Autobahn-Lärm an der A94

Tempolimit zum Lärmschutz im Isental: Grüner Vorschlag diskutiert

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Die Grünen diskutierten im Gasthof Pointvogel über Lösungen zum Lärmschutz an der A94.

Obertaufkirchen/Schwindegg - Am Montagabend, 18. November, diskutierten die Grünen im Gasthof Pointvogel in Obertaufkirchen über Lösungen zum Lärmschutz an der neuen A94. „Erst einmal wollen wir uns die Sorgen der Bürger anhören“, erklärte die Grüne Kreisvorsitzende Judith Bogner noch vor Veranstaltungsbeginn.

Nach den neuralgischen Punkten erkundigt sie sich anschließend bei den Bürgern. Gekommen waren neben rund 40 Betroffenen auch der Landtagsabgeordnete Andreas Krahl aus Garmisch-Partenkirchen, die Kreisrätin Cathrin Henke und Gemeinderat Hermann Hager aus Schwindegg.


Kein Flüsterbeton: "den Lärm kann man sich nicht vorstellen"

Zwar kamen die meisten der Diskussionsteilnehmer aus Obertaufkirchen und Schwindegg, wie beispielsweise auch UWG Kreisrat Peter Huber. Doch dass das Problem die Leute weit umtreibt, bewiesen die vier Buchbacher und die beiden Rattenkirchener, die ebenfalls ihren Unmut über den unverhofften Lärm zum Ausdruck brachten: „Bei uns ist kein Flüsterbeton…den Lärm kann man sich nicht vorstellen, vor allem, wenn es nass ist!“, erklärt beispielsweise Franz Oberloher aus Rattenkirchen und Florian Geidobler aus Obertaufkirchen stimmt ihm zu: ein Flickwerk sei der Fahrbahnbelag, was an den zahlreichen Übergängen und den Dehnungsfugen der Brücken zusätzlichen Lärm bedeute. „Ich messe bei mir auf dem Balkon nicht mehr unter 50dB, neulich am Sonntag warens 62!“, erklärte Bernhard Folger aus Reibersdorf. Ein eigenes Lautstärke-Messgerät hat sich der Anwohner zugelegt, um die tatsächlichen Werte direkt ablesen zu können. Ein anderer Anwohner aus der Nachbarschaft der neuen Wimbacher Brücke verwundert sich über den Schallschutz aus Glas, der dort angebracht wurde: „Das dämmt doch in keiner Weise!“.Bei Nebel sei es gefühlt besonders schlimm. Dass es sehr wetterabhängig ist, je nach Windrichtung oder ob die Fahrbahn nass ist, können auch die meisten Anwesenden bestätigen: „Wenn Nebel ist, kann man nicht vor die Haustür gehen“, erklärt einer. Noch schlimmer werde es besonders in Obertaufkirchen, wenn die Pläne zur neuen B15 nun umgesetzt würden, befürchtet ein Buchbacher Ehepaar: genau an der Ausfahrt Schwindegg rechnen die Verkehrsplaner dann noch mit weiteren 40.000 Fahrzeugen am Tag

Dringlichkeitsantrag an den Landrat geschickt

Das Problem an der Situation ist, dass das Bundesverkehrsministerium in seiner Lärmstudiebereits vor dem Bau der Autobahn einen Durchschnittswert von 64dB erwartet habe, erklärt der Landtagsabgeordnete Andreas Krahl: „Deswegen muss ich Euch ehrlich sagen, dass ihr auf die Schnelle nicht mit zusätzlichem Lärmschutz rechnen könnt!“, so Krahl. Auch Peter Huber von der UWG stimmte dem zu: „Bei uns sind hier vielleicht 30-40 Weiler, das ist doch nicht wie in Österreich auf der Inntalautobahn, wo Millionen betroffen sind!“, erklärt der Kreisrat. Zusammen mit WGW- Vorstand Josef Schöberl habe er dennoch einen Dringlichkeitsantrag an den Landrat geschickt, der unter Anderem von den Bürgermeistern aus Heldenstein, Obertaufkirchen, Ampfing und Schwindegg unterzeichnet wurde. Ziel sei es, dasThema am 13.12. auf der Kreistagssitzung nochmals ausführlich auf den Tisch zu bekommen. Enttäuscht von diesen Aussichten meinte Georg Böck aus Oberrimbach: „Für Tierschutz wird so viel ausgegeben, für den Menschen nicht!“, und erhielt dafür den Beifall der Anwesenden. Ebenso klar forderte Brigitte Myrth aus Schwindegg: „Wir wollen keine Versprechungen, wir wollen Taten sehen!“


Die Leser von innsalzach24.de sehen die Lärmschutz-Diskussion nicht nur mit Sympathien. Besonders unter dem Post zum Artikel auf der Facebook-Seite von innsalzach24.de finden sich zahlreiche kritische Stimmen. Auch in einer Umfrage auf innsalzach24.de gaben mit 555 Stimmen oder 62,22 Prozent die Mehrheit der Befragten an, sie würden keinen Bedarf für Nachbesserungen beim Lärmschutz sehen."

Gemischte Meinungen über ein Tempolimit auf der A94

Krahl hingegen bot den Anwohnern an, jeden einzelnen Fall in einer Anfrage an die Landesregierung zu dokumentieren: „Auf diese Weise könnten wir bis zu 27 Punkte detailliert anbringen“, erklärte der Parlamentarier, was definitiv günstiger wäre als eine schnelle Anfrage im Plenum, wo man nur drei Punkte nennen könne. Dafür seien allerdings auch mehr als 150 Unterschriften nötig. Außerdem räumt Krahl ein, dass die Regierung zur Beantwortung sechs Monate Zeit habe, eine Frist, „die sie noch selten eingehalten hat!“. 

Als Sofortmaßnahme schlug Krahl daher vor, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h für Autos und 80 für Lastwagen einzuführen. Doch darüber herrschte große Uneinigkeit im Publikum laut: „Dann brauchen wir ja gleich keine Autobahn!“, meint einer sofort. Ein anderer gibt zu bedenken, dass die meisten Lastwagen ja aus dem Ausland kommen und auch bei 80 mit ihren „fast 100 km/h“ fahren würden, wie üblich: „Das zahlen die doch aus der Portokasse, wenn sie deswegen belangt werden!“, so der Bedenkenträger. Lastwagenfahrer Josef Bratsch hingegen zeigt Unverständnis: „Die meisten Lastwagen gehen doch gar nicht so schnell!“. Doch auch Peter Huber (UWG) hielt das für einen denkbaren Weg und hofft auf Solidarität von den Mitbürgern: wie würden Sie entscheiden?

Peter Becker

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