„Ich fühle mich hier im Moment völlig sicher“

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 „Zur Not kann ich immer noch hier in den Flieger steigen und nach Deutschland zurückfliegen." Pirmin Schmidbauer vor einem Wahrzeichen der Hauptstadt, der Rainbow-Bridge.

Japan/Mühldorf - Seit 23. Februar ist der Mühldorfer Pirmin Schmidbauer in Japan. Sein Arbeitgeber MBM hat den Mechatroniker für ein Jahr freigestellt, damit er sich dort einen Traum erfüllen kann.

„Mich interessiert das Land, die Leute, die Kultur. Das alles wollte ich kennenlernen.“ Nun haben sich die Vorzeichen geändert. Wir haben den 23-Jährigen in Osaka im Süden des Landes am Telefon erreicht.

Wie haben Sie das Erdbeben erlebt?

Ich war gerade in meiner Wohnung in Tokio und habe gegessen, als es losging. Nun sind kleinere Erdbeben hier keine Seltenheit, alle ein bis zwei Wochen bebt es. Auch ich habe das eine oder andere schon erlebt. Als dieses Mal aber ein paar Gegenstände aus den Regalen gefallen sind und die ersten Japaner auf die Straße gelaufen sind, war mir klar, dass die Lage diesmal etwas ernster ist. Obwohl in Tokio ja im Grunde nichts passiert ist.

Wie ist die Stimmung in der Stadt?

Natürlich gedrückt. Viele haben Freunde oder Verwandte in den vom Tsunami betroffenen Regionen und machen sich selbstverständlich große Sorgen. Da bleiben die Lokale und Clubs natürlich leer, zum Ausgehen oder Feiern ist hier niemand zumute. Die Angst vor einem Super-GAU tut ihr übriges, auch wenn hier alle noch immer sehr gelassen mit diesem Thema umgehen.

Sie haben Tokio aber verlassen.

Ja, eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ich habe meine Wohnung aber behalten und werde die Lage nun eine Woche lang aus dem Süden genau beobachten. Dann entscheide ich, wie es weitergeht.

Welche Optionen sehen Sie denn?

Wenn alles gut geht, kehre ich nach Tokio zurück, ansonsten bleibe ich erst einmal im Süden des Landes. Und zur Not kann ich immer noch hier in den Flieger steigen und nach Deutschland zurückfliegen.

Fühlen Sie sich in Sachen Atomkraftwerke ausreichend informiert?

Eine Frage, die sich so nicht einfach beantworten lässt. Im Grunde muss sich jeder seine eigene Meinung über die tatsächliche Gefahr bilden. Ich schaue natürlich hier die Nachrichten im Fernsehen, auch wenn mein japanisch bei weitem noch nicht für jedes Detail ausreicht. Und ich checke im Internet die deutschen Nachrichtenportale. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Keine Angst?

Nein, ich fühle mich hier im Moment völlig sicher. Und was die Informationspolitik anbetrifft: Natürlich wurde anfangs beschwichtigt, um keine Panik aufkommen zu lassen. Aber inzwischen sehen wir hier die gleichen Bilder wie überall. Vom Ausland betrachtet, entsteht im Augenblick wahrscheinlich der Eindruck, ganz Japan versinke im Chaos. Das trifft tatsächlich aber nur für die vom Tsunami betroffenen Regionen zu. Wie gesagt: Ich bin gestern ganz normal in Tokio in den Schnellzug gestiegen und hierher gefahren. Und wenn ich wollte, wäre ich in einer halben Stunde am Flughafen und könnte einen Flug in die Heimat buchen. Ich hoffe aber nicht, dass es soweit kommt.

ha/Mühldorfer Anzeiger 

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