Bahn-Tarifreform: MVV bis Mühldorf?

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MVV-Tickets auch am Mühldorfer Bahnhof? Geht es nach MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag ist das keine Zukunftsmusik.

Mühldorf - Der Münchner Verkehrsverbund will sein Tarifgebiet erweitern. Mühldorf wäre ein "interessanter Kandidat". Der Landkreis müsste die Initiative ergreifen.

Laut Südostbayernbahn sei ein Anschluss aber erst sinnvoll, wenn die Strecke zweigleisig ausgebaut ist.

"Wir bewegen uns im MVV heute noch im Verbundgebiet von 1972. Deshalb ist eine Erweiterung prinzipiell eine gute und sinnvolle Idee", sagt MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag. Grundsätzlich gilt: "Erst wenn die Landkreise auf uns zukommen, können wir tätig werden und eine entsprechende Untersuchung in Auftrag geben, was zum Beispiel Tarif und Infrastruktur angeht", betont Freitag. "Von uns darf in dieser Frage keine Initiative ausgehen."

Erste Landkreise haben bereits konkrete Anfragen gestellt. So gelten Landshut und Landsberg als aussichtsreiche Kandidaten, auch beim "Filzenexpress" nach Wasserburg seien die Planungen sehr weit. "Mühldorf mit einer Fahrzeit von 58 Minuten wäre verkehrspolitisch gesehen für uns ebenfalls ein sehr interessanter Kandidat", sagt Freitag. "Ein konkreter Antrag liegt uns von dort aber nicht vor."

Trotzdem ist eine Ausweitung des MVV-Tarifgebiets bis Mühldorf im hiesigen Landratsamt durchaus Thema. "Der Landkreis ist angesichts der sehr stark ausgeprägten Pendlerbeziehungen in den Großraum München hinein bereits seit Längerem an einer MVV-Anbindung interessiert. Es gibt diesbezüglich auch bereits Kontakte mit der Tarifabteilung des MVV", teilt Pressesprecherin Sandra Schließlberger mit.

Allerdings werde in naher Zukunft das Thema auch im Rahmen der Europäischen Metropolregion München (EMM) ereitert. So wurde laut Landratsamt auf der letzten EMM-Tagung besprochen, dass eine Vereinheitlichung der Tarife im EMM-Raum sowie eine Verknüpfung der einzelnen ÖPNV-Systeme erreicht werden soll.

Dabei geht es natürlich auch um Geld. Nachdem die Fahrkarten des MVV in der Regel etwas günstiger sind als die der SOB müsste der Landkreis die Differenz tragen. "Um wie viel Geld es sich dabei handelt, lässt sich beim besten Willen noch nicht sagen. Dafür muss genau die Tarifstruktur analysiert und der aktuelle Umsatz quergerechnet werden", erklärt Freitag.

Im Landratsamt gibt man sich zu diesem Punkt noch bedeckt: "Bisher liegen dem Landkreis nur grobe Kostenschätzungen vor, die erst noch konkretisiert werden müssen."

Auch Christoph Kraller, Geschäftsführer der Südostbayernbahn (SOB), liegen nach eigener Aussage keinerlei Zahlen vor. Er hält den Anschluss aber frühestens dann für sinnvoll, wenn die Strecke zweigleisig ausgebaut ist. "Denn bei niedrigeren Preisen muss die Differenz über die Quantität wettgemacht werden." Und die sei derzeit nicht steigerbar: "Wir fahren derzeit die maximale Kapazität." Lediglich drei einstöckige Züge könnten durch Doppelstockwaggons ersetzt werden, damit 40 Prozent mehr Passagiere damit transportiert werden könnten.

MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag denkt in dieser Angelegenheit ohnehin in einer größeren Dimension: "Wünschenswert wäre, dass sich der Landkreis Mühldorf in dieser Frage auch mit anderen Landkreisen wie Rosenheim oder Landshut zusammentut." Sein Stichwort heißt ebenfalls: Metropolregion München. "Nürnberg ist da schon einen Schritt weiter, dort sind Metropolregion und Verbundgebiet schon fast eins. Davon sind wir hier noch weit entfernt."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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