Das Buch zum Jubiläum

150 Jahre Mühldorfer Volksfest auf 276 Seiten

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Die vier Autoren mit ihrem Werk (von links): Wolfgang Haserer, Dr. Rudolf Neumaier, Edwin Hamberger und Dr. Norbert Stellner
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Mühldorf - Eine "kleine Kulturgeschichte des Mühldorfer Volksfests": Vier Autoren haben auf 276 Seiten die 150-jährige Geschichte der Mühldorfer Wiesn gebannt.

Zuallererst war es am Dienstagabend im Fletz des Mühldorfer Rathauses richtig zünftig. Die vielen Besucher hatten auf Bierbänken Platz genommen und erfreuten sich an Bier, Brotzeit und Blasmusik. "Wenn in Mühldorf mal das Volksfest ausfällt, dann machen wir aus dem Rathaus ein Festzelt", scherzte Bürgermeisterin Marianne Zollner. Ja, sogar angezapft wurde im Rathaus - und zwar ein echter Holzbanzen von der Brauerei Erharting. "Das ist ja fast meine neue Lieblingsbeschäftigung", kommentierte die Bürgermeisterin, die in neun Tagen beim Start des Volksfests schon wieder zum Schlegel greifen wird. Immerhin: Die Übung lohnt sich. Zollner brauchte am Dienstag nur zwei Schläge.

Vierköpfiges Autorenteam für 276 Seiten

Angezapft wurde selbstverständlich auch (zum Vergrößern Bild anklicken)

So routiniert die Bürgermeisterin inzwischen auch anzapft - der Anlass für die Feierstunde war ein außergewöhnlicher. "Weil‘s gar so zünftig ist", das große, 276 Seiten starke Buch zum Jubiläum des Mühldorfer Volksfests, wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Volksfestmanager Walter Gruber plauderte aus dem Nähkästchen und erklärte, wie es überhaupt zu dem Buch gekommen war. Zum 200-jährigen Jubiläum des Straubinger Gäubodenfests war ein Buch erschienen. Dr. Rudolf Neumaier aus Töging, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, hatte Gruber daraufhin vorgeschlagen, zum Mühldorfer Volksfestjubiläum ebenfalls ein Buch zu veröffentlichen. "Da habe ich natürlich geschaut, weil ich noch nie ein Buch geschrieben habe", scherzte Gruber.

Glücklicherweise war der Volksfestmanager beim Vorhaben Jubiläumsbuch aber nicht auf sich alleine gestellt. Insgesamt vier Autoren haben Beiträge geschrieben: Neumaier widmete sich unter anderem den Volksfesten von 1902, 1913, 1939 und 1951, Wolfgang Haserer, Redakteur beim Mühldorfer Anzeiger, steuerte Geschichten über Persönlichkeiten des Volksfests bei, der Historiker, Musik- und Kulturwissenschaftler Dr. Norbert Stellner widmete sich vor allem der Musik, dem Sport und den Fahrgeschäften auf dem Volksfest und Stadtarchivar Edwin Hamberger kümmerte sich nicht nur um einzelne Beiträge, sondern auch noch um die Redaktion, also um die organisatorischen Aufgaben rund ums Buch.

Stadtrat überzog 1929 die Konten

Da ist das Ding: Bürgermeisterin Marianne Zollner mit Volksfestmanager Walter Gruber und dem Volksfestbuch

Herausgekommen ist eine "kleine Kulturgeschichte des Mühldorfer Volksfests", wie Hamberger es am Dienstagabend ausdrückte. Das diese Kulturgeschichte mitunter sehr lustig sein kann, wurde in den kurzen Vorträgen der Autoren schnell deutlich. Vor dem Volksfest 1929 etwa hatte der Stadtrat kurzerhand beschlossen, dass die Verwaltung für das Volksfest die Konten überziehen soll. Refinanzierung? Darüber hatte man sich nach dem Fest Gedanken machen wollen. "Zuerst kommt die Feier und dann kommt die Abrechnung", fasste Hamberger treffend zusammen. Doch Glück für den Stadtrat: Mit dem Volksfest hatte man letztlich sogar ein kleines Plus von 341 Mark erwirtschaftet.

Die Autoren haben auch zu den Preisen beim Glückshafen auf dem ersten Fest 1865 geforscht. Neben Weihwasserkesseln hatten die Volksfestbesucher unter anderem auf eine doppelläufige Pistole gehofft. "Man stelle sich vor, die AWO würde heute eine doppelläufige Pistole verlosen", sagte Wolfgang Haserer, der auch das Vergnügen hatte, einen Beitrag über den legendären Schwert- und Feuerschlucker Josef Zehetbauer alias Joe Jagger zu schreiben -  oder wie der Mühldorfer Anzeiger einst schrieb: der "Schrecken der Festwirte" und "Django aus Mauerberg".

Buch ist besser als irgendein "Staubfänger"

Sehr begehrt: die Autogramme der Autoren

Dr. Norbert Stellner machte in seinem Vortrag deutlich, wie viel Arbeit in dem Buch steckt. Die Autoren haben 90 Jahrgänge Lokalzeitung (und damit etwa 25 laufende Meter) und 70 Jahrgänge Volksfestakten durchgearbeitet. Dabei fanden sie unter anderem heraus, dass Erwin August Ludwig das Lied "Auf und Nieder" für das Mühldorfer Volksfest 1959 komponiert hatte und der Begriff "Wiesn" tatsächlich ein historischer ist. Schon 1951 war er als Synonym für das Mühldorfer Volksfest dokumentiert worden. Dr. Rudolf Neumaier gratulierte der Bürgermeisterin zum Buch. Das sei eine bessere Idee gewesen als "einen dritten Staubfänger zu produzieren" - eine Anspielung auf die Krüge, die für zwei andere Jubiläen produziert worden waren.

Am Dienstagabend stand außer Frage, ob Zollner weiß, wie gut die Idee mit dem Buch war. Die Bürgermeisterin lobte die Arbeit der Autoren als "wertvolle Dokumentation" für die Stadt. Als sie reingeschaut habe, hätte sie es am liebsten gar nicht mehr weggelegt, so Zollner. "Sie haben ein Buch verfasst, das jetzt wirklich in jeden Mühldorfer Haushalt gehört."

150 Jahre Mühldorfer Volksfest - das Buch

Zu kaufen gibt es das Jubiläumsbuch ab sofort zum Preis von 18,65 Euro im Kulturbüro der Stadt Mühldorf, im Buchhandel, bei Bücher Herzog (ISBN 978-3-9808380-9-2) und ab 28. August im Festzelt „Historische Wiesn“.

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Mühldorfer Volksfest: 25.08. bis 04.09. 2017

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Volksfest-Infos

Auf dem Festplatz (Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße) vom 25.08. bis 04.09.2017:

-Bierpreis: 8,20 Euro

- Großer Volksfestauszug & Bieranstich: 25. August ab 18.00 Uhr

- Kinder- und Jugendtag: 30. August

- Internationaler Schützen- und Trachtenzug: 3. September ab 14 Uhr

- Großes Brillant-Musik-Feuerwerk: 4. September ab 21.00 Uhr

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