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Wie Anwohner, Geschäftsleute und Kunden die Bombenentschärfung erlebten

Warten auf die Entwarnung: Kein ganz normaler Donnerstag in Mühldorf - mal wieder

Turnhalle der Berufsschule I diente als Evakuierungszentrum in Mühldorf wegen eines Bombenfunds.
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Stundenlanges Ausharren im Evakuierungszentrum (rechts) wegen einer Fliegerbombe im Norden Mühldorfs (links).

Schreck am Donnerstagmorgen: Wegen einer Bombenentschärfung mussten 3800 Mühldorfer raus aus ihren Wohnungen und teils im Evakuierungszentrum Unterschlupf finden. Wie Geschäftsleute, Kunden und Anwohner den Tag erlebt haben, beschreiben unsere Reporter, die die Zeit ebenfalls in der Kreisstadt verbrachten.

Mühldorf – Es ist kein Tag wie jeder andere in der Kreisstadt Mühldorf: Der Fund einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Mittwochabend (3. November) hat die Bevölkerung unerwartet getroffen. Die Gegend um die Harthauser Höhe im Norden der Stadt wurde weiträumig gesperrt. Alle Anwohner mussten daher am frühen Donnerstagmorgen (4. November) ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Ganz in der Nähe wurde erst heuer im April eine Fliegerbombe gefunden.

Auf den Parkplatz des McDonalds-Restaurants an der Kreuzung von Nordtangente und Kappellenstraße fährt schon niemand mehr ein. Ein Feuerwehrmann hat gerade noch Verpflegung für die bevorstehenden Stunden des Einsatzes rund um die Entschärfung einer Weltkriegsbombe auf einer Baustelle an der Harthauser Straße geholt. Hinter ihm sperrt eine Angestellte des Schnellrestaurants direkt die Türe ab. „Wir haben gleich gar nicht so viele Portionen vorbereitet, da ja auch noch nicht klar ist, wie lange das dauert. Wir machen hier noch eben sauber und dann sind wir erstmal weg”, berichtet sie gegenüber innsalzach24.de.

Bei manchen herrschten Ungeduld und Unverständnis

An zentralen Stellen im Ort – wie am Kreisverkehr Richtung Altmühldorf, an der Nordtangente oder vor allem auf der Route Richtung Pilichdorfstraße 4 – stehen an diesem Donnerstag (4. November) Polizeifahrzeuge und überwachen den Verkehr. Am Vormittag kam es durch die Sperrung zu zahlreichen kleine Staus. Draußen weist die Polizei an zwei Ausfahrten des Kreisverkehrs jeden, der in Richtung des Sperrbereichs um den Fundort der Bombe fahren will, ab. Geduldig müssen sie sich dabei teils empörte Ausführungen von Auto- und Lkw-Fahrern anhören. Darf man denn nicht nochmal kurz in den Betrieb zurück? Wie soll die Lieferung jetzt klappen? Doch es hilft nichts, etwas mehr als drei Stunden bevor die Entschärfung beginnen soll, gibt es bereits kein Durchkommen mehr.

Auch die Geschäfte der „Einkaufsmeile West“ sind von der Evakuierung betroffen. Um 11 Uhr muss hier Schluss sein. Auf dem Parkplatz des Media Markts dreht ein Polizeibus mit Lautsprecheranlage eine Runde. „Bitte räumen Sie den Bereich vollständig und unverzüglich!“, schallt es in Richtung einer Reihe von Wartenden vor dem Elektronikmarkt. Dieser hat heute vorerst nur von 10 bis 11 Uhr geöffnet. „Es hilft halt nix“, meint eine Kundin, „Ich bin diese Woche nur heute in Mühldorf, da muss ich die Gelegenheit nutzen!”

Media Markt macht die Schotten dicht

Um 11 Uhr machen wir dicht, um 11.45 wird dann ordnungsgemäß niemand mehr hier sein”, berichtet Filialleiter Richard Maier. „Wir gehen derzeit davon aus, dass zumindest bis zum späten Nachmittag die Entschärfung erfolgreich gelaufen ist und wir wieder aufsperren können”, berichtet Filialleiter Richard Maier gegenüber innsalzach24.de. Auch vor der Tankstelle des Globus-Markts steht bereits ein Schild, das auf die vorübergehende Schließung hinweist. „Ist ja schon das zweite Mal sowas hier, hoffen wir das ist schnell ausgestanden”, kommentiert ein Passant.

