Standort soll schließen aber der Bär bleibt?

Das sagen Hochwald und Lokalpolitiker zur Schließung in Weiding

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Polling/Landkreis - Der Kampf um den Erhalt der "Bärenmarke" geht weiter. Am Freitag trafen sich die rund 100 Mitglieder der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten, um die Schließung des Hochwald-Werkes Weiding und die Abschaffung der "Bärenmarke" zu verhindern. 

Update, Dienstag, 9.30 Uhr: Stellungnahme der ÖDP

Auch die beiden ÖDP-Kreisräte Hans Huber (Landwirt aus Burgkirchen, AÖ) und sein Mühldorfer Pendant Reinhard Retzer zeigen sich besorgt über die geplante Schließung des Hochwaldwerkes in Weiding. "Hinter jedem Arbeitsplatz stehen Familien, die sich um ihre Zukunft Sorgen machen müssen," so die beiden Politiker von ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei). Sie plädieren dafür, nach Wegen zu suchen, den Standort zu erhalten und dabei neu auszurichten.

Bezeichnend für die Entwicklung sei die Aussage von Hochwald, als Genossenschaft „an der Wettbewerbsfähigkeit arbeiten“ zu müssen, do die beiden ÖDP-Politiker. http://bit.ly/2lhp4RF .

"Die einseitige und immer exzessivere Orientierung an der Finanzrendite wird nicht mehr hinterfragt. Landwirtschaft und Wirtschaft allgemein müssen jedoch dauerhaft am Wohl von Mensch, Tier und Umwelt ausgerichtet werden," so Bio-Landwirt Hans Huber, der für die ÖDP im Kreistag Altötting sitzt.

Er plädiert dafür nach Wegen zu suchen, um in Weiding regional erzeugte Milch für das Premium-Segment zu verarbeiten. „ Dafür seien Verbraucher bereit, auch den einen oder anderen Cent mehr zu bezahlen.“

Wenn im Rahmen der Neuorientierung, dann der eine oder andere Landwirt sogar eine Umstellung auf ökologische Landwirtschaft in Erwägung zöge, dann würde sich nicht nur der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner freuen, dessen Haus in einem Papier verkündete: "Ziel ist eine Verdoppelung der bayerischen Ökoproduktion bis zum Jahr 2020"

Pressemitteilung ÖDP Mühldorf/Altötting

Update, Montag 19.00 Uhr - Stellungnahme von Hochwald

Auf Nachfrage von innsalzach24.de schreibt die Pressestelle von Hochwald:

"Der Milchmarkt in Deutschland und der Welt ist in den vergangenen Jahren volatiler (lateinisch für u.a. veränderlich, beweglich) geworden. Hochwald muss in diesem Umfeld als genossenschaftlich strukturiertes Unternehmen an der Wettbewerbsfähigkeit arbeiten, und hat deshalb alle Produktionsstätten auf den Prüfstand gestellt. (Am) Standort Weiding sind seit der Übernahme 2003 insgesamt ca. 24 Mio. Euro investiert worden. Nur aufgrund des Engagements der Hochwald-Gruppe wurde der Standort überhaupt nach 2003 weiter betrieben.

Vor der Entscheidung, das Werk Weiding zu schließen, wurde eine detaillierte Analyse der Kostensituation im internen Vergleich zu anderen Standorten aber auch im externen Benchmark (sinngemäß „Maßstäbe vergleichen“) durchgeführt. Durch die baulichen Gegebenheiten am Standort kann nicht zu wettbewerbsfähigen Kosten produziert werden. Die Kosten tragen die Eigentümer der Hochwald- Gruppe, die Landwirte in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Hessen und in Nordrhein-Westfalen.

Wir sehen uns als Unternehmen gegenüber unseren Mitarbeitern und unseren vertraglich verbundenen Milchlieferanten verpflichtet, den Prozess bis zum 31.3.2018 fair und transparent zu gestalten. Deshalb steigen wir zügig in die Verhandlungen zu einem Interessenausgleich und Sozialplan ein, und haben Gespräche mit der Agentur für Arbeit sowie der IHK aufgenommen. Die Ankündigung der Schließung macht es außerdem möglich, mit potenziellen Investoren für den kompletten Standort bzw. für Betriebsteile zu sprechen. In den nächsten Wochen werden wir mit Hochdruck an Lösungen arbeiten.

Der Standort produziert Kondensmilch in der Dose und in der Glasware für den inländischen Markt und für den Export. Außerdem werden ESL- und haltbare Milch, sowie Milchmischgetränke und Sahne in verschiedenen Verpackungseinheiten hergestellt.

Das Markenportfolio der Hochwald-Gruppe bleibt von der Schließung unberührt. Dies gilt auch und insbesondere für unsere Marke Bärenmarke, deren Markenentwicklungsstrategie erfolgreich fortgesetzt wird.

