Bürgerkrieg und Reisfelder

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Ein Jahr lang kümmerte sich Berit Koppert in einem Waisenhaus in Nepal um die Kinder.

Mühldorf/Patan - Müll in den Straßen, kein fließendes Wasser und drohender Bürgerkrieg: Das war Berit Kopperts Alltag in Nepal.

Trotzdem sagt die 19-jährige Mühldorferin: "Es war super." Und sie möchte auf alle Fälle wieder in das Land am Himalaya reisen.

Von August bis Ende Mai war sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Patan, der zweitgrößten Stadt Nepals, die gemeinsam mit Kathmandu die Hauptstadt bildet. Dort hat sie in einem Waisenhaus gearbeitet. Heute Abend berichtet sie in einem Vortrag im evangelischen Gemeindehaus von ihren Erfahrungen.

Berit Koppert in Nepal

Nach Nepal kam sie mit dem Förderprojekt "Weltwärts" des Bundesentwicklungsministeriums und dem Verein Icja, der weltweit Freiwilligen-Austausch organisiert. Direkt nach dem Abitur im vergangenen Jahr am Gymnasium in Waldkraiburg ging es los: "Ich habe von dem Projekt im Radio gehört und mich für Asien beworben", sagt Berit. Ein Freiwilligenjahr selbst zu organisieren wäre zu teuer, Weltwärts finanziere 70 Prozent der Kosten.Obwohl Berit Koppert schon immer sehr reiselustig war - in der elften Klasse nahm sie an einem Schüleraustausch-Jahr in Amerika teil, vor zwei Jahren arbeitete sie für einige Wochen bei einem kirchlichen Projekt in Tansania - waren die Umstände in Nepal für sie anfangs gewöhnungsbedürftig: "Obwohl wir ein Bad hatten, gab es kein fließendes Wasser." Die Regierung schaffe es einfach nicht, die Leitungen funktionstüchtig zu machen.

"Wir mussten das Wasser von einem öffentlichen Brunnen holen. Und wenn Wasser da war, wurde es zuerst zum Kochen verwendet, dann zum Waschen der Stoff-Babywindeln und dann erst zum Duschen." Als sie und eine zweite Freiwillige, ebenfalls eine Deutsche, dann aus Platzgründen aus dem Waisenhaus zu einer nepalesischen Gastfamilie umzogen, war die Freude dafür umso größer: "Das war ein neues Haus. Und da gab es fließendes Wasser. Wenn auch kein warmes."Ihre Eltern haben sie immer unterstützt. Ebenso wie ihr Freund. "Und wir sind Gott sei Dank immer noch zusammen." Erst als ihre Mutter vom drohenden Bürgerkrieg und der Gewalt zwischen der nepalesischen Regierung und den Maoisten erfahren hat, habe zu Hause leichte Verunsicherung geherrscht. Dabei habe sie vor Ort von der Gewalt nichts mitbekommen, schildert Berit. Nur die Streiks, das Druckmittel der Maoisten, seien schlimm gewesen. "Langeweile pur", sagt Berit. Kein Auto und kein Fahrrad durfte auf der Straße sein, Ämter und Schulen hatten geschlossen, selbst die Bankautomaten spuckten kein Geld aus. "Und irgendwann war es einfach wieder vorbei", erzählt sie.

Da war der Trubel in der Millionenstadt Kathmandu/Patan für sie gewöhnungsbedürftiger. "Ich komme ja aus Mühldorf", fügt sie mit einem Schulterzucken hinzu. "Es ist so voll und immer laut. Das Verkehrschaos und die Umweltverschmutzung sind schlimm, ich musste ständig husten." Auf dem Land, dem Terai, sei es dafür umso schöner: "Man sieht den Himalaya, die Reisfelder sind satt grün, und in jedem Hof steht ein Tempel, auf den Märkten ist alles frisch und bunt. Und die Nepalesen sind offen, höflich und hilfsbereit." Die deutsche Reserviertheit war es dann auch, die sie nach der Rückkehr am meisten gestört habe. "Aber ich habe mich schnell wieder eingelebt." Jetzt geht es erst einmal mit ihrem Freund in den Urlaub an die Nordsee. Die Atemwege, die sich vom nepalesischen Feinstaub immer noch nicht erholt haben, sollen auskuriert werden. Und dann will Berit studieren: Schauspiel oder Theaterwissenschaften.

Wer mehr über Berit Kopperts Erlebnisse in Nepal erfahren möchte, kann sich heute Abend um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus ihren Vortrag anhören: Die 19-Jährige wird Dias zeigen und das nepalesische Nationalgericht "Dhal Baat" auftischen. Anmeldung unter berit_koppert@yahoo.de.

nl/Mühldorfer Anzeiger

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