"Das ist ein Trauerspiel"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Mühldorf - "Nicht begeistert" wäre Bürgermeister Günther Knoblauch davon, wenn Bayern den Zuschlag für Olympia 2018 bekommen sollte. Warum? Das lesen Sie hier.

Mehr als drei Milliarden Euro würden in Oberbayern für einige Großprojekte gebraucht, sollte sich das International Olympic Committee (IOC) dafür entscheiden, die Olympischen Winterspiele 2018 in München stattfinden zu lassen. Mit der bayerischen Hauptstadt gehen auch Annecy (Frankreich) und Pyeongchang (Südkorea) als Kandidaten ins Rennen. Am 6. Juli 2011 wird offiziell die Entscheidung fallen.

"Ich wäre nicht begeistert davon, wenn Bayern den Zuschlag für Olympia erhält", meint Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch. Und dafür hat er einen guten Grund. "Unsere Bauprojekte werden sicher davon betroffen sein, das hat man bei anderen Großprojekten wie der WM gesehen." Konkret meint das Stadtoberhaupt damit den Bau den A94 und den zweigleisigen Bahnausbau zwischen München, Mühldorf und Freilassing. Weil andere Projekte, wie die zweite Stammstrecke für die S-Bahn in München, der Ausbau der A8 zwischen Rosenheim und der Landesgrenze oder die Einbindung Garmisch-Partenkirchens durch Tunnel dank Olympia durch eine Sonderfinanzierung beschleunigt werden könnten, fürchtet Knoblauch, dass die Gelder an anderer Stelle gekürzt werden müssen. "Der Topf, aus dem wir die Mittel für unsere Verkehrsprojekte erhalten, wird einfach kleiner." Die Verhandlungen zwischen Bund und Land über eine mögliche olympische Sonderfinanzierung laufen. Es werde im Falle eines Zuschlags im Juli 2011 eine "einvernehmliche Lösung" geben. So zitiert die Süddeutsche Zeitung das Bundesverkehrsministerium.

Für den zweigleisigen Bahnausbau steht ohnehin kaum Geld zur Verfügung. "Olympia ist dann nur eine weitere Ausrede, warum wir das Geld nicht bekommen", so der Bürgermeister. "Das ist ein Trauerspiel." Bei der A94 sei man politisch schon weiter. Knoblauch ärgert sich aber, dass aktuell nur noch von einer Fertigstellung 2018 und nicht mehr, wie ursprünglich veranschlagt, von 2015 beziehungsweise 2016 die Rede sei.

"Die Infrastrukturfinanzierungen müssen in ihrem jetzigen Stand beibehalten werden. Olympia hin oder her!" Dafür will Knoblauch auch einstehen. "Wenn der zweigleisige Bahnausbau nicht vorankommt, gibt es ein Chaos bei den Pendlern. Wir müssen Zeichen setzen." Im äußersten Notfall könne sich das Stadtoberhaupt auch vorstellen, zu demonstrieren. "Was die in Stuttgart können, können wir schon lange! Vor allem, weil es sich hier um ein Projekt handelt, das verkehrspolitisch Sinn macht."

Am Mittwoch, 20. Oktober, veranstaltet Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer ein Verkehrsforum zu den Themen A94 und zweigleisiger Bahnausbau. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Andreas Scheuer, und Vertreter der Autobahndirektion sowie der Bahn werden dabei Rede und Antwort stehen.

Anette Mrugala

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser