Keine Räume für Förderschule in Polling

Landrat Huber: "Entscheidung finde ich traurig"

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Landrat Georg Huber (Archivbild)
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Polling - In seiner jüngsten Sitzung sprach sich der Gemeinderat mehrheitlich dagegen aus, der Förderschule Räumlichkeiten in der Grundschule Polling zur Verfügung zu stellen.

Update, 16.35 Uhr: Standortsuche auch Thema im Kreistag

Im Mühldorfer Kreistag stand am Freitag die Entscheidung über die Standortsuche für die Starkheimer Außenstelle an. "Ich finde die Entscheidung in Polling traurig", erklärte Landrat Georg Huber (CSU). "Da schwingt mit: Die wollen wir hier nicht!" Auch er betonte, dass einzig der Förderbedarf diese Kinder von den Grundschülern unterscheide. Viele von ihnen würden später auf eine Realschule oder ein Gymnasium wechseln.

Der Kreistag beschloss einstimmig, die Standortsuche nun wieder aufzunehmen. Bis Juli soll nun eine Alternative gefunden werden. "Eventuell müssen wir auch etwas neu bauen", erklärte Landrat Huber.

Die Diskussion im Pollinger Gemeinderat:

Der Landkreis ist derzeit auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für die Außenstelle der Förderschule Waldkraiburg, die sich bisher in Starkheim befindet. Denn das bisherige Gebäude soll saniert werden und dann der Fachakademie für Sozialpädagogik zur Verfügung gestellt werden. Ein entsprechender Antrag auf die Vermietung von Räumlichkeiten in der Pollinger Grundschule lag bereits auf der Ratssitzung im Februar vor. Doch damals entschied das Gremium, dass noch zu wenig Informationen vorlagen, wie damals der Mühldorfer Anzeiger berichtete.

Zahlreiche Zuhörer

Bei der Sitzung am Donnerstag lag zudem ein Bürgerantrag der Elterninitiative vor, das Thema öffentlich zu behandeln, um mehr Transparenz zu schaffen. Dieser wurde einstimmig angenommen. Wie sehr das Thema die Pollinger bewegt sah man eindeutig daran, dass im Sitzungssaal die Stühle ausgingen, so zahlreich waren Zuhörer an diesem Abend erschienen. 

Vertreter aller betroffener Parteien sollten an diesem Abend den Rat und die Öffentlichkeit informieren. Den Anfang machte ein Vertreter des Landratsamts, der noch einmal die gesamte Vorgeschichte des Themas rekapitulierte. Er schloss seinen Vortrag mit dem dringenden Appell, dass die Unterbringung der Förderschulklassen in Polling nach Ansicht das Landratsamts eine gute Lösung für alle Beteiligten sei.

Einige Erfolgsbeispiele für das Modell

"Unsere Schüler unterscheiden sich kaum von den Grundschülern in Polling", betonte anschließend der Leiter der Waldkraiburger Förderschule, "Der einzige Unterschied ist, dass sie einen Förderbedarf beim Lernen haben." Der Unterricht würde zwar getrennt stattfinden, die Pausen beispielsweise würden aber Grund- und Förderschüler zusammen verbringen. Es gäbe einige Beispiele, etwa in Aschau am Inn, wo ein solches Modell sehr gut funktionieren würde. Dem stimmte Schulamtsdirektor Hans Wax ausdrücklich zu. Auch die derzeitige Leiterin der Pollinger Schule erklärte, grundsätzlich könne sie sich das Modell gut vorstellen.

Die Leiterin der Mittelschule Tüßling wiederum berichtete, in Folge der Diskussion um die mögliche Eingliederung der Förderschule in Polling habe es bei ihr bereits zahlreiche besorgte Anrufe von Eltern gegeben, ob damit die Zusammenarbeit mit ihrer Schule enden würde. Bürgermeister Lorenz Kronberger (CSU) betonte, die Zusammenarbeit mit Tüßling stehe nicht zur Debatte. Sollten Verhandlungen mit dem Landkreis aufgenommen werden, dann nur, wenn durch die Vermietung der Räumlichkeiten an die Förderschule weder der Betrieb der Grundschule noch die Zusammenarbeit mit Tüßling beeinträchtigt würden. 

Zu wenig Räumlichkeiten

Unter den Mitgliedern des Gemeinderats entsponn sich anschließend eine ausführliche Diskussion über die Möglichkeit des Unterfangens. Immer wieder wurde dabei kritisiert, dass es nicht wahrscheinlich wirke, dass tatsächlich genügend Räume für alle drei Schulen zur Verfügung stehen würden. Lösungsansätze, wie eine Halbierung der 80 Quadratmeter großen Klassenräume oder ein Umbau des Schwimmbades wurden überwiegend abgelehnt. 

Daneben wurde auch vielfach kritisiert, es sei kaum absehbar welche Kosten auf die Gemeinde am Ende zukommen würden. Andreas Maierhofer (CSU), der zweite Bürgermeister, merkte beispielsweise an, dass einiges an Sanierungsmaßnahmen für den Lärm- und Brandschutz anfallen könnten. Vorschläge, das Thema erneut zu vertagen um die ausstehenden Fragen abschließend zu klären, wurden mehrheitlich abgelehnt. Dies auch unter Verweis darauf, dass das Landratsamt eine baldige Entscheidung brauchte. Am Ende sprach sich das Gremium mehrheitlich gegen die Vermietung aus. Somit wird der Landkreis andernorts nach Räumlichkeiten suchen müssen. 

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