Urteil gegen Unfallverursacher gefallen

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Der Wagen des Unfallverursachers.

Mühldorf - Das Amtsgericht verurteilte einen 81-jährigen Mann zu einer Geldstrafe. Der Angeklagte hatte mit seinem Porsche einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine Frau ums Leben gekommen ist.

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Richter Thorsten Hengel verurteilte den Rentner wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Geldstrafe in Höhe von 240 Tagessätzen zu jeweils 100 Euro. Außerdem wird ihm die Fahrerlaubnis für drei Jahre entzogen. Hengel betonte bei der Urteilsverkündung, dass dem 81-Jährigen wohl auch nach Ablauf dieser Frist der Führerschein kaum mehr ausgehändigt werde.

Dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die darüber hinaus auf eine einjährige Freiheitsstrafe zur Bewährung plädiert hatte, folgte er nicht. Der 81-Jährige zeigte sich auch nach dem Urteil weiterhin uneinsichtig und kündigte an, in Berufung zu gehen.

Wie berichtet, war die Verhandlung nach Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Angeklagten und dessen Verteidiger unterbrochen worden. Zum Fortsetzungstermin erschien er schließlich ohne Anwalt und vertrat sich selbst vor dem Richter, der Staatsanwaltschaft und dem Nebenkläger des verwitweten Mühldorfer.

Zu den gegen ihn erhobenenen Vorwürfen und zum Unfallhergang machte der Angeklagte nur vage Angaben. Immer wieder berief er sich auf einen Bewusstseinsaussetzer - hervorgerufen durch Unterzuckerung. Der 81-Jährige gab an, dass er sich deshalb zu keinem Zeitpunkt daran erinnern könne, wie er am 27. September 2009 um 16 Uhr zuerst gegen die Leitplanke auf der Staatsstraße 2092 geprallt war, dabei den vorderen rechten Reifen seines Porsche verloren und die Fahrt nach kurzem Stillstand des Wagens fortgesetzt hatte. Nachdem er in die B299 eingebogen war, geriet er dann erneut gegen die Leitplanke und auf die Gegenfahrbahn. Dabei stieß sein Wagen mit dem Opel des Mühldorfer Ehepaars zusammen.

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Nach einer Operation am Magen war dem Fürther bekannt, dass sein Körper auf bestimmte Lebensmittel mit erhöhtem Insulinausschuss und einer einhergehenden Unterzuckerung reagiert. Der Rentner war bereits im Jahr 2006 durch einen ähnlichen Aussetzer am Steuer - ohne gravierende Folgen - auffällig geworden. Damals bestätigte sich im Rahmen eines ärztlichen Gutachtens der Verdacht auf Unterzuckerung.

Da unmittelbar nach dem Unfall auf der B299 keine Blutentnahme erfolgt war, konnte nach der Aussage einer Rechtsmedizinerin dieses Mal eine mögliche Unterzuckerung zum Unfallzeitpunkt weder belegt noch widerlegt werden. Auch die Zeugenaussagen trugen nicht zur Aufklärung bei: Sie konnten zwar Angaben zum Fahrverhalten des Angeklagten machen, nicht aber über dessen Bewusstsein oder -losigkeit.

Vor Fahrtantritt hatte der Mann Kaffee und Kuchen bei Bekannten zu sich genommen. Es ließ sich aber nicht nachvollziehen, ob diese Mahlzeit in Verbindung mit dem Unfall steht. Da dem Angeklagten aber die Gefahr der Unterzuckerung bewusst war, lag laut Richter Hengel Fahrlässigkeit vor.

Dass bei dem Unfall vor zwei Jahren eine 66-jährige Frau ums Leben gekommen war, schien bei dem Angeklagten bis zuletzt nicht angekommen zu sein. Während der gesamten Verhandlung zeigte er wenig Reue und bestand unter anderem darauf, auch weiterhin Auto fahren zu wollen.

hhw/Mühldorfer Anzeiger

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