Hochwasserschutz: Pläne ja, Zeitangabe nein

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Bilder sind noch präsent: Im August 2005 überschwemmte der Inn weite Teile der Stadt. Damit das nicht wieder geschieht, soll ein Hochwasserschutz errichtet werden.

Mühldorf - Die Stadt Mühldorf hat jetzt konkrete Pläne für den Bau eines Hochwasserschutzes vorgelegt. Wann er gebaut werden kann, ist allerdings völlig offen.

Der Hochwasserschutz entlang des Inns ist grundsätzlich Aufgabe des Wasserwirtschaftsamts, das nach Angaben von Bürgermeister Günther Knoblauch derzeit aber andere Prioritäten beim Hochwasserschutz setzt. So muss Mühldorf mit Städten konkurrieren, die vom Hochwasser großer Flüsse wie der Mangfall stärker betroffen sind.

Trotzdem gibt es jetzt Pläne, wie vor allem der Bereich in Mühldorf-Süd in der Verlängerung der Innauenstraße geschützt werden kann. Denn dort gibt es zwei neuralgische Punkte: die städtische Kläranlage und die Firma ODU, die samt ihrer teuren Maschinen 2005 nur knapp der Überflutung entgangen ist.

Ein Jahrhunderthochwasser war es zwar noch nicht, trotzdem liefen Keller und Häuser voll.

Die jetzt vom Ingenieurbüro Behringer im Auftrag des Wasserwirtschaftsamts erarbeiteten Pläne sehen den Bau einer Mauer entlang des Inns zwischen Kläranlage und ODU vor; hiner ODU soll der Schutz durch einen Wall in Richtung B12 komplettiert werden, vor der Kläranlage durch eine Mauer. Wie Planer Alexander Reindl erklärte, ist eine Mauer einem Hochwasserwall vorzuziehen. Ein Wall verbrauche wesentlich mehr Platz und zöge so größere Eingriffe in den Baum- und Heckenstreifen entlang des Inns nach sich. Auch aus technischen Gründen sei eine Mauer vorzuziehen, die zwischen 1,10 und 2,10 Metern hoch sein wird.

Die Kosten bezifferte Reindl auf 1,7 Millionen Euro für den Schutz der Kläranlage und von ODU, für die gesamte Innauenstraße ist mit 3,4 Millionen Euro zu rechnen. Bürgermeister Knoblauch geht davon aus, dass einen Teil die Stadt tragen muss; wie hoch der Anteil sein wird, ist aber offen.

Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel im übrigen Mühldorfer Süden erwartet Reindl nicht. Die Gründung der Mauer im Boden reiche nicht so tief, dass sie in die Erdschichten eindringe, die Einfluss auf den Grundwasserspiegel hätten. Ein Ansteigen des Grundwasserspiegels bei Hochwasser fürchten vor allem die Anwohner der Lohmühlsiedlung, wie Franz Essl (FM) erklärte. Das in einigen Bereichen im Süden sehr hoch stehende Grundwasser drückt dann in die Keller der Häuser.

Wann es auch einen Hochwasserschutz für die Bewohner der Innauenstraße geben wird, ist offen, da das Wasserwirtschaftsamt die Priorität zunächst auf den Schutz der Kläranlage und von ODU liegt. Die Kläranlage musste 2005 abgeschaltet werden, Innwasser spülte Dreck in die Becken, der die Reinigungswerte zunichte machte.

Die Planungen gehen von einem sogenannten 100-jährlichen Hochwasser aus, dessen mutmaßliche Höhe durch einen Klimawandelzuschlag um 15 Prozent erhöht wurde. Das Augusthochwasser vor vier Jahren unterschritt diesen Pegel nur knapp.

Entlang der Lände ist durch den Bau eines Weges als Damm zwischen der ehemaligen Bäckerei Kotter und dem Spielplatz für zusätzlichen Schutz gesorgt, betonte Bürgermeister Knoblauch vor dem Stadtrat. "Das ist zwar kein vollwertiger Hochwasserschutz, erleichtert aber den Rettungskräften die Arbeit zum Schutz der Häuser."

Wie lang das sogenannte wasserrechtliche Verfahren dauert, das Grundlage eines Baus ist, kann heute noch niemand sagen. ODU will darauf nicht warten und hat den Schutz selbst in die Hand genommen. Mit großen, sandgefüllten Kästen soll das Grundstück entlang des Zauns provisorisch geschützt werden. Darüber hinaus will ODU verhindern, dass der Inn Wasser durch die Regenablaufrinnen der Firma aufs Gelände zurückdrückt - so wie 2005. Eine Hochleistungspumpe und ein Abpumpbecken schützen künftig davor. Zugleich nimmt Robert Klemisch, in der Geschäftsleitung für den Betrieb zuständig, die Stadt in die Pflicht.. "Wir wollen wissen, welche Möglichkeiten die Stadt sieht uns zu schützen?" Er hofft auf ein baldiges Gespräch mit der Stadt, damit Möglichkeiten und Zeitpläne diskutiert werden.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser