Kurswechsel im Prähofer-Haus

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Die Sommerakademie lockt heuer zum zehnten Mal junge talentierte Musiker nach Mühldorf.

Mühldorf - Zum zehnten Mal findet heuer die Mühldorfer Sommerakademie statt, zum zweiten Mal unter der künstlerischen Leitung von Professor Roland Baldini.

Er drückt den Meisterkursen für Streicher und Kammermusik nun deutlich seinen Stempel auf.

Nach dem Tod von Professor Jürgen Geise hatte Baldini im vergangenen Jahr erstmals die Fäden der Sommerakademie in der Hand, griff damals aber noch nicht entscheidend ins Konzept ein. "Seine Berufung zum künstlerischen Leiter geschah ja relativ kurzfristig, da stand der Rahmen für die neunte Sommerakademie natürlich längst fest", erinnert sich Musikschulleiter Thomas Breitsameter, der die Gesamtleitung der Akademie inne hat.

Doch nun reicht ein erster Blick ins zehnte Programm, um zu erkennen, dass sich einiges getan hat: sowohl was das Personal der Dozenten als auch die inhaltliche Ausrichtung betrifft. Die zehnte Sommerakademie, die von 31. August bis 9. September im Hans-Prähofer-Haus stattfinden wird, ist ganz auf Streichinstrumente ausgelegt, Meisterkurse für Klavier oder Querflöte wie in den vergangenen Jahren gibt es nicht mehr. "Die Teilnehmerzahlen waren in diesen Kursen ohnehin rückläufig. Schon deshalb macht das Sinn", sagt Breitsameter.

Auch was die Dozenten betrifft, tauchen neue Gesichter auf: neben Baldini und Breitsameter ist lediglich Markus Wagner (Violoncello und Kammermusik) aus dem vergangenen Jahr übrig geblieben. Friedemann Wezel leitet einen weiteren Kurs für Violine, Frithjof-Martin Grabner zeichnet für den Kontrabass verantwortlich. Beide haben in Leipzig studiert, was angesichts von Baldinis Professur an der dortigen Hochschule für Musik und Theater natürlich kein Zufall ist.

So gesehen hat die Sommerakademie einen Kurswechsel vollzogen: stand sie unter Professor Jürgen Geise noch klar unter dem Einflussbereich des Mozarteums, geht der Blick nun nach Leipzig. "Ich sehe in der Veränderung immer eine Chance", sagt Breitsameter. Schließlich sei die Sommerakademie einst gegründet worden, um etwas Nachhaltiges zu installieren. "Und da muss man auch darauf achten, dass der Rahmen nicht zu starr bleibt, dass man nicht zu lange im eigenen Saft schwimmt." Baldini wähle eben einen anderen Ansatz als Geise, vertrete auch eine andere Auffassung, wie man ein Werk interpretiert.

Ganz ohne Reibereien ging der Kurswechsel nicht von statten. Obwohl Baldini ausdrücklich Geises Wunschkandidat als Nachfolger war, wollten nicht alle Dozenten den neuen Weg mitgehen. "Von manchen kam schlicht keine Rückmeldung, ob sie überhaupt noch einmal zur Verfügung stehen würden", bestätigt Breitsameter.

Die Programmhefte, die unter anderem an alle Musikhochschulen im deutschsprachigen Raum sowie an alle Muskschulen in Bayern verschickt werden, haben ein neues Gesicht bekommen. Auch daran lässt sich Baldinis Handschrift erkennen. "Er hat im vergangenen Jahr alles genau analysiert: von der Werbung bis zum Layout", erklärt Breitsameter. Noch professioneller soll vieles werden, auch wenn Breitsameter dabei stets die Kosten im Blick haben muss: "Zum ersten Mal seit neun Jahren haben wir die Kursgebühr von 320 auf 330 Euro erhöht. Damit sind wir aber immer noch deutlich unter den Preisen an anderen Orten." Überhaupt sei die Mühldorfer Sommerakademie eine attraktive Alternative zu entsprechenden Angeboten in den großen Städten - von den Übernachtungspreisen ganz zu schweigen.

Mit im Boot sitzt heuer mit Claus Freudenstein auch ein guter Bekannter der heimischen Musikszene, der erstmals einen speziellen "Kinderkurs Kontrabass" anbietet. Ein Einsteigerangebot, das bewusst aus dem Rahmen fällt.

Auch auf das Akademiekonzert wirkt sich Baldinis neuer Kurs aus. Die Kammermusik soll dabei wieder in den Vordergrund rücken.

ha/Mühldorfer Anzeiger

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