Bewegung unterm Bunkerbogen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der ehemalige Häftling Max Mannheimer sprach bei der Gedenkfeier unter dem Bunkerbogen 2008. Er setzt sich wie viele andere seit Jahren für eine Gedenkstätte im Mühldorfer Hart ein. Jetzt soll sie so nahe sein wie nie zuvor.

Mühldorf - In diesem Herbst will der überregionale Arbeitskreis zur Errichtung einer KZ-Gedenkstätte im Mühldorfer Hart einen Antrag auf Förderung durch den Bund stellen.

Die Mitglieder des Arbeitskreises unter Leitung der stellvertretenden Landrätin Eva Köhr glauben nach Jahren der Stagnation an einen Fortschritt.

„So weit waren wir noch nie“, sagt Franz Langstein vom „Verein für das Erinnern“, der seit mehr als zehn Jahren für die Errichtung einer Gedenkstätte im ehemaligen Außenlager des KZs Dachau kämpft. Durch das Miteinander von heimischen und bayerischen Stellen sei in einem Arbeitskreis ein Konzept entstanden, das in diesem Herbst zum Antrag auf einen Bundeszuschuss führen könnte. Denn nur mit Unterstützung der deutschen Kulturministers ist die Finanzierung von geschätzt 3,5 Millionen Euro möglich.

Lesen Sie auch:

Alles wird greifbarer

Seit 2011 gibt es den Arbeitskreis unter Leitung Eva Köhrs, in dem nicht nur nur regionale Vertreter wie der Verein „Für das Erinnern“, der Landkreis, die Stadt Mühldorf und die Gemeinde Mettenheim vertreten sind. Auch die Stiftung bayerische Gedenkstätten, die Staatsforsten das Denkmalamt und andere staatliche Stellen arbeiten mit. Sie müssen in den nächsten Wochen vor allem drei Aufgaben bewältigen: Einen Architektenwettbewerb ausschreiben, einen Finanzierungsplan erarbeiten und eine Zweckvereinbarung abschließen, die die Trägerschaft und den dauerhaften Betrieb der der geplanten Gedenkstätte garantiert. Neben der Stiftung sollen der Landkreis, die Stadt Mühldorf als Ort der geplanten Dokumentation Mühldorf, und die Gemeinde Mettenheim, auf deren Grund die Zugangswege liegen, die Zweckvereinbarung unterschreiben. „Wichtig ist, dass wir jetzt vor Ort zusammenarbeiten und niemand ausschert“, betont Köhr.

Ein anderer Schritt ist durch Gespräche mit zahlreichen Grundstückseigentümern geschafft, auf deren Grund die Überreste der Rüstungsanlagen stehen. Sie haben einer Überplanung ihrers Bodens zugestimmt, über einen Verkauf oder Tausch gibt es allerdings noch keine Vereinbarung. „Es geht in die finale Phase“, glaubt auch Umweltmininster Dr. Marcel Huber. „Man weiß jetzt, was man will und wie es ausschauen kann. Es wird schon langsam Zeit.“ Huber, der sich bereits als Abgeodneter und verstärkt seit seiner Zeit als Staatssekretär im Kultusministerium mit der Einrichtung einer Gedenkstätte befasste, will in den kommenden Wochen die Gespräche mit den beteiligten Behörden und Institutionen des Freistaats wieder in Gang bringen. „Dabei geht es um die Finanzierung auf staatlicher Seite.“

Die Stiftung plant mit einer Beteiligung von „1,2 Millionen Euro oder einem klein bisschen mehr“, wie Ulrich Fritz sagt, der das Außenlager Mühldorf für die Stiftung betreut. „Wir haben vor einigen Jahren gesagt, dass die Geschichte der ehemaligen Außenlager stärker ins Bewusstsein gebracht werden müssen.“ Für Mühldorf spreche die Besonderheit der Bunkeranlage und das seit Jahren gepflegte bürgerschaftliche Engagement. Fritz betont die beiden „Bausteine“ der Gedenkstätte: die historischen Orte im Wald und eine Ausstellung im Haberkasten. „Beides ist wichtig und gehört für uns dazu.“ Was allerdings aus der geplanten Ausstellung, die im Dachgeschoss des Haberkastens eingerichtet werden sollte, ist offen. Denn das Landesdenkmalamt hat sich zunächst gegen den Ausbau ausgesprochen. Es will der Ertüchtigung samt Aufzug und Fluchtreppe nicht zustimmen.

Und was geschieht, wenn der Zuschuss des Bundes nicht kommt? Darüber will Köhr noch nicht reden. "Es wäre niemandem beizubringen, wenn sich der Bund da rauszieht", sagt sie. Für Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer steht außer Frage, dass sich der Bund nicht nur auf die Förderung der großen Lager wie in Dachau oder Flossenbürg konzentrieren darf. "Es geht darum zu zeigen, welche systematische Bedetung die Außenlager in dem System der Konzentrationslager hatten." Ulrich Fritz von der Gedenkstättenstiftung signalisiert die Bereitschaft seiner Einrichtung, auch ohne den Bund Geld zu geben: "Die historischen Orte sind da, es muss etwas gemacht werden. Das kann nicht davon abhängen, ob der Bund etwas macht oder nicht."

hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser