Pflegekräftemangel muss vorgebeugt werden

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Kompetenz in der Versorgung von Patienten und Nachwuchssicherung für das Krankenhaus: In Mühldorf beginnt im Herbst ein neuer Ausbildungsgang für Kranken- und Altenpfleger. Der Kurs soll dafür sorgen, dass Anita Reischl auch künftig genügend qualifizierte Kolleginnen hat.

Mühldorf - Mit einem neuen Ausbildungsgang wollen die Kreiskliniken dem bevorstehenden Mangel an Pflegekräften begegnen.

Zusammen mit der Berufsschule II bieten die Kliniken ab September eine Ausbildung an, die Kranken- und Altenpflege kombiniert.

Der Name ist sperrig: Gesundheit- und Krankenpfleger in Generalistik" heißt der neue Ausbildungsgang, der am 1. September beginnt und mit 30 Schülern bereits komplett belegt ist. Hinter seiner Einrichtung liegt laut Krankenhausgeschäftsführer Heiner Kelbel die Erkenntnis, dass auf die Kliniken ein großer Personalmangel zukommt. Erhebungen haben ergeben, dass in den kommenden Jahren jährlich 22 neue Pflegerinnen und Pfleger für die Krankenhäuser in Haag und Mühldorf gebraucht werden. Derzeit belegen die Kreiskliniken je sechs Plätze an den Krankepflegeschulen in Wasserbung und Torgau. "Damit können wir unseren Bedarf nicht decken", sagte Kelbel.

Jetzt wollen die Kliniken von einem neuen Ausbildungsgang profitieren: der gemeinsamen Ausbildung in Alten- und Krankenpflege, die Altenheime und Krankenhäuser in Zusammenarbeit mit Berufsschulen anbieten. Die Hälfte der 30 neuen Schüler absolviert auf ihrem Weg zu einem gemeinsamen Abschluss die Ausbildung mit dem Schwerpunkt Krankenpflege, die übrigen 15 werden vor allem in Altenheimen ausgebildet. Beide Gruppen verbringen aber auch Zeit im jeweils anderen Bereich.

Für den Pflegedirektor der Kreiskliniken Manfred Sturmböck profitieren von dieser Regelung zunächst die Lehrlinge: "Sie werden sehr viel breiter ausgebildet und bekommen Erfahrung im jeweils anderen Bereich." Angehende Altenpflegerinnen werden stärker in medizinischer Pflege ausgebildet, Krankenschwesterschülerinnen erhalten Einblick in den Umgang mit Alterskrankheiten wie Demenz. "Es ist künftig wesentlich mehr Kompetenz in der versorgung älterer Menschen gefordert", blickt Ärztlicher Direktor Dr. Wolfgang Richter in die Zukunft der Pflege.

Den Grundstein für den neuen Ausbildungsgang haben bundesweite Modellversuche zur Vereinheitlichung der Pflege gelegt, die sich jetzt die Staatliche Berufsfachschule für Altenpflege im Berufsschulzentrum an der Innstraße zu nutze macht. Seit sechs Jahren werden dort Altenpflegerinnen ausgebildet, Personalkompetenz und Planungsfähigkeit reichen aus, um auch angehende Krankenpfleger zu unterrichten, betont stellvertretende Schulleiter Thomas Löhner. "Wir sind interessiert etwas zukunftweisendes zu machen." Es folgten Gespräche mit den Kreiskliniken, ein Antrag ans Kultusministerium und langwierige Verhandlungen, bevor aus München grünes Licht kommt. "Jetzt ist es ein Selbstläufer geworden", freut sich Löhner, auch das Interesse der etwa 50 Altenpflegeeinrichtungen in der Region sei groß.

Für die Kliniken soll der neue Ausbildungsgang die bevorstehende Personalnot lindern. Durch den Schulbesuch in Mühldorf erwartet Sturmböck eine größere Zahl an Interessenten. Die Zahlen sprechen dafür: 14 der 15 Jugendlichen, die die Ausbildung für die Klinik beginnen, kommen aus dem Landkreis Mühldorf.

Das führt auch dazu, dass die Kliniken ihre künftigen Pfleger vom ersten Tag an formen und auf die Philosophie des Hauses einstellen kann. Der Pflegedirektor spricht von einem "Meilenstein, einer enormen Verbesserung, einem zukunftsträchtigen Modell". Er ist so von dem Ausbildungsgang überzeugt, dass er den ersten 15 Schülern schon vorab eine Jobgarantie gibt. Die Ausblidung in den Krankenpflegeschulen Wasserburg und Torgau soll 2012 auslaufen.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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