"Ich habe Angst um meinen Sohn!"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Mühldorf - Mit einer Satzung soll verhindert werden, dass Skateboardfahrer unter den Arkaden und auf dem Bürgersteig am Stadtplatz fahren. "Wo sollen sie denn noch hin", fragt eine besorgte Mutter.

Seit zwei Jahren fährt der zwölfjährige Daniel Hasenöhrl mit seinen Freunden Skateboard auf dem Mühldorfer Stadtplatz und in den abzweigenden Gassen. Seit einem Jahr werden die Jungs dafür von Erwachsenen beschimpft oder sogar angegriffen, wie Daniels Mutter Petra Hasenöhrl erzählt.

Dass die Skater viele Leute stören, kann Hasenöhrl verstehen. "Es ist schließlich sehr laut, das gebe ich zu, aber wo sollen die Kinder denn sonst hin?", fragt sie verzweifelt. Überall würden Skateboardfahrer verscheucht, ob in der Stadt, auf verschiedenen Parkplätzen oder bei der Grundschule. "Wegen Ruhestörung werden wir täglich gerufen", so ein Beamter der Mühldorfer Polizeiinspektion. Wie viele Einsätze davon auf die Skater zurückzuführen sind, könne nicht bekannt gegeben werden.

Der Skaterplatz in Altmühldorf stelle für Daniel Hasenöhrl und seine Freunde keine Alternative dar. "Er ist viel zu klein für die vielen Skateboard- und Inlinefahrer in Mühldorf", erklärt Petra Hasenöhrl. Außerdem sei dort eine Gruppe älterer Skater "Platzhirsch" und würde die jüngeren wegen ihrer Fahrkünste auslachen. "Die Jungs haben dann einfach Hemmungen zu fahren." Weil der Platz sehr dezentral liegt, sei er vor allem in der dunklen Jahreszeit für Kinder gefährlich und im Winter zum Fahren überhaupt nicht geeignet. Haben umliegende Städte wie Waldkraiburg einen Skaterplatz, so sind die Mühldorfer Skater dort auch nicht gern gesehen.

Skaterplatz Altmühldorf

Die einzige Lösung für das "Skater-Problem" sieht Hasenöhrl in einem neuen Skaterplatz beziehungsweise einer Skaterhalle in Mühldorf. Schon im Mai sind dafür beim ersten Mühldorfer Skate-Contest Unterschriften gesammelt worden. Im Gespräch waren eine ehemalige Produktionshalle auf dem Finsterbusch-Gelände und ein Platz auf der geplanten Verlängerung der Bischof-Kettler-Straße neben dem Kino. „Die Jungs brauchen auf alle Fälle einen Platz“, meinte Jugendreferent Gottfried Kirmeier bei der Aktion. Was mit den gesammelten Unterschriften geschehen ist und ob die geplante Halle immer noch gebaut werden soll, ist unklar, denn Kirmeier war bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. "Ich glaube nicht daran", meint Hasenöhrl resigniert.

Verzweifelt sucht die Mutter nach Wegen, wie sie sich für einen neuen Platz für die Skateboarder einsetzen kann, allein könne sie aber nichts ausrichten. "In Simbach wird die Skate-Anlage für 36.000 Euro renoviert. Ich werde dort nachfragen, wie das die Verantwortlichen geschafft haben." Für ihren Sohn und seine Freunde wünscht sich die Mühldorferin momentan vor allem mehr Respekt von Erwachsenen. "Wenn man die Jungs bittet, woanders hinzufahren, machen sie das auch. Es gibt keinen Grund sie zu beschimpfen oder handgreiflich zu werden."

Anette Mrugala

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser