Bebauungsplan entfacht Debatte im Stadtrat

Wie viele Bäume braucht die Stadt Mühldorf?

  • schließen

Mühldorf - Wie viel Grün sollte die Stadt für neue Häuser opfern? Ein simpler Bebauungsplan entfachte im Stadtrat eine Debatte über die Zukunft des Bauens Mühldorf.

Am Donnerstagabend debattierte der Mühldorfer Stadtrat über die Zukunft des Bauens in der Stadt. Im Kern ging es um die Frage, wie viel Grün für neue Häuser geopfert werden sollte. Anlass war ein Bebauungsplan, dem das Gremium letztlich mit großer Mehrheit zustimmte. Die Debatte um Bauen und Bäume fand freilich noch keinen Abschluss. Nach den Haushaltsberatungen soll das Thema auf die Agenda kommen, am Ende könnte der Stadtrat nichts Geringeres als ein Grundsatzpapier verabschieden.

Mit dem Bebauungsplan "An der Humboldtstraße" strebt die Stadt im Bereich der Äußeren Neumarkter Straße einen Lückenschluss an. Wie am Donnerstagabend im Stadtrat deutlich wurde, herrscht in dem Gremium Einigkeit über die Notwendigkeit des Lückenschlusses. Wie dieser zu erfolgen hat - und wie in der Stadt in Zukunft mit Grünflächen umgegangen werden sollte - war jedoch ein großer Streitpunkt.

Rau: "Ein Architekt hat doch auch eine Seele!"

Vier große Spitzahornbäume müssen für die geplante Bebauung weichen, allen voran für die Grünen im Stadtrat ein Unding. "Das hätten man auch anders Planen können", sagte etwa Dr. Georg Gafus, der den Bebauungsplan insgesamt "nicht sehr innovativ" nannte. Sein Fraktionskollege Oskar Rau fragte: "Warum baut man diesen Block genau so rein?" Nach Einschätzung Raus könnte man eine Lücke von zehn Metern lassen, dann könnten auch die Bäume stehen bleiben. Ein Baum dieser Größe sei immerhin etwas wert. "Die Bürger haben diese Bäume ja bezahlt."

Bürgermeisterin Marianne Zollner erklärte, dass Neupflanzungen geplant seien. "Da kommen mindestens 20 Bäume dazu", so Zollner. Rau jedoch blieb bei seiner Haltung, dass es schlicht nicht nötig sei, die vier Spitzahornbäume zu fällen. Dort, wo es notwendig sei, jüngst etwa beim zweigleisigen Bahnausbau, stimme er ja zu, dass Bäume gefällt werden. Bei der geplanten Bebauung an der Humboldtstraße sieht Rau diese Notwendigkeit aber nicht. "Dass das ein Architekt macht! Der hat doch auch eine Seele!", redete sich Rau regelrecht in Rage.

Grundsatzpapier zur Zukunft des Bauens

Rau und Gafus fanden letztlich aber nur bei einer Stadtratsminderheit Gehör. Bei sechs Gegenstimmen votierte das Gremium für die Aufstellung des Bebauungsplanes. Ein Antrag Raus, die Bäume zu erhalten, war damit obsolet. Nach der Geschäftsordnung musste zuerst über die Aufstellung des Bebauungsplans in seiner ursprünglichen Form abgestimmt werden, weil diese Abstimmung einen Beschlussvorschlag aus dem Bauausschuss zum Gegenstand hatte.

Schon bald könnten die Bebauungspläne der Stadt Mühldorf aber ganz anders aussehen. Nach den Haushaltsberatungen soll das Thema Bauen ganz groß auf der Agenda stehen. Am Ende der Debatte könnte der Stadtrat ein Grundsatzpapier verabschieden, wie Bebauungspläne in Mühldorf künftig aussehen sollten. Ob also beispielsweise auf gewachsene Bäume mehr Rücksicht genommen wird.

Stadtbaumeister Richard Faßer erklärte am Donnerstagabend, dass er bei seinen Planungen letztlich dem Auftrag des Stadtrats an die Verwaltung folgt. "Schön, dass Sie einem Paradigmenwechsel gegenüber so aufgeschlossen sind", lobte Gafus. Darauf antwortete Faßer trocken, dass er einen solchen Paradigmenwechsel ja nicht entscheiden müsse.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser