Prozess: Nichte (12) sexuell missbraucht?

Mühldorf - Die heute 21-jährige Nichte hat ihr Schweigen nach knapp zehn Jahren gebrochen. Sie wirft ihrem Onkel sexuellen Missbrauch vor. Jetzt musste der 52-Jährige vor Gericht.

Ein 52-jähriger Mann musste sich am Montagvormittag vor dem Amtsgericht Mühldorf verantworten. Der Vorwurf: Er soll vor knapp zehn Jahren seine damals zwölfjährige Nichte sexuell missbraucht haben. Zu einem Urteil kam es nicht, da weitere Zeugen gehört werden müssen. Unter anderem wird im Rahmen des Fortsetzungstermins auch die heute 21-jährige Nichte aussagen müssen. Alle Versuche, der jungen Frau den Weg in den Zeugenstand zu ersparen, scheiterten schon daran, dass der Angeklagte sämtliche Vorwürfe bestreitet. Nichts dergleichen sei damals im Haus seiner Mutter im Landkreis Mühldorf vorgefallen, erklärte er.

Dem widerspricht die Aussage der Nichte, wonach sie der 52-Jährige einmal unsittlich berührt und sich ein anderes Mal vor ihren Augen selbst befriedigt haben soll. Nun steht Richter Florian Greifenstein eine umfassende Beweisaufnahme bevor, in der es voraussichtlich nicht nur um die Behauptungen gegen den Onkel gehen wird. „Denn verglichen mit dem, was die Frau und ihre Geschwister sonst so erlebt haben, war das mit Sicherheit nichts herausragendes“, machte der zuständige Kripobeamte im Zeugenstand das Ausmaß der katastrophalen Umstände in der Familie klar.

Schon deshalb sei der Vorwurf gegen den Onkel als glaubwürdig zu werten, erklärte der Beamte. „Er ist im Grunde eine Randfigur.“ Das sah in einer ersten Einschätzung auch der Richter so: „Ich erkenne einfach kein Motiv für eine falsche Verdächtigung“, sagte Greifenstein. „Denn im Kern geht es ja um etwas ganz anderes.“ Nämlich um die jahrelange sexuelle und körperliche Gewalt gegen die 21-Jährige und ihre Geschwister – ausgehend von deren Mutter und deren wechselnden Männerbekanntschaften. Die Ermittlungen ins Rollen brachte die jüngere Schwester, die sich einem Mitarbeiter der Opferhilfe „Weißer Ring“ anvertraut und die dramatischen Zustände im Elternhaus geschildert hatte.

Daraufhin leitete die Kripo Ermittlungen ein und vernahm die Kinder. In ihrer Aussage erwähnte die 21-Jährige dann auch die angeblichen Vorfälle mit dem Onkel. Ob es darüber hinaus auch zu einer Anklage gegen die Mutter und ihre Bekannten kommt, war gestern Vormittag noch offen. Der Prozess gegen den Onkel wird am Donnerstag fortgesetzt.

ha

Rubriklistenbild: © dpa

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