Netzwerk gegen Erreger

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Bei der Gründung des Netzwerks gegen die multiresistenten Erreger von links: Dr. Benedikt Steingruber, Professorin Dr. Christiane Höller, Dr. Martin Kahl und Thomas Kitzeder, Assistent der Geschäftsleitung der Mühldorfer Kreiskliniken.

Mühldorf - Keime in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Praxen sind zu einem ernstzunehmenden Problem geworden. Die Bevölkerung ist zunehmend verunsichert und besorgt.

Durch ihre Verbreitung kommt es zu Infektionen mit Krankheitserregern, die nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr antibiotisch therapiert werden können.

Im großen Sitzungssaal des Mühldorfer Landratsamts wurde ein Netzwerk gegen multiresistente Erreger unter der Federführung des Gesundheitsamts gegründet. "Wir wollen offensiv mit diesem Problem umgehen", sagte Benedikt Steingruber, Chef des Mühldorfer Gesundheitsamts.

Für ihn wäre die weitere Ausbreitung der Erreger eine hygienische Katastrophe. Er fordert vor den Ärzten, Pflegern und Altenpflegern eine konsequente Basishygiene, denn multiresistente Erreger (MRE), so Steingruber, seien ein Schnittstellenproblem. Steingruber forderte die Teilnehmer auf, sich gemeinsam diesem Problem zu widmen.

Dr. Martin Kahl, Chefarzt für Anästhesie und hygienebeauftragter Arzt der Mühldorfer Kreiskliniken, berichtete, dass die Anteile an MRE weiter nach oben gingen. Er stellte heraus, dass in den Mühldorfer Kreiskliniken massiv gegen diese Erreger gearbeitet werde. So sei die Zahl der verbrauchten Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe in den Kreiskliniken nach oben gegangen. Auch Dr. Kahl sprach sich für eine konsequente Umsetzung der Hygienerichtlinien aus.

Professorin Dr. Christiane Höller vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit berichtete, dass die Erreger ein globales Problem seien. Deutschland liege im internationalen Vergleich mit einer 25-prozentigen Prävalenz zwar im Mittelfeld vor England, Italien, Spanien, Portugal (mit rund 40 Prozent) oder den USA (40 bis 60 Prozent), jedoch deutlich hinter den Niederlanden mit nur vier Prozent. "Eine Entwarnung ist das allerdings nicht, sondern vielmehr Ansporn, diese Rate zu senken. Zwar wissen wir, dass nosokominale Infektionen nicht vollständig vermeidbar sind, aber rund 20 bis 30 Prozent könnten vermieden werden", betonte Höller.

Thomas Kitzeder, Assistent der Geschäftsleitung der Mühldorfer Kreiskliniken, verwies auf die Anstrengungen der Kreiskliniken bei der Umsetzung und Steigerung des Hygeniemanagements. Für Kitzeder ist ein nachhaltiger Erfolg dieser Maßnahmen aber nur dann möglich, wenn das vorhandene Hygeniemanagement auch von allen Betroffenen umgesetzt werde.

Ilona Brunner vom Caritas-Altenheim in Mühldorf verwies auf die Schwierigkeiten bei der Umsetzung in den Alten- und Pflegeeinrichtungen. Auch sie sprach sich für eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten aus. Über wenig Probleme in diesem Bereich berichtet Dr. Dieter Sobotka aus seiner Praxis. Aus der Sicht des BRK Mühldorf verwies Roland Progner auf die Probleme bei der Einlieferung von betroffenen Patienen in das Krankenhaus und die Rückführung in eine Pflegeeinrichtung.

Dr. Benedikt Steingruber: "Alle Partner, die an der Versorgung von Patienten in unserem Landkreis beteiligt sind, müssen eng zusammenarbeiten. Wir werden im Netzwerk Standards festlegen und auftretenden Problemen entschlossen entgegentreten."

sb/Mühldorfer Anzeiger

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