Mergim Ameti fiebert für Deutschland

Mühldorf - Wenn am Freitag in Südafrika Deutschland auf Serbien trifft, wird Mergim Ameti Miroslav Klose & Co. die Daumen drücken. Denn der Serbe fühlt sich im Herzen längst als Deutscher.

Mergin erzählt vom Krieg in seiner Heimat. Von seinen Gefühlen, die beispielhaft sind für die Zerrissenheit dieses Landes, das für ihn nicht mehr ist als ein Name auf der Landkarte. „Ich bin kein Serbe“, stellt Mergim Ameti gleich zu Beginn klar. „Ich bin Albaner. Das sind die Wurzeln meiner Familie.“

1998 herrscht in Ternoc Krieg. „Mein Vater flüchtete nach Deutschland, illegal auf einem Lastwagen“, erzählt Mergim, der die nächsten Jahre bei seinem Onkel aufwächst. Hier versteckt er sich in Kellern, wenn Gefahr droht. Lernt auf einem Hinterhof das Fußballspielen, während in der Nähe Schüsse fallen. Trifft sich mit den anderen Kindern des Viertels zum Spielen in einem Haus, wenn es draußen wieder einmal zu unruhig ist. „Es war eben Krieg“, sagt Mergim, der weiß, dass es viel schlimmer hätte kommen können. „In Tarnoc leisteten die Menschen kaum Widerstand, die Lage war realtiv friedlich.“ Und doch gibt es Momente, in denen er unendlich Angst hat, er ist ja gerade einmal acht Jahre alt: Immer wenn die Erwachsenen zu Appellen abgeholt werden zum Beispiel. Oder als plötzlich ein Panzer im Garten steht.

Heute glaubt Mergim ganz fest an die verbindende Kraft des Fußballs, die Magie dieses Spiels über Grenzen hinweg. Auch wenn er weiß, dass ein Sieg Serbiens gegen Deutschland bei weitem nicht reichen wird, um dieses Land zu einen. Zumal die Serben in seinen Augen keine Chance haben: „Die Deutschen sind stark ins Turnier gestartet und gehören sicher zu den vier besten Teams der Welt. Für die Serben wird in der Vorrunde dagegen Schluss sein.“ Noch dazu, weil Trainer Radomir Anti den besten Stürmer zu Hause gelassen hat. Den Grund glaubt Mergim Ameti auch zu kennen: „Weil er Albaner ist.“

ha

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