Pressestelle Hochwald

Update, Montag 15.50 Uhr - Stellungnahme Landrat Erwin Schneider

„Die Schließung des Standortes in Weiding trifft auch den Landkreis Altötting in mehreren Schattierungen. Zum einen droht 230 Mitarbeitern die Kündigung und zum anderen wissen viele Landwirte nicht mehr, wohin sie ihre Milch liefern sollen. Ich hoffe sehr, dass hier tragfähige und vor allem sozialverträgliche Lösungen gefunden werden.“

Update, Montag 15.15 Uhr - Design-Relaunch und neue Positionierung

Wird der Bärenmarke-Bär sterben? Wohl kaum. Er ist offenbar „umgezogen“, von der idyllischen Bergwelt in das moderne Leben. Tatsächlich nämlich hat Hochwald noch im Dezember 2016 eine neue Kampagne gestartet. Von einem Design-Relaunch ist die Rede. „Mit dem neuen Dachmarkenspot präsentiert sich die Bärenmarke als zeitgemäße, relevante Marke mit breiter Produktkompetenz, die sich weg von der tradierten Kaffeetafel hin auf den Frühstückstisch der Familien positioniert“, schreibt Hochwald am 5. Dezember 2016 dazu auf seiner Internetpräsenz.

Weiter heißt es von Hochwald zum Spot, der offenbar bis zum Jahreswechsel lief: „Nachdem im Sommer die Verpackungen einen erfolgreichen Design-Relaunch erfahren haben, stützt nun der Fernsehspot die neue Positionierung und setzt dabei auf die ursprünglichen Markenwerte der Bärenmarke: Fürsorge, Geborgenheit, Qualität, aber auch eine gewisse Gelassenheit und Unaufgeregtheit. Zielsetzung ist, das wertvolle Markengut der Bärenmarke zu erhalten und sich gleichzeitig als Marke zu öffnen, um so neue Verwender zu überzeugen. Auf Basis dieser Positionierung bezieht die Bärenmarke als Begleiter der Entwicklung von Kindern zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen Stellung.“

rw

Update, Montag 14:45 Uhr - Stellungnahme von MdL Ingrid Heckner (CSU)

Ich stehe voll auf der Seite der Mitarbeiter/innen und unserer Bauern, die seit Jahrzehnten ihre Milch nach Weiding geliefert haben und nun neue Verträge mit einer weit entfernten Molkerei abschließen sollen. Und das bei einem labilen Milchmarkt. Für alle Bemühungen, den Standort mit den 230 Arbeitsplätzen zu erhalten, sage ich meine Unterstützung zu.“

Update, Montag 14.15 Uhr - Stellungnahme von Landrat Georg Huber

Die Stellungnahme von Landrat Georg Huber im Wortlaut: 

"Es ist sehr traurig, dass durch die drohende Schließung von Hochwald in Weiding Arbeitsplätze in Gefahr sind. Eine Schließung wirkt sich auch immens auf den landwirtschaftlichen Sektor als Zulieferer aus. Ich hoffe, dass sich Hochwald um eine entsprechende Werksnachfolge im milchverarbeitenden Bereich kümmert, damit viele Arbeitsplätze erhalten bleiben und Landwirte aus der Region weiterhin ihre Milch liefern können."

UPDATE, Montag 11.05 Uhr - Pressemitteilung DIE LINKE

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Das Hochwald-Werk in Weiding soll zum 31. März 2018 geschlossen und die Produktion an andere Standorte verlagert werden. "Das bedeutet das Aus für 230 Arbeitsplätze am Standort“, so Susanne Ferschl, Mitglied des Landesvorstandes der bayerischen LINKEN. 

Ferschl weiter: „Das ist eine Katastrophe für die Beschäftigten, die jahrelang den Gewinn am Standort erwirtschaftet haben. Zahlreiche Familien hängen an den Arbeitsplätzen. Viele Milchbauern aus der Region sind betroffen. Ich fordere die Firmenleitung auf, sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu werden. Alternative Konzepte sind zu prüfen. Standort und Arbeitsplätze sind zu erhalten! Ebenso ist jetzt auch die Politik vor Ort gefragt - Rettungsschirme darf es nicht nur für Banken geben. Ich unterstütze den Kampf der Belegschaft um Erhalt des Standortes und der Arbeitsplätze.“

Pressemitteilung DIE LINKE

Die Erstmeldung:

Noch immer setzt sich die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) gegen die Schließung des Hochwald-Werkes in Weiding ein, wie der Mühldorfer Anzeiger berichtet.

"Die Produktion ist Weiding ist auf jeden Fall rentabel", versichert Rosenheims NGG-Regionsgeschäftsführer Georg Schneider. Damit widerspricht er den immerwiederkehrenden Behauptungen seitens der Geschäftsleitung, der Standort wäre unwirtschaftlich.

Auch die Abschaffung der beliebten "Bärenmarke" stößt bei der NGG auf Unverständnis. Auch gegen dieses Unterfangen möchte die NGG entschieden vorgehen.

Den vollständigen Bericht lesen Sie auf OVB Online oder in Ihrem Mühldorfer Anzeiger.

Rubriklistenbild: © dpa

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