Perlen des Amazonas am Inn

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Josef Müller bewundert seine Perlrochen. In dem 2700 Liter großen Aquarium schwimmen auch mehrere Beifische. 

Mühldorf - Josef Müller ist ein Spätstarter: Erst im Alter von 19 Jahren stand er zum ersten Mal vor einem Aquarium - und wusste sofort: "Das will ich auch haben."

Seine ersten eigenen Fische waren Guppys, aber so etwas käme Müller heute nicht mehr ins Aquarium: "Fische, die jeder hat, gibt es bei mir nicht mehr." Er züchtet unter anderem Rochen.

In den 45 Jahren als Hobby-Aquarianer hat er sich nicht auf bestimmte Fischarten festgelegt. Allerdings sollten sie "immer ausgefallen" sein. Und tatsächlich fühlt man sich in seinem Haus ein wenig wie im Zoo. In seinen Becken im Büro und im Schuppen schwimmen Fische aus der halben Welt und begeistern mit ihrer Farbenpracht jeden Besucher - vor allem die Buntbarsche aus Südamerika und Afrika stechen ins Auge. Doch Müllers größter Stolz sind die Perlrochen aus dem Amazonasgebiet Brasiliens.

Kein ganz ungefährliches Hobby: Als sogenannte Süßwasserstechrochen besitzen sie, wie der Name schon sagt, einen giftigen Stachel. Zu zweifelhaftem Ruhm kamen die Tiere im Jahr 2006, als der weltbekannte australische Dokumentarfilmer Steve Irwin am Stich eines Stachelrochens ins Herz starb. Damals handelte es sich um einen im Meer lebenden, engen Verwandten des Süßwasserrochens.

Doch Müller wiegelt ab: "Die Tiere sind äußerst scheu und vergraben sich im Boden des Aquariums, wenn man im Becken hantiert." Nur wenn man die Rochen erschreckt, könne es passieren, dass sie blitzschnell durchs Becken schießen und ihren Halter verletzen. Müller selbst ist das noch nie passiert, aber bei Bekannten hat er die Folgen eines Stichs einmal miterlebt. "Im Krankenhaus erhält man ein Mittel zur Stabilisierung des Kreislaufs. Und nach ein paar Tagen ist alles ausgestanden." Alles, bis auf die Wundheilung, denn die Stachel hinterlassen tiefe Einstiche. "Bis die Wunde ganz verheilt ist, können Monate vergehen." Tödliche Stiche seien äußerst selten.

So gefährlich sie auch sein mögen, der Begeisterung des Mühldorfers tut das keinen Abbruch. Seit acht Jahren hält sich der 65-Jährige nun Perlrochen. Seine ersten Exemplare hat sich Müller bei einem Großhändler gekauft (siehe Infokasten). Inzwischen ist er längst nicht mehr auf teure Importe angewiesen. Denn: Sobald die Rochen geschlechtsreif sind, pflanzen sie sich fort. "Nach drei bis vier Monaten Tragezeit bringen sie den Nachwuchs zur Welt: drei bis sieben Junge pro Wurf." Da sie danach sofort wieder Nachwuchs zeugen, sind pro Weibchen ein Dutzend neue Perlrochen im Jahr nicht unüblich.

Der 65-Jährige besitzt derzeit zwei Weibchen und ein Männchen. Den Nachwuchs verkauft er an Rochenfreunde im deutschsprachigen Raum. Dennoch bleiben die Rochen für ihn ein Hobby. "Die Stromkosten für die Aquarien alleine betragen monatlich mehrere hundert Euro", rechnet Müller vor. "Unter dem Strich zahle ich drauf."

Den komplizierten Transport der verkauften Exemplare organisiert der Mühldorfer in der Regel selbst. Zunächst stattet er einen Behälter so aus, dass sich die Rochen während der Fahrt nicht verletzen. Darüber hinaus sorgt eine Pumpe für Sauerstoff, die der Rentner an der Stromversorgung des Autos anschließt. Ein Aquarianer wie Müller ist also nicht nur Fischfreund, sondern auch Tüftler. Dabei kommt ihm zugute, dass er früher von Beruf Maschinenschlosser war: "Ich habe alle Aquarien selbst gebaut, von den Rahmen bis zu den Beleuchtungskästen."

Obwohl die Perlrochen im riesigen Amazonas zu Hause sind, benötigen sie nur wenig Platz. "In Pfützen, die nach einem Amazonashochwasser entstehen, fühlen sie sich wohl", erklärt Müller. Deshalb werde es ihnen auch in seinen Aquarien nicht zu eng. So können diese Perlen des Amazonas auch am Inn bewundert werden.

bla/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser