Plastikkörbe vor den Haustüren

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Ein Korb und ein Zettel: Damit sammelt die Firma "Thaer" derzeit im Landkreis Mühldorf Altkleider, Schuhe und Haushaltswaren. Nur ein kleiner Teil des Erlöses landet tatsächlich bei "Quo Vadis".

Mühldorf - Wer stellt die roten Körbe mit Sammelaufruf auf? Das Logo "Quo Vadis - Vereinte Jugend- und Altenhilfe e.V" aus Esslingen steht drauf. Was dahinter steckt:

Altkleider, Schuhe, Federbetten, Pfannen, Töpfe, Haushaltswaren: Die Sammelliste ist lang. Dabei muss man schon genau hinschauen, um zu erkennen, wer denn die roten Plastikkörbe mit den Aufrufen in den Straßen des Landkreises aufstellt - und nach ein paar Tagen wieder

Denn auf den ersten Blick fällt vor allem das Logo der "Quo Vadis - Vereinte Jugend- und Altenhilfe e.V." aus Esslingen auf. Im Kleingedruckten heißt es dann: "Ein Teil des Sammelerlöses kommt Quo Vadis zugute und hilft bei der Finanzierung seiner satzungsgemäßen Zwecke." Der andere Teil verbleibt nämlich beim gewerblichen Sammler. In diesem Fall handelt es sich um das Unternehmen "F.H. Thaer" in Achering.

Keine bewusste Täuschung der Spender?

Wie hoch der Betrag ist, der letztlich bei dem gemeinnützigen Verein ankommt, erfährt man auf Nachfrage beim Vorsitzenden von "Quo Vadis": "Wir bekommen 100 Euro pro Monat und pro Landkreis, in dem gesammelt wird", sagt Klaus Böse. Eine bewusste Täuschung der Spender sieht er nicht: "Auf den Zetteln wird ausdrücklich auf den gewerblichen Sammler hingewiesen."

Im Übrigen sei das kein ungewöhnliches Vorgehen, sagt Böse und verweist auf die Kleidercontainer anderer karitativer Organisationen, die ebenfalls von professionellen Sammelunternehmen aufgestellt und betreut würden. Was in Mühldorf zum Beispiel auf die Kolping-Container zutrifft. Doch im Vergleich zu "Quo Vadis" gibt es einen entscheidenden Unterschied, denn das Sammelunternehmen rechnet mit der Kolpingsfamilie Mühldorf nicht pauschal, sondern nach Menge ab. "Wir bekommen pro Tonne Altkleider derzeit 75 Euro, ab Januar werden es übrigens 100 Euro sein", erklärt Kolping-Vorstandsmitglied Otto Ruhland. Dazu komme die jährlich von Mitgliedern der Kolpingsfamilie durchgeführte Altkleidersammlung: "Damit erlöst der Ortsverband 275 Euro pro Tonne."

Beim BRK läuft die Altstoffentsorgung generell über eigene Mitarbeiter, die Einnahmen aus der Altstoffentsorgung fließen komplett an den Kreisverband.

Trotz des vergleichsweise geringen Erlöses will "Quo Vadis" weiterhin sein Logo und seinen Namen für gewerbliche Sammlungen zur Verfügung stellen. "Für uns ist das auf jeden Fall besser als gar nichts", betont Klaus Böse, der mit seinem Verein derzeit auch juristische Probleme hat: So hat das Verwaltungsgericht Trier im November 2011 ein landesweites Sammlungsverbot für "Quo Vadis" bestätigt, da "die Verwendung der Altkleider sowie deren Erlöse aus der Verwertung für karitative Zwecke nicht sichergestellt" sei. Dieser Einschätzung folgt auch das "Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin", das auf seiner Homepage erklärt: "In Anbetracht des Sammlungsverbots in Rheinland-Pfalz können wir eine Förderung der Organisation nicht empfehlen".

Klaus Böse wehrt sich mit dem Hinweis auf den guten Zweck seiner Organisation: "Wir sind ein gemeinnütziger, eingetragener Verein. In dieser Hinsicht werden wir ja auch regelmäßig von den Finanzbehörden und vom Regierungspräsidium überprüft."

Ein Sammlungsgesetz wie in Rheinland-Pfalz gibt es in Bayern seit dem Jahr 2007 nicht mehr. Im Landkreis greift dafür seit 1. Juni das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz. Demnach müssen Sammlungen, wie sie derzeit von der Firma "Thaer" im Landkreis durchgeführt werden, angemeldet werden. "Uns ist weder der Verein Quo Vadis noch die Firma Thaer ein Begriff", teilt eine Sprecherin des Landratsamts auf Nachfrage mit.

Dem widerspricht Geschäftsführer Fadhil Hasan Thaer: "Wir haben bei allen Landratsämtern in unserem Sammelgebiet einen Antrag gestellt und warten derzeit auf Antwort. Wo wir keine Genehmigung bekommen, werden wir auch nicht mehr sammeln."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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