Eben an jener Pilichdorfstraße befindet sich das Evakuierungszentrum des BRK. Rund um das Gelände von Berufsschule und Ruperti-Gymnasium stehen mindestens 20 Fahrzeuge von Katastrophenschutz, BRK, Freiwilliger Feuerwehr, Maltester Hilfsdienst und Polizei. Es sind definitiv weitaus mehr Einsatzkräfte unterwegs als Personen bzw. Anwohner in der Turnhalle versorgt werden müssen. Dort harren etwa 40 Menschen aus. Laut Berichten eines Betroffenen „haben die restlichen entweder die Stadt vorübergehend verlassen oder sind noch am Arbeitsplatz“. Auch Kriseninterventionskräfte und Notfallseelsorger sind vor Ort.

Ehemaliger Münchner Polizist erinnert sich an eine Sprengung

Vor der Halle stehen einige Männer und Frauen, um sich die Füße zu vertreten. Auf Nachfrage von innsalzach24.de sagt ein pensionierter Polizist, der im betroffenen Neubaugebiet in der Harthauser Straße in Mühldorf-Nord wohnt: „Für mich ist das keine so große Überraschung, weil wir im Sommer bei einem anderen Bombenfund die gleiche Situation hatten. Außerdem ist bekannt, dass Mühldorf im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert wurde.“ Aus Schwabing erinnert er sich beruflich an eine geordnete Sprengung einer Fliegerbombe, „die nicht optimal funktionierte und bei der mehrere Fensterscheiben herausflogen.“

Evakuierung kurz nach 13 Uhr abgeschlossen

Um 13.15 Uhr heißt es: „Die Evakuierungsmaßnahmen sind grundsätzlich abgeschlossen. Aktuell kreist ein mit einer Wärmebildkamera ausgestatteter Polizeihubschrauber über dem Gebiet und prüft noch einmal die Lage. Das ist eine in einem solchen Fall übliche Maßnahme“, erläutert Wolfgang Haserer, Pressesprecher des Landratsamt Mühldorf. Sobald Sicherheit bestünde, das mit der Entschärfung begonnen werden kann, würde diese anlaufen.

Im Evakuierungszentrum Turnhalle tummeln sich daher eher ältere Menschen und Familien mit Kindern bzw. Mütter mit Kleinkindern. Die Stimmung ist ruhig. Einige kleine Kinder spielen mit Basketbällen und auf Gymnastik-Matten. Weil draußen das Wetter ungemütlich ist und im Laufe des Nachmittags immer kälter und windiger wird, ist es hier drinnen zumindest angenehm. Die ehrenamtlichen Helfer vom BRK sorgen aufmerksam für das leibliche Wohl der Bürgerinnen und Bürger. Die Gulaschkanone wurde angeschmissen und frischer Tee sowie Kaffee aufgebrüht. Sogar einem Mann mit Hund bringt eine Helferin einen Napf Wasser für den Vierbeiner.

Nur einmal muss der Krankenwagen vorfahren. Ein Mann mittleren Alters war in der Turnhalle gestürzt und wird mit dem Rolli zum Krankenwagen und dann zur Kontrolle ins Krankenhaus Mühldorf gebracht.

Entwarnung um 14.45 Uhr

Genau um 14.45 Uhr gibt eine BRK-Mitarbeiterin in der Turnhalle offiziell Entwarnung: „Die Bombe ist erfolgreich entschärft worden. Sie dürfen ab sofort wieder zurück in Ihre Wohnungen. Bitte melden Sie sich vor dem Nachhause-Gehen noch kurz bei der Einsatzleitung ab.“ Die Anwohner klatschen erleichtert Beifall und der Tross macht sich wieder auf den Weg nach Hause.

Mühldorfs Erster Bürgermeister Michael Hetzl (UWG) zu innsalzach24.de: „Mit großer Erleichterung habe ich vorhin erfahren, dass auch diese Entschärfung wieder erfolgreich und ohne Probleme beendet werden konnte. Den tapferen Spezialisten, die dies bewerkstelligt haben, aber natürlich auch allen anderen Einsatzkräften, die beim Absperren, Evakuieren und Versorgen der Betroffenen geholfen haben, gebührt enormes Lob und großer Dank. Und natürlich allen, die wieder einmal geduldig und mit Verständnis die einhergehenden Einschränkungen erlebt haben“. Eben kein Tag wie jeder andere in Mühldorf.

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