Neuanfang mit Dumbs

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Es wird weiter geblitzt: Nach einer dramatischen Sitzung wählte der Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung den Haager Bürgermeister Dumbs zum neuen Vorsitzenden. Damit kann der Verband, der derzeit 76 Mitglieder hat, weiter für seine Mitgliedsgemeinden arbeiten und Raser und Falschparker bestrafen.

Töging - Der Haager Bürgermeister Hermann Dumbs wird neuer Vorsitzender des Zweckverbands Kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern.

Dumbs Wahl voraus ging eine turbulente Versammlung, in der auch die Abberufung des Geschäftsführers Martin Deser beschlossen wurde.

Siegfried Rübensaal begann die gestrige Zweckverbandsversammlung mit einem Paukenschlag - der sich schnell jedoch als Nebelkerze entpuppen sollte: "Zu den Falschmessungen sind völlig neue Erkenntnisse aufgetaucht", verkündete der Lengdorfer Altbürgermeister und Noch-Verbandsvorsitzende. Demnach sei der Vorwurf, die Messtechniker hätten in Innenkurven mit dem Radar falsch gemessen, "in dieser Form nicht haltbar."

Was Rübensaal jedoch später einräumen musste: Die Messungen waren falsch. Grund dafür war laut Rübensaal jedoch nicht die böse Absicht der Mitarbeiter, sondern schlicht die Tatsache, dass sie anhand nicht eindeutiger Handbücher ausgebildet worden seien. "Wir müssen dazu stehen, dass Fehler gemacht worden sind. Aber den Technikern ist kein Schuldvorwurf zu machen."

Sebastian Pfaffenhuber tat seine Meinung zu den Vorgängen im Zweckverband wieder in Plakatform kund.

Sehr wohl einen Schuldvorwurf machte Rübensaal in seiner Begrüßungsrede Geschäftsführer Martin Deser. Rübensaal: "Ich bin der Überzeugung, dass der Geschäftsführer zwar ein Studium hat, aber die praktische Verwaltungsarbeit nicht beherrscht!" Etwaige Zwischenrufe oder Anträge ließ Rübensaal nicht zu. Den Burgkirchener Bürgermeister Dr. Stephan Merz, der eine Änderung der Tagesordnung beantragt hatte, herrschte er an: "Herr Merz, ich leite die Sitzung, dass das klar ist!" Damit Journalisten oder Zuhörer keine Chancen hätten, Interna aus dem nicht öffentlichen Teil zu erfahren, kündigte er an: "Ich lasse die Türen innen und außen bewachen. Es gibt keine Möglichkeit des Mitschnitts. Mit dem Wirt haben wir auch die Unterseiten der Tische nach Wanzen abgesucht."

So viel drang am Ende dann aber doch noch nach außen: Geschäftsführer Martin Deser soll abberufen werden. In den nächsten Wochen will sich der Verband mit dem Geschäftsführer über eine gütliche Lösung, also über einen Auflösungsvertrag, einigen. Kommt dieser nicht zustande, soll über eine ordentliche Kündigung nachgedacht werden.

Martin Deser zeigte sich enttäuscht über den Ausgang der Sitzung, zumal - wie Anwesende bestätigen - er deutlich weniger Redezeit bekam als Siegfried Rübensaal. Vor einer Kündigung fürchtet er sich dennoch nicht: "Warum hat man mir denn einen Auflösungsvertrag angeboten? Weil man weiß, dass man nichts gegen mich in der Hand hat."

Ein weiteres großes Pfund für Deser ist die Tatsache, dass er das Vertrauen des neuen Vorsitzenden besitzt. Haags Bürgermeister Hermann Dumbs, der bereits im nicht öffentlichen Sitzungsteil bestürmt wurde den Vorsitz zu übernehmen, gab am Ende dem Drängen der Anwesenden und vor allem des Altöttinger Landrats Erwin Schneider nach und übernahm das Amt.

Angesichts drohender Rückzahlungen wegen der Falschmessungen und einer praktisch nicht mehr funktionierenden Verwaltung des Zweckverbands hatten alle ursprünglichen Interessenten, die es laut Altöttinger Landratsamt durchaus gegeben hat, ihren Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Erst Landrat Schneiders eindringliche Warnung "Wir sind auf dem Weg in die Auflösung des Zweckverbands" konnte Dumbs umstimmen. Die Anwesenden bekundeten ihm dafür Respekt und Anerkennung. Michael Braun, Geschäftsführer des Zweckverbads Oberland aus Bad Tölz, versprach: "Wenn Sie Hilfe brauchen, steh ich Ihnen mit Rat und Tat zur Seite."

zip/Mühldorfer Anzeiger

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