Trotz Ungereimtheiten

Richterin spricht Ex-Vorsitzenden von Flossinger Marien-Erscheinungs-Verein frei

Ein Bild vom März 2018: Der umstrittene Seher Salvatore Caputa kam schon einige Male nach Flossing, um einer mutmaßlichen Marienerscheinung beizuwohnen. Wegen Corona gibt es aktuell keine Termine für Marien-Erscheinungen die sonst im halbjährlichen Zyklus im Frühjahr und im Herbst anberaumt waren.
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Ein Bild vom März 2018: Der umstrittene Seher Salvatore Caputa kam schon einige Male nach Flossing, um einer mutmaßlichen Marienerscheinung beizuwohnen. Wegen Corona gibt es aktuell keine Termine für Marien-Erscheinungen die sonst im halbjährlichen Zyklus im Frühjahr und im Herbst anberaumt waren.

Polling/Landshut –Es war ein Sieg für den Heiligen Laurentius im weitesten Sinne, den Erich Neumann vor dem Amtsgericht Landshut erzielt hat. Der ehemalige Vorsitzende des Vereins „Förderer und Freunde der St. Laurentius-Kapelle Unterflossing“ hatte sich wegen Urkundenfälschung zu verantworten, wurde aber freigesprochen.

Es habe nach der Beweisaufnahme immer noch etliche Ungereimtheiten um die verfahrensgegenständliche Mitgliederversammlung im Februar 2018 gegeben, so Richterin Sandra Brenner in der Urteilsbegründung. Aber im Zweifel habe nun mal der Freispruch für den Angeklagten zu erfolgen.


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Förderverein benutzt?


Der Verein ist gegründet worden, um Spenden für den Erhalt der St-Laurentius-Kapelle in Unterflossing zu sammeln. Zweimal im Jahr wird dafür der ehemalige Polizist und selbst ernannte Seher Salvatore Caputa aus Italien zur Kapelle eingeladen, dem zahlreiche Pilger folgen.

Doch zwei Ex-Vereinsmitglieder monierten nicht nachvollziehbare Kontobewegungen auf dem Vereinskonto und beschuldigten den ehemaligen Vorsitzenden, den Förderverein methodisch zu missbrauchen, um Gläubige hinters Licht zu führen. Die Staatsanwaltschaft Landshut legte ihm deshalb Urkundenfälschung zur Last. Laut Anklage soll der 67-jährige Wormser ein Protokoll zu einer Mitgliederversammlung erstellt haben, die gar nicht stattgefunden hat. Dabei ging es um eine Satzungsänderung, um die Gemeinnützigkeit des im November 2017 gegründeten Vereins zu erlangen. Neumann reichte im September 2018 einen entsprechenden Antrag beim Registergericht ein.

Neumann spricht von „hinterhältiger Attacke“

Da ein Mehrheitsbeschluss dazu aber nicht genügte, sondern alle Mitglieder zustimmen müssen, lieferte der ehemalige Journalist eine Unterschriftenliste nach. Die ehemalige Schriftführerin des Vereins behauptete, dass Unterschriften von Neumann gefälscht worden seien. Neumann bezeichnete die Anschuldigung als „eine hinterhältige Attacke“ der ehemaligen Vereinsmitglieder. Diese hatten ihm schon ein Verfahren wegen Untreue eingebrockt, das aber von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde.

Vorstand nicht ordentlich geladen

Ein ehemaliges Vereinsmitglied sagte jedoch: Am 5. Februar 2018 habe es definitiv keine Versammlung gegeben. Es sei lediglich die Geburtstagsfeier des Pfarrers gewesen. Es habe ja auch im Vorfeld keine Einladung zu einer Versammlung gegeben, wie es laut Satzung Vorschrift wäre, sagte der 54-jährige Busfahrer. Die Vorstandschaft sei tatsächlich nicht ordnungsgemäß geladen worden, räumte Neumann ein. Aber er habe alle gefragt, ob das in Ordnung sei, die spontane Zusammenkunft auf der Geburtstagsfeier für eine Versammlung zu nutzen. Und alle hätten zugestimmt.

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Richterin: „Mit spontaner Versammlung war der Mangel geheilt!“

Für die Staatsanwältin stand nach der Beweisaufnahme fest: Eine Versammlung habe, „zumindest ordnungsgemäß“, nicht stattgefunden. Eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro sei tat- und schuldangemessen.

„Unter Strafe steht nicht, wenn die Regeln nicht ganz eingehalten werden“, konterte Verteidiger Markus Krenek und beantragte den Freispruch. Richterin Brenner folgte Kreneks Antrag, weil die Mitglieder einverstanden gewesen seien, dass spontan eine Versammlung abgehalten worden sei: „Der Mangel war damit geheilt.“ Das Protokoll sei in Folge nicht zu Unrecht beim Registergericht eingereicht worden.

Kopfschütteln versus Zufriedenheit

Während das Urteil bei den Vereinskontrahenten für Kopfschütteln sorgte, äußerte sich Erich Neumann sehr zufrieden. Obwohl er dieses Theater nicht gebraucht habe, sei er sich so sicher wie das Amen in der Kirche gewesen, dass es so kommen werde. Dabei sah er ganz andere Kräfte am Werk als die ehemaligen Vorstandsmitglieder. „Die beiden Leute, die den ganzen Irrsinn losgetreten haben, sind Gründungs- und ehemalige Vorstandsmitglieder, die zu keinem Zeitpunkt eine interne einvernehmliche Lösung angestrebt haben, sondern ganz im Gegenteil: Je abstruser die längst als substanzlos widerlegten Angriffe wurden, umso mehr Gas gaben sie noch.“

Erst emotional, dann juristisch

Die ersten Schritte seien ausnahmslos emotional geprägt gewesen, der letzte sei nicht nur in völlig anderem Schriftbild, sondern auch juristisch angehaucht dahergekommen. „Ein Schelm, wer da eventuell eine konkrete Institution als lancierend vermutet“, sagt Neumann und meint damit offenbar die Kirchenleitung.

Nächster Gebetstag ist am Fatimatag

Während Erich Neumann ob des Freispruchs nun aufatmen kann, bleibt offen, wie es mit den mutmaßlichen Marienerscheinungen weitergeht. Der letzte Bericht über die Erscheinung der Gottesmutter im Pollinger Ortsteil Unterflossing liegt über ein Jahr zurück, als der umstrittene Seher Salvatore Caputa zum letzten Mal tiefgläubige Marienverehrer zur St. Laurentius-Kapelle angelockt hat. Doch mit Aufflammen der Corona-Pandemie ist es auch rund um die Visionen in Oberbayern still geworden. Bei den „Freunden und Förderern der St- Laurentius-Kapelle Unterflossing“ heißt es lediglich, dass „Marienseher“ Caputa, dennoch Visionen hatte, und zwar in Monzambano, seinem italienischen Wohnort, anlässlich des Gebetstages an der St. Laurentius-Kapelle in Unterflossing. Das war angeblich am 12. September und auch schon am 1. März dieses Jahres der Fall. Der nächste Gebetstag ist am 13. März 2021 (Fatima-Tag) geplant.

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