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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Nach Fall im Risikogebiet Mühldorf: Was ist das Borna-Virus? „Mit nur einer Ausnahme tödlich“

Ein Patient liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses. An einer Infektion mit dem sogenannten Borna-Virus sind in Bayern im Jahr 2020 zwei weitere Menschen gestorben.
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Ein Patient liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses. An einer Infektion mit dem sogenannten Borna-Virus sind in Bayern im Jahr 2020 zwei weitere Menschen gestorben.

Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) ist schon seit Langem als Erreger der Borna’schen Krankheit bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren in Mitteleuropa bekannt. Im Jahr 2018 wurde das Virus erstmalig als Ursache für schwere Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beim Menschen nachgewiesen. Nun ist auch ein Fall im Landkreis Mühldorf aufgetreten. Was das zu bedeuten hat.

Landkreis Mühldorf - Am Dienstag (7. Juni) wurde bekannt, dass sich eine Person aus dem westlichen Landkreis Mühldorf mit dem lebensbedrohlichen Borna-Virus infiziert hat und auch erkrankt ist. Die Borna-Krankheit ist eine Zoonose, also eine Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen und umgekehrt übertragen werden kann.

Erst Ende 2019 war ein elfjähriges Mädchen aus Maitenbeth an einer schweren Entzündung im Gehirn, wohl hervorgerufen durch das Borna-Virus verstorben. Experten gehen davon aus, dass es jährlich ungefähr 2-6 akute Erkrankungen in Deutschland gibt, schreibt das RKI. „Die wenigen bekannten Erkrankungsfälle verliefen mit nur einer Ausnahme tödlich“, heißt es weiter. 

„Das von Erkrankungen bei Pferden und Schafen bekannte klassische Bornavirus kann auch bei gesunden Menschen tödliche Gehirnentzündungen auslösen„ Zu diesem Ergebnis kam eine Forschergruppe um Prof. Dr. Armin Ensser vom Virologischen Institut in einer 2018 im New England Journal of Medicine veröffentlichten Arbeit. 

Wo kommt das Borna-Virus vor?

Die Feldspitzmaus wurde von Wissenschaftlern als natürliches Reservoir von BoDV-1 identifiziert, wobei die Viren von infizierten Feldspitzmäusen vermutlich über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden werden. Die sechs bis acht Zentimeter große Feldspitzmaus kommt in Mittel- und Südosteuropa vor - vor allem auch in unserer Region.

Derzeit gehe man davon aus, dass Pferde und Schafe z.B. beim Fressen mit der Feldspitzmaus oder ihren Ausscheidungen in Kontakt kommen. Für den Menschen sind verschiedene Übertragungswege denkbar. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich der Mensch ebenfalls über den Kontakt mit Ausscheidungen von Spitzmäusen ansteckt.

Eventuell kann das Virus in der Umwelt länger infektiös bleiben, daher ist ein direkter Kontakt mit den Tieren für die Infektion möglicherweise nicht unbedingt erforderlich. Mögliche Infektionswege sind die Aufnahme über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser, das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub oder der direkte Kontakt bzw. Biss einer Spitzmaus.

Die Feldspitzmaus kommt in Mittel- und Südosteuropa vor. BoDV-1 kommt in Deutschland in spezifischen Gebieten vor, in denen auch die bisherigen Erkrankungen beim Menschen auftraten.

Deutlich mehr Fälle als bisher bekannt - Schwerpunkt Bayern

An einer Infektion mit sogenannten Borna-Viren sind in Deutschland in den vergangenen Jahren weit mehr Menschen gestorben als bisher bekannt. Der Erreger sei in Bayern in aufbewahrten Hirnproben verstorbener Patienten nachgewiesen worden, berichteten Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und der Universität Regensburg Anfang Januar 2020 im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“. Insgesamt starben demnach zwischen 1995 und 2019 mindestens 14 Menschen nachweislich an der Gehirnentzündung. Auch für das Jahr 2020 bestätigte das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zwei weitere Todesfälle.

Die Dunkelziffer von Borna-Virus-Infektionen bei tödlichen Gehirnentzündungen ist unbekannt, da die Infektion bislang bei Routineuntersuchungen nicht in Betracht gezogen wurde“, sagte der Leiter des FLI, Martin Beer, vor wenigen Jahren. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald beschäftigt sich seit 2015, nachdem bereits drei andere Menschen an einer abgewandten Form (Bunthörnchen-Borna-Virus) verstorben waren, intensiv mit diesem Virus.  

Warum der Schwerpunkt auch in Bayern liege, sei unklar, sagte die Ärztin und Epidemiologin Kirsten Pörtner vom Robert Koch-Institut (RKI) Ende 2020. „Möglich ist, dass man in Bayern inzwischen mehr hinschaut und bei einer Hirnentzündung mit unbekannter Ursache inzwischen eher auf das Virus testet. Möglich ist aber auch, dass die Feldspitzmaus sich in Bayern anders verhält als in Sachsen-Anhalt.“

Mögliche Symptome

Die meisten der bisher bekannten Patienten litten zu Beginn an Kopfschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Bei allen Erkrankungsfällen kam es anschließend zu neurologischen Symptomen, wie Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- und Gangstörungen, und im weiteren Verlauf innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zum Koma. 

Eine spezifische Therapie gegen Borna-Virus-Infektionen gibt es zum aktuellen Zeitpunkt nicht, so dass die Behandlung aus unterstützenden Maßnahmen mit intensivmedizinischer Betreuung besteht.

Wie können Sie Infektionen verhindern?

Angesichts der geringen Anzahl bekannter Infektionen ist die Infektionswahrscheinlichkeit insgesamt gering. Sie können das Risiko einer Borna-Virus-Infektion nach aktuellem Kenntnisstand weiter reduzieren, indem Sie den Kontakt zu Spitzmäusen und deren Ausscheidungen vermeiden und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen einhalten, insbesondere in den bekannten BoDV-1 Verbreitungsgebieten.

  • Spitzmäuse eignen sich nicht als Haustiere.
  • Lebende oder tote Spitzmäuse sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden.
  • Sollten Spitzmäuse im häuslichen oder Arbeitsumfeld identifiziert werden, gilt es, ihre Nahrungsquelle herauszufinden und sie ihnen zu entziehen. Spitzmäuse akzeptieren z.B. im Außenbereich angebotenes Hunde- oder Katzenfutter. Auch Komposthaufen oder andere Abfälle können durch das reiche Nahrungsangebot an Insekten für Spitzmäuse interessant sein.

Was sind die Empfehlungen für die Beseitigung von toten Spitzmäusen, Ausscheidungen und Reinigung?

Sollten Sie in Ihrem Wohn- oder Arbeitsumfeld im o.g. Endemiegebiet tote Spitzmäuse finden (z.B. weil eine Katze diese ins Haus mitgebracht hat) empfiehlt das RKI, die Tierkörper sicher zu beseitigen und kontaminierte Flächen (Böden, Arbeitsflächen und andere Oberflächen) sorgfältig mit Haushaltsreiniger zu säubern.

  • Tragen Sie Gummihandschuhe und bei Staubentwicklung möglichst einen eng anliegenden Mundnasenschutz.
  • Nehmen Sie die toten Spitzmäuse in einer über die Hand gestülpten Plastiktüte auf, verschließen und entsorgen Sie diese mit dem Hausmüll.
  • Besprühen Sie tote Spitzmäuse, und Ausscheidungen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel. So verhindern Sie, dass bei der Entsorgung/Reinigung virusbeladener Staubaufgewirbelt wird.
  • Nach staubigen Arbeiten duschen Sie sofort (inkl. Haare waschen) und waschen Sie die benutzte Arbeitskleidung.

Das RKi empfiehlt, dass bei bei Patienten mit unklarer akuter Meningoenzephalitis, vor allem im oben beschriebenen Endemiegebiet, eine Borna-Virus-Infektion ausgeschlossen werden sollte. Neben dem Bernhard-NochtInstitut für Tropenmedizin wird die Diagnostik von verschiedenen Universitätskliniken angeboten. Der direkte Virusnachweis von Borna-Viren beim Menschen ist gemäß §7 IfSG für Labore an das Gesundheitsamt meldepflichtig.

mz