Zwischen zwei Welten

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Grüße aus der Metropole: Kristina Schubert vor der Skyline von Hongkong.

Mühldorf/Hongkong - 9000 Kilometer entfernt hat die Mühldorferin Kristina Schubert eine neue Heimat gefunden. Sie lebt und arbeitet in Hongkong.

Es ist alles anders als daheim: Linksverkehr, tropische Temperaturen, Chicken feet auf dem Teller und sieben Stunden Zeitverschiebung. Aber Kristina Schubert (31) ist hier seit viereinhalb Jahren daheim, in Hongkong. Drei bis viermal im Jahr fliegt sie 9000 Kilometer in ihre Heimat, die alte Heimat. Irgendwie ist nämlich auch Hongkong zu ihrer Heimat geworden: "Das hat von Anfang an gepasst", sagt die Mühldorferin. Für ein Textilunternehmen betreut die Bekleidungstechnikerin von einem Büro in Hongkong aus die chinesischen Lieferanten.

Überraschend kam 2006 nach einer geschäftlichen Reise nach Hongkong der Anruf aus der Chefetage: Ob sie sich vorstellen könne nach Asien zu gehen? Damals war Kristina Schubert in der Münchner Zentrale des Unternehmens tätig. Sie überlegte nicht lange und nahm das Angebot an.

Seit viereinhalb Jahren ist sie nun schon in der Fremde daheim. Das falle ihr schon deshalb relativ leicht, weil Hongkong als frühere englische Kolonie sehr international ausgerichtet sei. "Geschäftlich läuft alles auf Englisch", sagt sie, die Ausländer seien eine große Gemeinschaft. Sogar deutscher Küche begegnet man hier. Schnell hatte sie sich in der Metropole einen Freundeskreis aufgebaut. "Ich lebe da", bringt sie es auf den Punkt.

Und das, obwohl die Unterschiede zwischen Mühldorf und Hongkong nicht größer sein könnten. Hier überschaubare 17000 Einwohner der Kreisstadt, dort die sieben Millionen Bewohner der Metropole, die nie zur Ruhe kommt. "Man ist immer auf 100, kommt nie dazu abzuschalten", sagt sie, vor allem, weil sich das Leben überwiegend draußen abspielt. Wegen des chronischen Platzmangels sind die Wohnungen sehr klein. Armut und Reichtum treffen direkt aufeinander, an gläserne Wolkenkratzer schmiegen sich alte baufällige Häuschen.

Das Freizeitangebot in Hongkong sei immens, erzählt Kristina Schubert. Sei es nun der Strand in der Stadt oder die Natur außerhalb, die zum Wandern einlädt. Und wenn die Zeit reicht, geht es an verlängerten Wochenenden auch einmal kurzerhand nach Thailand, Vietnam oder Japan.

"Hongkong und Deutschland sind meine zwei Welten", sagt sie. "Wenn ich hier bin, vermisse ich Hongkong nicht. Und wenn ich in Hongkong bin, vermisse ich Mühldorf nicht." Und so sieht sie auch den Wandel, den China momentan durchlebt, eher gelassen. "Die Produktion wird für viele deutsche Unternehmen hier bereits teuer."

Die chinesischen Fabriken können auf Grund der großen Nachfrage unter den Auftraggebern wählen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Massenproduktion weiterziehe, glaubt sie. Aber dann ohne Kristina Schubert. Und so wird sie vielleicht doch irgendwann wieder zurückkommen, in die dann neue alte Heimat.

nl/Oberbayerisches Volksblatt

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