Ober-Löwe ist Ehrenpräsident

+
Der Mitgliedsausweis der Erhartinger Löwen. Ehrenpräsident Dieter Schneider hat natürlich die Mitgliedsnummer "60".

Braungebrannt präsentierte sich Dieter Schneider, Präsident des TSV 1860 München, bei den Erhartinger Löwen. Sein Gastspiel beim erst dreijährigen Fanclub war natürlich kein Zufall: Schließlich wurde er zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit ernannt.

Erharting - Schneider, der mit Ehefrau Waltraud nach Erharting gekommen war, zeigte sich in bester Plauderstimmung. Natürlich prägten der Aufbau des neuen Kaders, die maßgeblichen Veränderungen bei den 60ern unter seiner Präsidentschaft und auch die Zukunftsvorstellungen und Ziele die Diskussionsrunde. Zu diesem Zeitpunkt war Schneider bereits zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit ernannt.

Vorstand Reinhard Metzner hatte dem Löwen-Boss dazu den Mitgliedsausweis, mit der Mitgliedsnummer 60, überreicht und den 60er-Präsi mit entsprechenden Vereinsutensilien ausgestattet - inklusive Erhartinger Fan-Schal, Wimpel und unfiltriertem Erhartinger Bier. "Wir haben uns im vergangenen Jahr getroffen, ich hab ihn angesprochen und Dieter Schneider hat sofort zugesagt", freute sich Metzner sichtlich über die Bereitschaft des Ober-Löwen, Erharting einen Besuch abzustatten. "Für mich ist das auch eine Gelegenheit, um in gemütlicher Atmosphäre mit den Fans zu ratschen", stellte Schneider fest und zog in der Folge äußerst bereitwillig Stellung zum Kader sowie zur finanziellen und sportlichen Situation. Einen Fußball und ein Trikot mit Unterschriften der 60er-Spieler hatte er auch dabei: Am Ende wurde beides versteigert.

Klare Worte fanden die Fans dafür, dass etwa ein Kevin Volland nur schwer zu ersetzen sei. Abziehende Spieler durch Fußballer aus der Jugend zu ersetzen, könne nicht Ziel sein, hieß es. Schneider stellte sich dieser Kritik, gab auch zu: "Eine Nummer neun wäre schon noch wünschenswert. Doch auch ein Volland kam aus der eigenen Jugend."

Volle Hoffnung setzt Schneider auf Markus Ziereis, Basti Maier attestierte er ebenfalls ein "Super-Talent". Offen hielt er, ob es noch den ein oder anderen Neuzugang gibt. "Das Transferfenster ist ja noch offen."

Die Querelen im Verein blieben natürlich nicht unerwähnt und so kam Schneider auch auf dieses Thema zu sprechen. Ausführlich und offen schilderte er die dramatischen Stunden im April 2011, als der Verein unmittelbar vor der Insolvenz gestanden habe.

Umso positiver gestalte sich nun die Ausgangssituation für die nächsten Jahre, führte der 65-Jährige weiter aus. Das Budget sei für heuer aufgestellt, die nächsten beiden Saisonen abgesichert. Und man geht einen Schritt weiter: Neue Spielerverträge würden mittlerweile über drei Jahre abgeschlossen, um so eventuell auch Ablösesummen zu generieren, verdeutlichte Schneider die Weiterentwicklung im Verein.

60er-Präsident Dieter Schneider in Erharting

Angemerkt wurde, dass die Zuschauerzahlen rückläufig seien. Dazu erwiderte Schneider, dass der TSV mit durchschnittlichen 20.000 Zuschauern kalkuliere, tatsächlich hätten im Schnitt 22.800 Zuschauer die Heimspiele im vergangenen Jahr besucht. Knebelverträge mit der Cateringfirma, die noch aus Zeiten seiner Vorgänger stammten, hätten leider zur Folge, dass aus den Luxussitzplätzen, den Business-Sitzen in der Allianz-Arena, kein Kapital zu schlagen sei.

Die Stehplätze im Stadion abschaffen? "Ich bin dagegen", beantwortete Schneider diese Frage. Die Diskussionen waren nach den Ausschreitungen im Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin aufgekommen. Schneider sagte dazu, dass die Sicherheit ein großes Problem darstelle. Dies sei der Tatsache geschuldet, dass Anhänger den Verein als persönliches Eigentum sähen, oft die Muskeln spielen ließen, "irgendwann muss der Gesetzgeber einschreiten."

Auch die Frage nach radikalen Fans und einer rechten Szene innerhalb der Fangruppen tauchte auf. Dazu sagte Christian Poschet von der ARGE, dass der Verfassungsschutz dies kontrolliert habe. Es sei zwar eine Szene vorhanden, die bislang allerdings unauffällig sei.

Zur leidigen Stadionfrage wollte Schneider eigentlich nichts sagen, dies schade dem Verein, hatte er vorher proklamiert. Der elfjährige Michi konnte es trotzdem nicht lassen: "Gibt es eine Möglichkeit der Rückkehr ins Grünwalder Stadion?" Schneiders Antwort fiel zunächst knapp aus: "Rotzlöffel!", schmunzelte er und gab dann natürlich doch Auskunft: Er machte klar, dass ein Umzug nicht möglich sei, außer 1860 würde in der dritten Liga spielen. Außerdem sei man vertraglich bis 2025 an die Allianz-Arena gebunden.

Eine persönliche Frage stellte Fanclub-Vorstand Metzner zum Schluss an Schneider. Ob er denn selbst aktiver Fußballer gewesen sei. "Ja, beim SC Olching. Mit viel Leidenschaft, aber wenig Talent."

je/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser