Nestlé will Labor im Werk Weiding schließen

Wirtschaftsjournalistin Bogner: "Wo bleibt die soziale Verantwortung?"

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Weiding/Polling – Die Ankündigung war ein Schock für die 85 Mitarbeiter im Labor von Nestlé im Werk Weiding: Trotz solider Auftragslage soll es zum Jahresende geschlossen werden. Jetzt wendet sich die Wirtschaftsjournalistin und Landtagskandidatin Judith Bogner (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) zu Wort.

Für den Sender Bloomberg hatte die Wirtschaftsjournalistin und Landtagskandidatin Judith Bogner (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) den damaligen Nestlé-Vorstandschef Peter Brabeck-Letmathe schon interviewt. Sie kann diese Entscheidung nicht verstehen. „Die Schließung macht nach meinem bisherigen Wissensstand keinen Sinn“, heißt es in einer Presseerklärung. „Lebensmittelsicherheit ist gerade wegen der Zunahme von Allergien und Diabetes ein zentrales Thema für Verbraucher und unabhängig vom Wirtschaftszyklus.“

"Der Fachkräftemangel in Bayern ist weithin bekannt" (Judith Bogner)

An dieser Stelle zu sparen sei ein merkwürdiges Signal. Als Grüne würde ihr Lebensmittelsicherheit ebenso am Herzen liegen wie soziale Verantwortung und Nachwuchspflege. Bereits seit acht Jahren habe es im Nestlé-Labor im Werk Weiding keine Auszubildenden mehr gegeben. „Dabei ist der Fachkräftemangel in Bayern weithin bekannt!“

Weiter geht die Landtagskandidatin auf einen aus ihrer Sicht gewichtigen Widerspruch ein: Nestlé setzt auf dem Internetauftritt auf soziale Verantwortung. Das ist ihr aufgestoßen. Ihre Frage ist, wie das zur angekündigten Schließung des Labors im Werk Weiding passt.

Die Presseerklärung vom Bündnis 90/DIE GRÜNEN-Kreisverband im Wortlaut:

"Nach angeblich vergeblicher Käufersuche will der Weltkonzern Nestlé das NQAC Labor am Standort Weiding zum Jahresende schließen. Die Meldung kommt für die 85 Mitarbeiter überraschend. 2 Jahre lang war ihnen versichert worden, ein Kauf sei problemlos, Interessenten vorhanden

Solide auch die Auftragslage, wie Betriebrätin Nina Aimmer in einem Telefonat mit Judith Bogner, Landtagskandidatin Bündnis 90/DIE GRÜNEN, bestätigte. Das enorme Volumen im letzen Jahr bewältigte das Team in Weiding in gewohnter Top Qualität. (...) Auftragslage und Leistungsfähigkeit sind wichtige Argumente für potentielle Käufer.

Die Aufträge kamen sowohl von deutschen wie auch internationalen Kunden. Bei einer Schließung in Weiding würden diese Aufträge an die anderen NQAC Standorte weitergereicht werden. Wirtschaftsjournalistin Judith Bogner, die einst Ex-Vorstandschef Peter Brabeck-Letmathe für den Sender Bloomberg interviewte, hinterfragt die Entscheidung des Managements: “Die Schließung macht nach meinem bisherigen Wissensstand keinen Sinn. Lebensmittelsicherheit ist gerade wegen der Zunahme von Allergien und Diabetes ein zentrales Thema für Verbraucher und unabhängig vom Wirtschaftszyklus.

An dieser Stelle zu sparen ist für einen Nahrungsmittelkonzern ein merkwürdiges Signal. Wie wichtig der Bereich ist, zeigt die 31 Millionen Dollar Investition in den NQAC Standort Dublin im US-Bundestaat Ohio. Das Labor in Weiding steht für deutsche Qualität und Fachwissen im Bereich Mikrobiologie, Chemie und Rückstandsanalytik - verankert in der ländlichen Region Oberbayern, aber mit internationaler Reichweite. Es ist ein Asset für die Branche und die Region, das erhalten und neu belebt werden kann.

Als Grüne liegen mir neben Lebensmittelsicherheit auch soziale Verantwortung und Nachwuchspflege im ländlichen Raum am Herzen. Mir ist unverständlich, warum es im Nestlé-Labor Weiding seit 8 Jahren keine Auszubildenden mehr gibt. Dabei ist der Fachkräftemangel in Bayern weithin bekannt!

Nestlé setzt auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung, wenn es um Standorte in Lateinamerikaoder Afrika geht. Wer auf der Nestlé Webseite unter Verantwortung nachschaut, findet folgende Aussage: Ernährung und ländliche Entwicklung sind neben Wasser die 3 Bereiche, “in denen das Potential für eine Gemeinsame Wertschöpfung am größten ist”. Meine Frage an das Nestlé Management:

Wie past dies zur Schließung des Nestlé-Labors in Weiding? Ich schlage vor, den CSR Gedanken (Corporate Social Responsibility) auch in Weiding anzulegen und zu prüfen, inwieweit der Standort Potential zur Erneuerung hat. Die 85 Mitarbeiter, ihre Familien, der Landkreis Mühldorf am Inn, die Nahrungsmittelsicherheit und die Nachwuchsförderung im ländlichen Bayern sollten es Nestlé wert sein.”

rw/Pressemeldung von Bündnis90/DIE GRÜNEN

Rubriklistenbild: © Raphael Weiß (Archiv)

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