Auf den Pfaden der Pilger

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Polling - Pilger wollen sich auf ihren Wegen oft selbst finden, mit sich ins Reine kommen. Für Regina Haumaier hat dies keine Rolle gespielt, als sie sich zum Jakobsweg aufgemacht hat.

Sie wollte sich nur eine Auszeit gönnen, hat dabei aber gefunden, wonach sie nicht gesucht hat: Sich selbst. Ihre Erlebnisse hat sie ineinem Buch veröffentlicht.

Allen Widerständen zum Trotz - Regina Haumaier wollte den Jakobsweg gehen. Und wenn es allein sein muss. Nach mehreren Arbeitsunfällen innerhalb eines Jahres hatte sie sich dies fest zum Ziel gesetzt, ein Rückzieher kam für sie nicht in Frage.

An der Küste entlang, auf dem Camino del Norte, führte sie der Weg in vier Etappen nach Santiago de Compostela. "Der Weg hat mich mehr gereizt, weil er nicht so überlaufen ist. Für mich ist er authentischer und schwieriger", sagt Regina Haumaier. Auf vier Jahre verteilt sie die einzelnen Etappen, zehn- bis 14-Tage ist sie jeweils unterwegs. Länger lässt es die Landwirtschaft daheim nicht zu. Mit zwei Freundinnen startet sie im Frühjahr 2006, im Jahr darauf sind sie nur noch zu zweit.

Die letzten beiden Etappen läuft sie sogar allein. Die Einsamkeit macht ihr währenddessen besonders zu schaffen. "Beim Wandern fällt das Alleinsein nicht auf, da ist man zu sehr mit sich beschäftigt. Doch am Abend, allein unter Leuten, ist das etwas anderes", erzählt Regina Haumaier. Die Herbergen ohne Fenster empfindet sie als beklemmend, doch der Wille, bis zum Ende durchzuhalten, bleibt.

Nur einmal gerät sie an ihre Grenzen, bricht die dritte Etappe kurz vorher ab. "Zwei Männer wollten mich überfallen. Mit meinem Trekkingstock hab ich sie abgewehrt, aber trotzdem hab ich diese Erfahrung nicht mehr aus meinem Kopf gebracht", erzählt Regina Haumaier. Erst im Jahr darauf setzt sie die Etappe mit ihrer Schwester und ihrer Mutter fort, die letzten Wegstrecke ist sie wieder allein.

Die schlechte Erfahrung aus dem vorigen Jahr lässt sie hinter sich, geht noch einmal an ihre Grenzen - dieses Mal an ihre physischen. Drei Tage wandert sie 40 Kilometer. "Mehr geht nicht." Vermisst hat sie bei allen Etappen die Besinnung. "Die kommt nicht so, wenn die Kirchen geschlossen sind. Nur zum Gottesdienst sind sie geöffnet."

Ihre Erlebnisse während ihrer Wanderungen hat Regina Haumaier in einem Buch veröffentlicht. In "... und täglich einen Engel" erzählt sie von ihren Begegnungen mit den Menschen, die ihr auf ihrem Weg weiterhelfen, sie schreibt von ihrem Wechselbad der Gefühle und von ihrem Weg zu sich selbst. "Ein Selbstfindungstrip sollte der Jakobsweg nie werden. Es hat mich selbst überrascht, dass ich mich gefunden habe", sagt Regina Haumaier. Es ist nicht leicht, mit sich selbst auszukommen - dieser Satz lässt sie nicht mehr los. Bei den letzten beiden Etappen war sie immer mit sich selbst konfrontiert. "Ich dachte mir eigentlich immer, dass allein sein ok ist. Aber dem ist nicht so", sagt Regina Haumaier. Wie kommen also andere mit ihr klar?

Geplant hatte sie nie, ein Buch über ihre Wanderung zu schreiben. Immer nur für sich und ihre Familie hat sie Reiseberichte angefertigt. Doch das hat sich geändert, als sie einer Bekannten die Notizen zum Lesen gab. Im Dezember ist das Buch erschienen - pünktlich zu ihrem 50. Geburtstag.

Ruhiger geworden ist sie seit ihrer Wanderung, sieht das Leben lockerer und macht sich selbst keinen Stress mehr. Geblieben ist auch der Wunsch nach Fernwanderungen. Gerade bereitet sie ihre Wanderung durch die schottische Knoydart-Halbinsel vor - mit Zelt, Karte und Kompass. Mit im Gepäck - ein Notizbuch. Denn mit ihrem ersten Buch hat sie einen Stein ins Rollen gebracht. "Ich will weiterschreiben, aber weg vom Reisebericht." Eine Idee für ihr nächstes Buch hat sie schon: Die Eindrücke der nächsten Reise sollen als Abenteuergeschichte in ein Kinderbuch einfließen.

hi/Mühldorfer Anzeiger

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