vaters anhören: "Ist ja auch kein Wunder", sagt er. "Zu seiner Zeit hat er mit den Nachteilen der Portionsweide gekämpft." Doch der Junior will sich von seinem Weg nicht abbringen lassen, zumal sich die Umstellung auch wirtschaftlich rechnet - obwohl seine Kühe heute durchschnittlich etwas weniger Milch geben als früher. "Dafür habe ich meine Fixkosten drastisch gesenkt, denn Gras ist nun einmal das billigste Futter. Zum einen kaufe ich deutlich weniger Kraftfutter ein als früher, zum anderen fallen Ausgaben für Dünger und Spritzmittel weg."

So gesehen ist die Umstellung auf Kurzrasenweide auch eine Entscheidung für eine andere Philosophie in der Milchviehhaltung: Weg von den teueren Höchstleistungen im Stall, hin zu geringerer Leistung bei gesenkten Kosten. Das macht das System besonders für Bio-Höfe interessant.

Auch beim Bund der Milchviehhalter steht man dem System der Kurzrasenweide positiv gegenüber. "Wenn die Voraussetzungen passen, profitieren nicht nur die Landwirte, sondern auch die Tiere und damit die Verbraucher", erklärt der Kreisvorsitzende Alois Salzeder. Die Milch einer Kurzrasenweidekuh weise beispielsweise einen höheren Gehalt an Omega-Drei-Fettsäuren auf, sei also gesünder, sagt Salz-

eder.

Für Claudia Mühlhauser ist die Kurzrasenweide nur eine von vielen Möglichkeiten, den laufenden Betrieb zu optimieren. Trotzdem: "Eine Patentlösung für mehr Wirtschaftlichkeit ist sie nicht. Und schon gar nicht eine Antwort auf die Frage: Was ist richtig oder falsch?". ha

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