Nicht scharf auf Schwarzwild

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"Schwarzwild" war sein Thema: Andreas Tyroller referierte in der Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaften im BBV.

Aschau/Mühldorf - Wildschweine stehen teils auf der Abschussliste. Bei der Kreisjagdversammlung sprach Fachmann Andreas Tyroller über das Thema "Schwarzwild - Lustwild oder Frustwild?".

Voll besetzt war der Saal im Gasthaus Pichlmaier in Aschau bei der Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaften im Bayerischen Bauernverband, Kreisverband Mühldorf.

Der Kreisvorsitzende Siegfried Stuhlrainer als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im BBV begrüßte die zahlreichen Jagdvorsteher, Ehrengäste sowie Jagdbeirat und Hegeringleiter.

Diplom-Ingenieur Andreas Tyroller, Fachberater und Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberbayern, sprach als Referent der Hauptgeschäftsstelle Oberbayern des BBV zu verschiedenen brisanten Themen, etwa Schwarzwild und über Aktuelles aus der Jagdpolitik.

Eingangs informierte er über die Weiterentwicklung des Vegetationsgutachtens. Hierzu hatte ein Symposium stattgefunden, es wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt und daraus sind einvernehmlich einige Änderungen vom Vegetationsgutachten entstanden.

Dieses bleibt erhalten und ist weiterhin ausschlaggebend für die Behörde. Aussagen werden ergänzt; sie sollen in roten und grünen Bereichen revierweise gemacht werden. "Gemeinsame Waldbegehungen durch Jagdgenossen, Waldbesitzer und Revierpächter sind sinnvoll zum Anschauen von Problemflächen".

Bayerisches Bibermanagement

"Der Biber und das bayerische Bibermanagement" war ein weiterer interessanter Punkt des Referates. Dabei wurden Fragen "Wie können wir tätig werden?" oder "Wer darf den Biber bejagen?" behandelt. Der Abschuss oder Wegfang des Bibers ist nur durch einen beauftragten Biberjäger erlaubt. Der Staat stellt in Bayern derzeit jährlich 350000 Euro als Ausgleich für Biberschäden zur Verfügung - im vergangenen Jahr wurden rund 500000 Euro an Schäden gemeldet. Neben Fraß- und Veräsungsschäden können auch etwaige Maschinenschäden geltend gemacht werden. Biberschäden sollen immer beim Landratsamt gemeldet werden.

Ein "explodierendes Thema" des Abends war "Schwarzwild" - "Lustwild oder Frustwild?" Als "Lustwild" wird es etwa von einzelnen Jägern angesehen - es ist eine Besonderheit zum Schießen.

Wildsau gehört für viele zum "Frustwild"

Für die Mehrheit gilt die Wildsau jedoch als "Frustwild", das erheblichen Schaden anrichtet und "wie eine Lawine auf euch zurollt", ermahnte der Referent die Anwesenden. 19 Stück Schwarzwild wurden im vergangenen Jahr hier landkreisweit geschossen - "in manchen anderen Revieren sind es schon 50 Stück", wusste Andreas Tyroller zu berichten.

Das Schwarzwild hat eine weltweite Verbreitung und kann auch bei uns in Bayern überall leben, außer an großen Seen und im Hochgebirge. Es ist ein "Allesfresser" und ernährt sich überwiegend von Baum- und Feldfrüchten sowie Abfällen, außer zellulosereicher Nahrung wie Holz oder Stroh. Die Nahrung, Bodenbeschaffenheit und Deckung ist ausschlaggebend für die Vermehrung der Wildschweine.

"Jeder künstliche Energieeintrag ab Herbst lässt den Sauen-Bestand explodieren", nannte Tyroller als Merksatz. Laut der gezeigten Statistik hat das Schwarzwild ein riesiges Vermehrungspotential: Eine Rotte mit 20 Ausgangstieren, drei Alt-, fünf Überläufer- und zwölf Frischlingsbachen, kann sich in "fetten Jahren" auf 95 Tiere vermehren. "Dauermast des Schwarzwildes ist zu beenden!", lautet die Devise.

Wenn Wildsauen aufgetaucht sind und zum Schießen angelockt werden sollen, darf pro Tag auf hundert Hektar Fläche nur ein Kilo Kirrmaterial (Lockfutter) ausgebracht werden. Alles was darüber geht, heizt die Schwarzwild-Vermehrung an und ist "verbotene Schwarzwild-Hege!"

Schon die Kleinen abschießen

Als Fazit der Wildschwein-Population gelten gute Lebensgrundlagen (milde Winter, vermehrte Baummast und Maisanbau), künstlicher Futtereintrag, ungenügende Bejagung sowie Möglichkeiten zur Entfaltung.

Beim Schwarzwild, das als Feind nur den bewaffneten Menschen hat, soll bei den "Kleinen" angefangen werden zu schießen.

"Miteinander darüber reden ist bei diesem Thema ganz wichtig", ermahnte Tyroller und Dr. Erich Loserth, Kreisgruppenvorsitzender der Jäger, machte deutlich: "Kein Revierpächter ist scharf auf Schwarzwild!"

Zum Thema "Schwerpunktbejagung" meinte Tyroller, dass das Wild dort bejagt werden soll, wo es am meisten Ärger bereitet (Wiese, Acker oder Wald).

Gefahr: Afrikanische Schweinepest

"Durch das Schwarzwild-Problem kann als weitere Gefahr neben der klassischen zusätzlich die afrikanische Schweinepest auftauchen", warnte der Referent.

Zur Fortbildung für Jagdvorstände werden regionale Tagesseminare mit den Lehreinheiten Jagdgesetz, Schwarzwild, Klimawandel und Waldumbau, Jagdnutzung sowie Jagdgenossenschaft angeboten.

Bezirksvorsitzender Max Lochner sah in seinem Grußwort den "Waldbegang" als Pflicht an und appellierte: "Wir brauchen einen stabilen Mischwald!"

Mit verschiedenen Diskussionspunkten endete die interessante Veranstaltung.

bac

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