Gruseln auf Kommando

Auf dem Mühldorfer Volksfest steht das Geisterschloss. Das Besondere: Dort erschrecken lebende Geister die Besucher. Ist das gruselig? Ein Test.

...was während der Fahrt für Adrenalin sorgte, sah bei Tageslicht nicht mehr ganz so gruselig aus.

Kaum sitze ich in dem vergitterten Wagen, stellt sich ein mulmiges Gefühl ein. Jetzt kann ich nicht mehr flüchten. Ein "Geist" huscht an mir vorbei und wirft etwas in den Wagen. Eine blutige Hand - aus Gummi natürlich. Doch das ist nicht gruselig, sondern lustig. Kaum entspanne ich mich wieder ein wenig, rollt der Wagen los. Zwei Tore öffnen sich und es geht hinein ins Dunkle des Geisterschlosses.

Seit fünf Jahren besitzt Andreas Kunz aus München die Geisterbahn. Das Schaustellerleben hat in seiner Familie Tradition. Schon seine Ahnen vor 100 Jahre zogen durch das Land, um auf Volksfesten zu leben. Das Besondere an Kunz' Geisterbahn sind die Geister selbst. Denn statt Figuren erschrecken echte Menschen die Besucher. "Dadurch, dass die Wagen vergittert sind, können unsere Schausteller sehr nah an die Besucher ran", sagt Andreas Kunz. Der Grusel-Faktor sei somit sehr hoch. Als ich durch das Tor fahre, umschließt mich Dunkelheit. Ich höre nur Geräusche, gruselige Musik und vereinzelt Schreie und Knarren. Erwartungsvoll sehe ich mir die gruseligen Figuren im Vorbeifahren an. Hier ein Monster, dort ein blutiges Messer. Und plötzlich eine schwarze Gestalt vor dem Wagen. Ich atme tief ein. Der Wagen bewegt sich. Rüttelt etwa ein Geist an dem Gefährt? Plötzlich bin ich froh, dass Gitterstäbe mich von der Gestalt trennen. Ein Blick nach rechts und ich sehe eine Grimasse. Ich schlucke. Doch bevor ich mich erholen kann, geht die Fahrt im Geisterschloss weiter. "Unsere Geister rütteln an den Wagen, schreien oder klopfen", sagt Andreas Kunz. Tagsüber sei meist nur ein Gespenst im Geisterschloss. "Nachmittags fahren eben viele Familie mit Kindern, deshalb werden unsere Gespenster auch tagsüber schnell mal zu einem lieben Geist", betont der Inhaber. Kinder sollen Spaß haben und nicht zu Tode geängstigt werden. Erst abends gegen 20 Uhr, wenn keine Familien mehr durch das Geisterschloss fahren, werde es richtig gruselig. "Dann treiben sich vier bis fünf Geister herum", sagt Andreas Kunz. Da komme schon mal eine grässliche Figur mit einer Motorsäge in der Hand. "Natürlich blutbefleckt", lacht Andreas Kunz.

Sind lebende Geister wirklich gruselig? Vor der Geisterbahnfahrt war noch alles in Ordnung...

Kaum biegt unser Wagen um die nächste Ecke, höre ich es kreischen. Während ich auf die Figuren am Rand achte, huscht ein Geist vorbei. Ich zucke zusammen. Plötzlich starren mich grässliche Augen von unten an. Die Gestalt schreit, ich schreie. Der Wagen wankt. Ein Blick nach oben verrät wieso. Auch hier klammert sich ein Geistermensch fest. Ich atme auf, als der Wagen eine kurze Runde am Tageslicht fährt. Doch schon öffnet sich wieder das Tor zum Geisterschloss.

"Der Lohn des Geistes ist es, wenn die Menschen richtig fertig sind", sagt Andreas Kunz. Schon oft habe er weinende Mädchen gesehen oder blasse Jungen. "Manche steigen aus und laufen weg", sagt er lachend. Ihm ist es wichtig, dass sich die Besucher gruseln - außer Kinder. "Wir achten darauf, dass es für die kleinen Besucher nicht zu gruselig ist."-Oftmals kämen Jugendliche und würden große Sprüche klopfen: "Wenn sie dann wieder aus der Geisterbahn kommen, sind sie ganz still."

Auch ich bin mittlerweile verstummt. Die Fahrt durch das Geisterschloss ist gruseliger, als ich gedacht habe. Hinter jedem Schatten entdecke ich einen vermeintlichen Geist. Zeitweise will ich die Augen schließen. Kaum blicke ich neben mich, starre ich in dunkle Augen. Ich schreie wieder. Mein Herz klopft. Noch einmal hebt sich die Geräuschkulisse, neben mir rüttelt ein Gespenst am Wagen, auf der anderen Seite huscht ein Geist vorbei. Dann öffnet sich der Ausgang des Geisterschlosses. Unser Wagen fährt heraus.

Kaum merklich atme ich auf. Ich bin froh, wieder aus dem vergitterten Gefährt aussteigen zu können. Ohne die lebenden Gespenster wäre die Fahrt nur halb so gruselig gewesen. Die Figuren sind hässlich, aber nicht angsteinflößend. Viel mehr erschreckt das Ungewisse. Wann lauert der nächste Geist unserem Wagen auf? Das Fazit der Gruselfahrt: Es lohnt sich. Die lebenden Geister machen die Fahrt ins Ungewisse spannend. Wer wissen will, was ihn erwartet, kann sich auf www.geisterschloss.com informieren.

Quelle: Mühldorfer Volksfest

Zurück zur Übersicht: Mühldorfer Volkfest

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Volksfest-Infos

Auf dem Festplatz (Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße) vom 25.08. bis 04.09.2017:

-Bierpreis: 8,20 Euro

- Großer Volksfestauszug & Bieranstich: 25. August ab 18.00 Uhr

- Kinder- und Jugendtag: 30. August

- Internationaler Schützen- und Trachtenzug: 3. September ab 14 Uhr

- Großes Brillant-Musik-Feuerwerk: 4. September ab 21.00 Uhr

Nachtrundgang am Montag

Nachtrundgang am Montag

Unertl-Zelt am Montag

Unertl-Zelt am Montag

Feuerwerk und Stadl-Rundgang am Montag

Feuerwerk und Stadl-Rundgang am Montag

Spaten-Zelt am Montag

Spaten-Zelt am Montag