Pollinger Firma und Gesundheitsamt beziehen Stellung

Heftige Vorwürfe gegen Molkerei: Mitarbeiter trotz Quarantäne am Arbeiten?

Coronavirus - Quarantäne Neustadt am Rennsteig
+
Quarantänepflicht bei einer Corona-Virus Infektion (Symbolbild)

Heftige Vorwürfe gegen eine Molkerei in Polling erhielt innsalzach24.de als anonymen Hinweis. Demnach sollen sich Mitarbeiter einer Abteilung nacheinander mit Corona anstecken, während andere als Kontaktpersonen weiterarbeiten müssen - eine Person soll sogar trotz verordneter Quarantäne in der Firma weiterarbeiten. innsalzach24.de ist den Vorwürfen nachgegangen und hat beim Gesundheitsamt und der Molkerei selbst nachgefragt.

Weiding/Polling - In einer Abteilung der Almil Molkerei in Polling im Landkreis Mühldorf sollen sich die Corona-Fälle häufen, bereits ein Drittel der Belegschaft einer Abteilung soll positiv getestet worden sein, während die anderen Mitarbeiter angeblich weiterarbeiten müssen - obwohl auch sie mit den Positiv-Getesteten Kontakt gehabt hätten. Die Mitarbeiter würden zwar mit Schnelltests regelmäßig versorgt, müssten wohl aber weiterhin eng beieinander an den Füllmaschinen arbeiten. Zusätzlich würde in der Abteilung nur eine OP-Maskenpflicht gelten und keine FFP2-Maskenpflicht. Außerdem soll eine Mitarbeiterin anscheinend offiziell in Quarantäne sein, aber einen eigenen Raum bekommen haben, um dort weiterarbeiten zu können. Allem Anschein nach sei dies alles mit dem Gesundheitsamt abgesprochen. So lautet zumindest der Vorwurf. 

Das sagt das Gesundheitsamt Mühldorf

Auf Anfrage von innsalzach24.de beim Gesundheitsamt Mühldorf bestätigt das Amt, dass „für 13 Beschäftigte der Almil AG Molkerei Weiding sowie drei Mitarbeiter eines externen Dienstleisters“ positive Testergebnisse vorlägen, davon fielen acht in den Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes Mühldorf. 

Allerdings würden die Betroffenen entgegen der Vorwürfe in „verschiedenen, voneinander getrennten Bereichen“ tätig sein. Außerdem konnte „nach Ablauf der vollen Quarantänezeit und Vorlage eines negativen Testergebnisses“ bereits eine Person aus dem Landkreis wieder zurück an ihren Arbeitsplatz kehren. 

Das Gesundheitsamt fügt an, dass positive Schnelltestergebnisse stets auch per PCR überprüft werden. Falls es zur Aufrechterhaltung des Betriebes zwingend erforderlich sei, könne das Gesundheitsamt „im Einzelfall für eine Kontaktperson eine Sondergenehmigung für eine Einzeltätigkeit während der Quarantänezeit erteilen“. Trotzdem „gelten weiterhin die strengen Regeln der häuslichen Quarantäne, zusätzlich sind tägliche Schnelltests vor Arbeitsbeginn sowie die Isolierung am Arbeitsplatz zwingend erforderlich“.

Das sagt das Unternehmen selbst

Auch das Unternehmen hat sich auf Anfrage von innsalzach24.de zu den Vorwürfen geäußert und wehrt sich vehement gegen die Gerüchte.

„Wir hatten kürzlich im Umfeld unseres Standortes mehrere Ansteckungen mit Covid-19 und haben eine umfangreiche Kontaktnachverfolgung durchgeführt, sowie Schnell- und immer im Nachgang dazu auch PCR-Tests durchgeführt“, so Unternehmenssprecherin Kathrin Lorenz. Zusätzlich würde das Unternehmen auch vorsorglich und ohne eine Anordnung für Quarantäne seitens des Gesundheitsamts Mitarbeiter nach Hause schicken. Außerdem werde der „Kontakt zum Gesundheitsamt gehalten“. Die Bestimmungen der Arbeitsschutzverordnung und des Infektionsschutzgesetzes würden im Produktionsstandort eingehalten werden- teilweise eben sogar noch strenger als verordnet. Eine OP-Maskenpflicht gelte da, wo Abstände eingehalten würden, überall wo ein Abstandhalten nicht möglich sei bzw. eine mögliche Gefährdungssituation bestünde, gelte eine FFP2-Maskenplicht

Fakt ist, dass aktuell eine angestellte Person in der Molkerei tätig ist, die sich eigentlich in Quarantäne befindet. Aufgrund der besonderen Position im Unternehmen handle es sich hierbei jedoch um einen Sonderfall, den das Gesundheitsamt auch genehmigt hat. Die Person arbeite in einem eigenen Raum.

Laut Lorenz habe Almil „seit Beginn der Pandemie eine Krisenorganisation und eine sehr umsichtige Teststrategie“. Auch „Verdachtsfälle zweiten Grades“ oder auch Familienmitglieder würden getestet, wenn der Verdacht eines Kontaktes denn bestünde. Außerdem gäbe es die Schutzmaßnahmen wie FFP2-Masken, Entzerrung der Schichten- und Pausenzeiten, Abstandsregeln, mobiles Arbeiten“ und eine vermehrte Aufteilung der Arbeitsplätze. So hätte das Unternehmen „die Kontaktflächen der Mitarbeiter im Betrieb reduziert“. Die Maßnahmen seien alle mit den Gesundheitsämtern und dem Gewerbeaufsichtsamt abgestimmt. Man stünde im engen Kontakt, so Lorenz. 

Die heftigen Vorwürfe durch einen anonymen Hinweis haben sich so nicht bestätigt. Positive Corona-Fälle wurden zwar seitens des Gesundheitsamts bestätigt, die vorgeworfenen Umstände jedoch nicht. Einzig die Behauptung, dass sich eine Person eigentlich in Quarantäne befände und trotzdem im Unternehmen weiterarbeitet, konnte bestätigt werden. Hierbei handelt es sich aber um eine Sondergenehmigung durch das Gesundheitsamt.

ce

Kommentare