Scharfe Kritik an Kreisbrandinspektion

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Wolfgang Weinbauer.

Waldkraiburg - Scharfe Kritik an der Kreisbrandinspektion und Kreisbrandrat Karl Neulinger übte der scheidende stellvertretende Feuerwehr-Kommandant Wolfgang Weinbauer.

Das Zusammenwirken mit "dieser Kreisbrandinspektion" betrachte er als gestört. Auch um die eigene Wehr macht er sich Sorgen und fürchtet eine Lagerbildung im Zuge der Neuwahl der Kommandanten.

"Innerlich aufgewühlt" von den jüngsten Ereignissen auf Kreisebene trat Weinbauer, der selbst nicht mehr für sein Amt kandidierte, aber weiter der Führungsmannschaft der Feuerwehr angehören will, nach den Wahlen der Kommandanten gegen Ende der Versammlung ans Rednerpult. Er habe "nur noch wenig Vertrauen zur Kreisbrandinspektion". Mit diesen Worten nahm er zur Kampfabstimmung um den Posten des Kreisbrandrates sowie dazu Stellung, dass Kreisbrandrat Karl Neulinger seinen unterlegenen, auch von Waldkraiburg unterstützten Gegenkandidaten Richard Pointl als Kreisbrandmeister abgesetzt hatte. "Wo bitteschön bleibt jetzt die Demokratie?", fragte Weinbauer, ohne Neulinger beim Namen zu nennen.

Massiv kritisierte er auch die Rolle des "im Vorfeld von mir groß respektierten Kreisjugendwarts" bei der Wahl. Dieser (Michael Matschi; d. Red.) habe die Kommandantenversammlung mit der Androhung seines Rücktritts für den Fall einer Abwahl Neulingers "erpresst", so Weinbauer, der hinzu setzte: "Und die kapieren es nicht mal."

Seit fast 36 Jahren ist der Feuerwehrmann im ehrenamtlichen Dienst, insgesamt 18 Jahre lang engagierte er sich als stellvertretender Kommandant. Weinbauer machte keinen Hehl daraus, dass er in dieser Zeit, etwa bei seinen Bemühungen, Kreisbrandmeister (KBM) zu werden, etliche persönliche Enttäuschungen erlebte. Das Amt KBM sehe er heute nur noch als "verschwendete Zeit". "Nach diesem Kindergarten" könne er "das Zusammenwirken mit dieser Kreisbrandinspektion nur noch als gestört betrachten".

Weinbauer macht sich auch um den Zusammenhalt in der Waldkraiburger Wehr Sorgen. Es werde nicht leicht sein, "mit den sich bildenden verschiedenen Lagern das Amt auszuüben", sagte er nach der Neuwahl des Zweiten Kommandanten. Kommandant Bernhard Vietze erlebe momentan schwierige Zeiten.

Weinbauer ließ durchblicken, dass er nicht glücklich war, dass man ihm bei der Wahl des Stellvertreters zwei Bewerber "einfach vorsetzte". Ausschlaggebend dafür, nicht mehr zu kandidieren, seien aber berufliche Gründe, stellte er klar, dass diese Entscheidung auch nichts mit den jüngsten Vorfällen in der Waldkraiburger Feuerwehr zu tun habe. Er habe weder mit dem ehemaligen Vorsitzenden Axel Eidam, noch mit dessen Nachfolger Albert Krammer, noch mit Kommandant Vietze ein Problem, betonte Weinbauer.

Mit "Vorfällen" ist unter anderem der Rücktritt Axel Eidams gemeint, der bereits im vergangenen Jahr nicht nur den Vorsitz des Feuerwehrvereins niedergelegt hatte, sondern aus der Feuerwehr ausgetreten war. Die Gründe sind bis heute nicht bekannt. Auch zur Ehrung für 40-jährige aktive Dienstzeit war Eidam nicht mehr in der Versammlung erschienen. Mit mehreren anderen Feuerwehrleuten machte sich Kommandant Vietze unmittelbar nach der Versammlung auf den Weg, um dem ehemaligen Vorsitzenden die Ehrung zu Hause zu überbringen.

Was der scheidende Kommandantenstellvertreter in seiner Rede zum Abschied andeutete, spiegelte das Wahlergebnis wider. Kommandant Bernhard Vietze erreichte bei seiner Wiederwahl als einziger Kandidat in geheimer Abstimmung 54 Ja-Stimmen, das entspricht 78 Prozent. Elf aktive Feuerwehrleute stimmten gegen ihn, vier enthielten sich.

Wolfgang Klein wurde mit 45 Stimmen (65 Prozent) zum neuen Stellvertreter gewählt. Sein Gegenkandidat Viktor Horvath hatte fünf Stimmen erhalten. 16 Stimmzettel waren ungültig gemacht worden, drei weitere waren Enthaltungen.

Die Wahlergebnisse kommentierte Bürgermeister Siegfried Klika als Ausdruck der Demokratie. Er forderte die Feuerwehrleute und -verantwortlichen zum "offenen Dialog" auf allen Ebenen auf, "um wieder zu dem Zusammenhalt und zu der Kameradschaft zusammen zu finden, die notwendig ist."

Kreisbrandrat Neulinger ging in seiner kurzen Ansprache mit keinem Wort auf die Ausführungen Weinbauers ein, die ein großer Teil der versammelten Aktiven mit prasselndem und lang anhaltendem Applaus quittiert hatten.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Aus dem Archiv: Neulinger bleibt Kreisbrandrat

Anette Mrugala

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