Erdbeeren oder Artenschutz

Grüne protestieren gegen Gewächshaus in Weiding

Demonstrierten an der ehemaligen B 12 in Weiding gegen den Bau des neuen Gewächshauses der Firma Reichenspurner: (von links) Gemeinderätin Lena Koch, Bundestagskandidat Christoph Arz und die agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Gisela Sengl.
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Demonstrierten an der ehemaligen B 12 in Weiding gegen den Bau des neuen Gewächshauses der Firma Reichenspurner: (von links) Gemeinderätin Lena Koch, Bundestagskandidat Christoph Arz und die agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Gisela Sengl.

Als Eingriff in den Biotop- und Artenschutz werten die Grünen den Bau eines Gewächshauses in Weiding. Am Freitag protestierten sie vor dem Gelände an der ehemaligen B12, wo die Erdarbeiten bereits begonnen haben.

Polling/Weiding – Die Erdarbeiten für das umstrittene Gewächshaus in Weiding laufen bereits. Das Landratsamt Mühldorf hatte zwei ablehnende Gemeinderatsratsbeschlüsse aufgehoben und eine Teilbaugenehmigung für das Projekt erteilt. Dagegen protestierten am Freitag Vertreter der Grünen aus Polling und dem Landkreis gemeinsam mit der agrarpolitischen Sprecherin der Partei im Landtag.

Sie lehnen das Vorhaben aus ökologischen Gründen ab. Analog einem bereits bestehenden Gewächshaus in Tüßling will die Firma Reichenspurner nun auch auf einer rund 20 Hektar großen Fläche an der ehemaligen B 12 in Weiding eine Anlage errichten, in der auf einer Anbaufläche von rund 150.000 Quadratmetern unbelichtete Sommertomaten und Erdbeeren gezogen werden.

Das Unternehmen steckt nach eigenen Angaben rund 30 Millionen Euro in das Projekt, das noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll, um die starke Nachfrage nach regionalen Produkten zu bedienen.

Deutliche Kritik am Landratsamt

Dagegen protestierte der Kreisverband der Grünen mit einer 45 Minuten langen stillen Demonstration. Ihre Kritik richtete sich gegen das Vorgehen der unteren Bauaufsichtsbehörde im Landratsamt Mühldorf, die das fehlende Einvernehmen der Gemeinde ersetzt und bereits eine Teilbaugenehmigung erteilt hatte.

Analog dem Tüßlinger Gewachshaus will die Firma Reichenspurner nun auch in Weiding eine Anlage errichten, in der sommerbelichtete Tomaten und Erdbeeren gezogen werden.

Bundestagskandidat kritisiert ökologischen Einschnitt

„Solch einen direkten Eingriff in den Biotop- und Artenschutz und die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes dürfen wir nicht widerspruchslos hinnehmen“, betonte Bundestagskandidat Christoph Arz, der wie die agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Gisela Sengl, sowie Gemeinderätin Lena Koch an der Protestveranstaltung teilnahm.

Mit dieser Entscheidung würden Tatsachen geschaffen, die sowohl einen ökologisch außerordentlichen Einschnitt darstellen, als auch zwei Beschlüsse des Gemeinderates Polling gegen das Gewächshaus übergehen. Kritiker der Anlage lehnen das Beheizen des Gewächshauses mit fossilen Brennstoffen sowie den hohen Wasserbedarf ab.

Bauherr: Verbraucher will regionale Produkte

Peter Reichenspurner versteht die Aufregung nicht. Er hob erneut die Notwendigkeit der regionalen Produktion hervor: „Nicht nur der Verbraucher wünscht sich die regionale Produktion. Das bestätigen im übrigen auch zahlreiche Emails, die bei uns eingegangen sind. Auch die Handelsketten setzen auf Regionalität.“

Ein weiteres Argument für die Anlage sei „die Versorgungssicherheit, die bei internationalen Transporten schnell kippen kann“. Zudem orientiere man sich beim Bau und in der Produktion an höchsten Umweltstandards, die hierzulande besonders streng angesetzt würden, so der Bauherr.

Bürgermeister steht hinter Neubau

Bürgermeister Lorenz Kronberger (UWG) steht dem geplanten Neubau positiv gegenüber: „Als Gesellschafter unseres Dorfladens sehe ich ja, wie gerne regionale Produkte gekauft werden. Und auch persönlich bevorzuge ich Gemüse aus der Region. Ich denke, die Bürger wollen das auch.“

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