+++ Eilmeldung +++

News-Ticker

Peggy Knobloch - Polizei bestätigt Teilgeständnis des Verdächtigen: Details zum Tathergang

Peggy Knobloch - Polizei bestätigt Teilgeständnis des Verdächtigen: Details zum Tathergang

Ausgrabungen in Ehring

"So ein großes Gräberfeld dieser Epoche findet man nicht jeden Tag!"

+
  • schließen

Polling - In der Altöttinger Straße, im Ortsteil Ehring wurden bei Kanalarbeiten mittelalterliche Gräber entdeckt. innsalzach24.de hat die Ausgrabungen besucht.

"So ein großes Gräberfeld aus dieser Epoche, dem Zeitraum zwischen dem neuen und zehnten Jahrhundert nach Christus, findet man nicht jeden Tag", berichtete Grabungsleiter Dr. Thomas Beckh, von der beauftragten Grabungsfirma Ascea, im Gespräch mit innsalzach24.de. Die Existenz des Friedhofs an sich sei bereits seit 2014 bekannt. Damals waren bei Bauarbeiten nahe der jetzigen Fundstelle bereits einige weitere Gräber mit insgesamt 94 Skeletten aus dieser Zeit gefunden worden. Nun wurden noch 33 weitere Skelette gefunden. In diesem Bereich wurden darüber hinaus vor vier Jahren auch Hinweise auf eine viel frühere römische Siedlung aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus entdeckt. Einige Spuren davon seien auch diesmal zu Tage gekommen. 

Grabungsleiter Dr. Thomas Beckh von der Grabungsfirma Ascea.

Manche der 2014 gefundenen Toten wiesen Verletzungen auf. Dies sei bei den jetzt gefundenen Skeletten aber nicht der Fall, so Beckh: "Es gibt teilweise Hinweise auf Mangelernährung oder Arthrose, das ist aber für Menschen aus dieser Epoche nichts Außergewöhnliches." Die Toten seien in zwei Lagen übereinander bestattet worden, vermutlich sei daher bei den späteren Bestattungen der Ort der vorherigen Gräber nicht mehr bekannt gewesen. Das sich die Knochen so nah an der Oberfläche befanden, sei vermutlich dadurch bedingt, das sich an diesem Ort früher ein Parkplatz befand, für den die oberen Bodenschichten abgetragen wurden. 

Einer der Archäologen bei der Arbeit.

"Die Skelette sind auf Grund des sehr kieshaltigen Bodens besonders gut erhalten", berichtete Beckh,"vereinfacht gesagt hat dieser den Knochen nicht so stark wie andere Böden den Kalk entzogen." Zur Identität der Toten könnte derzeit nichts gesagt werden. Denn es wurden keinerlei Grabbeigaben oder auch nur beispielsweise Gürtelschnallen oder sonstige Reste einer Tracht gefunden, die darauf Rückschlüsse zulassen würden. "Nun wird dokumentiert, wie jedes der Skelette aufgefunden wurde", erläuterte Beckh,  "Dann werden sie präpariert und der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München übergeben." Diese ist eine Einrichtung der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns und beschäftigt sich mit der Analyse vergangener Bevölkerungen, hauptsächlich aus dem bayerischen Raum. Mittels der Radiokarbonmethode würde noch das genaue Alter der Knochen ermittelt. 

Auf der anderen Straßenseite der aktuellen Fundstrelle (oben) werden noch weitere Gräber vermutet. (unten)

Es gibt noch ein paar offene Fragen. Das gesamte Ausmaß des Friedhofs ist momentan noch nicht abzuschätzen. "Bisher ist nur die Begrenzung nach Osten klar", so Beckh. Dies müsste noch bei weiteren Untersuchungen geklärt werden. Möglicherweise könnten bei den weiteren Kanalarbeiten noch Gräber zum Vorschein kommen. Auf der anderen Straßenseite der Altöttinger Straße werden auch noch weitere Körpergräber des frühen Mittelalters vermutet. Diese wurden bislang aber noch nicht untersucht. Ob ein Zusammenhang mit dem jetzigen Fund besteht, ist daher noch unklar. "Auch muss noch geklärt werden, wo sich die damalige Siedlung, zu welcher die Gräber gehörten, befand." Diese sollte sich in einer Entfernung von etwa eineinhalb Kilometern von dem Friedhof befinden, so der Archäologe. Definitiv sei es eine Vorgängersiedlung von Ehring oder Weiding. 

Am Dienstag wurden die momentanen archäologischen Ausgrabungen abgeschlossen. "Alle weiteren Untersuchungen werden in enger Absprache mit der für die Kanalarbeiten zuständigen Baufirma erfolgen", erklärte Beckh. Insgesamt würden die Archäologen wohl noch mindestens etwa zwei Wochen beschäftigt sein. 

Bereits 1992 waren in Weiding, in unmittelbarer Nachbarschaft, ein bajuwarisches Gräberfeld aus dem siebten oder achten Jahrhundert, also etwa 100 bis 200 Jahre vor dem Fund in Ehring, entdeckt. Der Fund bewies, dass im Raum Polling bereits in diesem Zeitraum bajuwarische Siedlungsspuren nachweisbar sind. 

Mittelalterliche Gräber in Polling entdeckt

Immer wieder kommen in der Region bei Bau- oder Restaurierungsarbeiten Spuren der Vergangenheit zum Vorschein. Insgesamt neun archäologische Grabungen fanden im Jahr 2017 im Kreis Mühldorf statt. Aufsehen erregte im Sommer ein Fund in Kirchdorf bei Haag, wo ebenso wie in Polling Gräber gefunden wurden, die allerdings aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammten.

hs

Zurück zur Übersicht: Polling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser