Vereine und Wirte bleiben ruhig

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Thomas Schlagbauer von der Inntalia kennt sich in Sachen GEMA aus. Jedes Jahr gibt es ein Buch der Vereinigung, in dem aktuelle Tarife erläutert werden.

Mühldorf - Die GEMA plant eine radikale Tarifreform. Deutlich höhere Kosten drohen dabei nicht nur Clubbesitzern und Partyveranstaltern, sondern vor allem auch Vereinen.

Die GEMA plant zum 1. Januar 2013 eine radikale Tarifreform im Veranstaltungsbereich. Deutlich höhere Kosten drohen dabei nicht nur den Clubbesitzern und Partyveranstaltern, sondern vor allem auch den Vereinen.

Die GEMA vertritt in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 64000 Komponisten, Textautoren und Musikverlegern sowie von über zwei Millionen Rechteinhabern aus aller Welt. Betroffen von der geplanten Neuregelung sind ausschließlich Veranstaltungen, bei denen Musik live oder von Tonträgern wie CD oder Computer gespielt wird. Veranstaltungen, die Konzertcharakter besitzen, egal ob im Bereich der Unterhaltungsmusik oder Klassik sind davon ausgenommen.

Für alle anderen gilt: Zwei Tarife, die sich nach Eintrittspreis und Quadratmeter des Veranstaltungsortes richten, sollen künftig elf ersetzen. Das kann - nach derzeitigem Stand - Erhöhungen von mehreren hundert bis zu über tausend Prozent mit sich bringen. Außerdem erhöhen sich die Kosten für Veranstalter, wenn Musik länger als fünf Stunden gespielt wird. Damit sind Diskotheken, die von 22 bis 5 Uhr geöffnet haben, besonders betroffen.

Gastwirt und Festveranstalter Florian Obereisenbuchner bleibt angesichts der drohenden Gebührenerhöhung noch gelassen. Gemeinsam mit seinem Bruder betreibt er die Uschi-Bar in Mühldorf und das Uschi-Haus in Tüßling. "Ich glaube, das Thema wird heißer gekocht als es ist." Eine derartige Tarifreform sei nicht durchsetzbar und wirtschaftsschädigend. "Zum Ausgleich müssten Eintritts- oder Getränkepreise erhöht werden. Und irgendwann kann sich niemand mehr leisten, wegzugehen."

Bisher sei sein Verhältnis des Mühldorfers zur GEMA gut gewesen, die plötzliche Tarifreform stößt bei ihm auf Unverständnis. "Ich weiß nicht was das soll. Man kann doch nicht nur für die GEMA arbeiten. Die Erhöhungen sind meiner Meinung nach auch nicht realisierbar. Damit macht sich die Firma nur lächerlich."

Abwarten und hoffen lautet die Divise bei den Mühldorfer Vereinen. Schon jetzt sind die GEMA-Gebühren laut ESV-Vorstand Johann Schaffer für die Vereine zu hoch. Die geplante Erhöhung würde doppelte GEMA-Gebühren für den Faschingsball oder das Starkbierfest des Vereins bedeuten. "Ob wir diese Veranstaltungen dann noch durchführen können, weiß ich nicht", meint Schaffer. "Eigentlich macht man die Feste ja, um ein wenig Geld in die Vereinskasse zu bekommen. Die neuen Tarife würden die Vereine hart treffen, es sollte Sonderregelungen geben."

Rund 2000 Euro pro Jahr zahlt die Inntalia Mühldorf an die GEMA. Im schlimmsten Fall müssten durch eine Erhöhung dieser Kosten einzelne Veranstaltungen wie die Gardeshow oder der Seniorenfasching ausfallen. "Auf der anderen Seite könnten wir auch viele bezahlte Auftritte verlieren, wenn Bälle oder Partys ausfallen, auf denen wir sonst unsere Shows gezeigt haben", erklärt Thomas Schlagbauer. Der Präsident der Inntalia betreibt nebenbei Veranstaltungstechnik und berät auch Vereine, wenn sie Veranstaltungen planen. "Ein Verein in Halsbach hat zum Beispiel mal einen Kinderfasching abgesagt, weil die GEMA-Gebühren zu hoch waren", berichtet Schlagbauer.

Was in seinen Augen allerdings noch schwerer wiegt, sind die strengeren Auflagen für Jugend- und Brandschutz bei Veranstaltungen. "Damit sind die Vereine momentan eher beschäftigt." Was die Tarifreform der GEMA betrifft, will die Inntalia vorerst abwarten. "Die Verantwortlichen haben angekündigt, kleine Vereine mit Sonderregelungen zu entlasten. Wir sind gespannt."

amu/Mühldorfer Anzeiger

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