Ein Platz für Tiere

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Seit 15 Jahren betreibt Martin Zehetmeier neben der Pferdepension in Goldau bei Heldenstein den ersten privaten Tierfriedhof in Bayern.

Heldenstein – Wenn ein Tier stirbt, ist es für viele Besitzer oft, als würden sie sich von einem Familienmitglied verabschieden.

So sehr ihnen das Tier zu Lebzeiten am Herzen lag, so wichtig ist es ihnen auch, dass es nach seinem Tod einen schönen Platz erhält. Idyllisch am Waldrand gelegen bietet der Tierfriedhof Goldau diese Möglichkeit.An den Pferdekoppeln vorbei führt der Weg über einen kleinen Steg zu einem Streuobstgarten. Neben Apfel- und Birnbäumen wachsen Zypressen und Haselnusssträucher, darunter liegen die kleinen Gräber. Einfache Holztafeln, nur mit den Namen des Tieres versehen, stehen am Grab, auf dem nur Rasen wächst. Zwei Reihen weiter steht ein Marterl mit dem Bild des verstorbenen Haustiers, davor wächst ein Rosenstrauch und ein Buchsbaum.

Ganz unterschiedlich gehen die Tierbesitzer mit der Trauer um - aber eins haben sie alle gemeinsam: Sie haben nach einem schönen Platz für ihr Tier gesucht. Seit 15 Jahren betreibt Martin Zehetmeier neben der Pferdepension in Goldau bei Heldenstein den ersten privaten Tierfriedhof in Bayern. Mittlerweile gibt es in Bayern sechs weitere Friedhöfe, deutschlandweit sind es etwa 70. Auf die Idee eines Tierfriedhofs brachten ihn die Besitzer der Pensionspferde, die für ihre Haustiere nach einem Platz nach dem Tod suchten.

"Die Menschen wollen nicht, dass das Haustier in der Tierkörperverwertungsanlage endet, weil sie keinen Garten haben, in dem sie das Tier vergraben können, sagt er. Manche brauchen ganz einfach die räumliche Trennung, um nicht jeden Tag an ihr Tier erinnert zu werden. Auf dem Friedhof liegen nicht nur Hund und Katze, auch Kanarienvögel hat Martin Zehetmeier schon beerdigt. Entgegen vielen Vorurteilen sind die Grabbesitzer ganz "normale Leute", die aus allen sozialen Schichten kommen - vom Sozialhilfeempfänger bis hin zum Unternehmer. Die Beerdigung wird nicht zur Show hochstilisiert - kein Trauerzug oder Reden am Grab.

Den Gedanken, Tieren einen eigenen Friedhof einzurichten, taten damals viele als "Spinnerei" ab. Völliges Neuland war dies auch für die Behörden: "Viele waren mit meiner Idee überfordert. Zwei Jahre hat es gedauert, bis ich die Genehmigung hatte", erinnert sich Martin Zehetmeier. Wasserwirtschaftsamt, Veterinäramt, Umweltamt - er musste beharrlich sein, um den Tierfriedhof in die Tat umzusetzen.

Auf etwa 3000 Quadratmetern liegen etwa 500 Tiere. Jedes Jahr kommen rund 40 Tiere hinzu. Für die tierischen Ruhestätten gibt es klare Regeln, an die sich nicht nur Martin Zehetmeier von Amts wegen halten muss. Auf den Gräber dürfen keine Kreuze oder Gedenksteine stehen, die Marterl oder Schilder sollen aus Holz sein, das Grab muss zum größten Teil bepflanzt sein. "Der Tierfriedhof soll Natur sein. Die Schilder dürfen irgendwann verrotten, so wie es der natürliche Kreislauf ist", erzählt Martin Zehetmeier. Die Abstände zwischen den Gräbern sind mal größer, mal kleiner, auch die Reihen sind "nicht mit dem Lineal gezogen".

Jedes Grab hat eine Liegedauer von mindestens fünf Jahren. Wie die Besitzer dieses gestalten, bleibt ihnen selbst überlassen. "Manche säen nur Rasen, weil sie für ihr Tier einen schönen Platz haben wollen. Andere wiederum bepflanzen das Grab mit Blumen und Sträuchern", sagt Martin Zehetmeier. Für diese sei der Besuch am Friedhof oft wie ein Ausflug ins Grüne.

Während in den ersten Jahren viele Münchner das Angebot für ihre verstorbenen Tiere annahmen, musste sich der Tierfriedhof im Landkreis erst etablieren. In den 15 Jahren hat sich das Bewusstsein der Menschen gewandelt. "Heutzutage gehen die Menschen ganz normal mit dem Thema um. Es hat ein Umdenken stattgefunden und die Leute sind offener", erklärt Martin Zehetmeier. Auch für ihn können die Beerdigungen der Tiere zu einem bewegenden Moment werden. "Die Besitzer leiden, wenn der Hund oder die Katze gestorben ist. Auch für mich ist das nicht einfach."

hi/Mühldorfer Anzeiger

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