Erscheinung in Unterflossing

Die heilige Maria wird um 16.30 Uhr herbeigerufen

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Unterflossing - In dem 112 Einwohner zählenden Ort bei Mühldorf kommen regelmäßig Hunderte Menschen zusammen. Sie warten darauf, dass Maria erscheint. Doch warum eigentlich?

Ein Wunder geschieht regelmäßig in Unterflossing bei Mühldorf. Am 9. September soll es wieder so weit sein: Pünktlich um 16.30 Uhr wird Maria erscheinen. So glauben es zumindest Hunderte Menschen, die dafür extra zur Laurentius-Kapelle in dem oberbayerischen Ort kommen.

112 Einwohner zählt der Ort. Die Kapelle bildet das Zentrum. Otto Masszi, 57 Jahre alt, hat sie vor rund sechs Jahren gekauft. Er war auch dabei, als die Heilige Maria im vergangenen Jahr schon einmal nach Bayern kam - in die kleine Privatkapelle einer Bauersfamilie in Walpertskirchen nahe Erding.

Otto Masszi - einst Maschinenbau- und später Astronomiestudent - verbringt mittlerweile viel Zeit in seiner Kapelle. Er arbeitet als Umweltschützer im Landratsamt München an Bebauungsplänen und spielt in diversen Pfarreien Orgel - bezahlt von der Kirche, schreibt die Wochenzeitung "Die Zeit".

In Walpertskirchen hat er auch den Italiener Salvatore Caputo kennengelernt. Einen selbsternannten Seher, den er daraufhin nach Unterflossing eingeladen hat. Außerdem hat Otto Masszi die Kapelle renoviert - die Wände neu gestrichen und den einsturzgefährdeten Turm abgestützt zum Beispiel. Um die 100.000 Euro habe er investiert.

Im März ist Maria bereits in der Laurentius-Kapelle erschienen. Ein Handyvideo zeugt davon, Otto Masszi hat es aufgenommen. Am 9. September soll die Heilige Maria nun erneut herbeigerufen werden. Um 16.30 Uhr. Der 57-Jährige glaubt fest daran, dass sie erscheinen wird. Auch wenn er sich zahlreicher Zweifler bewusst ist.

"Das sind Menschen, die eine Kraft in ihrem Leben spüren wollen"

"Der Garten des Glaubens ist ein vielfältiger", sagt eine Sprecherin des Erzbischöflichen Ordinariats München Freising gegenüber "Die Zeit". "Da haben viele Dinge Platz. Wir prüfen, ob auch das Platz hat." Das Ordinariat betrachtet die Zeremonien an der Laurentius-Kapelle misstrauisch.

Derartige Phänomene seien schwierig für die Kirche. Und das nicht nur, weil sie nicht für jeden sichtbar sind. Die Erscheinungen, die Seher Salvatore Caputo im italienischen Mantua angeblich hatte, sind dort vom zuständigen Bistum untersucht worden. Die Kirche hat sie nicht anerkannt.

Auch der Sektenbeauftragte ermittelt im Fall der Marienerscheinung in Unterflossing. Allem Anschein nach ist die Kirche besorgt, dass Maria in Unterflossing etwas sagen könnte, das den Lehren der katholischen Kirche nicht entgegen kommt. Zudem wird befürchtet, dass Gläubige finanziell ausgebeutet werden.

"Wer nicht kommt, macht auch mein Klo nicht dreckig"

Ein großer Teil der Gemeinde, erzählt Pfarrer Armin Thaller, der für den Pfarrverband Flossing zuständig ist, halte die Erscheinungen für Schwachsinn. Andere fragten erschreckt, ob sie das jetzt glauben müssten, selbst wenn sie das nicht wollten. Er antworte dann stets, das müssten sie nicht.

"Das sind Menschen, die eine Kraft in ihrem Leben spüren wollen", sagt er über jene, die zur Marienerscheinung nach Unterflossing kommen. Wenn Maria nun am Wochenende in den 112 Einwohner zählenden Ort wiederkommt, werden bis zu 2.000 Menschen von Salvatore Caputo erwartet.

Auch auf einer eigenen Facebook-Seite wird auf das Event hingearbeitet.

Otto Masszi glaubt fest an das Phänomen in der Laurentius-Kapelle, erwartet aber von anderen nicht, dass sie auch daran glauben. "Wer nicht kommt, macht auch mein Klo nicht dreckig", sagt er.

ksl

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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