Mikroben fressen Schadstoffe

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Entscheidend ist, was oben raus kommt und das ist jetzt sauber: Gesellschafterin Karina Schwarzenböck, Geschäftsführer Friedrich und Bauleiter Frank Leitsmann (von links) freuen sich über die neue biologische Abgasreinigungsanlage. Roland Novak von der Firma Bionik (rechts) hat sie gebaut.

Mühldorf - MBM hat eine neue Anlage zur Abluftreinigung gebaut. Dabei setzt der Mühldorfer Maschinenbauer konsequent auf ein biolgisches System.

Die positive Geschäfts-Entwicklung der letzten Jahre hat nach Angaben von Geschäftsführer Dr. Wolfgang Friedrich dazu geführt, dass die Abluft aus der Lackiererei die maximal zulässigen Abluftwerte erreicht hat. Deshalb war MBM gezwungen, den Ausstoß von Lösungsmitteln in die Luft zu reduzieren. Nach Angaben Friedrichs wären zwei unterschiedliche Filtersysteme denkbar gewesen. Im ersten werde die Luft verbrannt, im zweiten durch eine Kultur von Mikroorgansimen gereinigt.

Von den Kosten sind beide Anlagen etwa gleich teuer, betriebliche Gründe und der "Strom der Zeit", wie Friedrich es nennt, führten zur Entscheidung für die biologische Anlage und die "Investition in zukunftsweisende Technologie". Durch das unterschiedlich hohe Aufkommen von Lösungsmittelabgasen hätte es bei der Verbrennungsmethode starke Brennerschwankungen geben, die durch Gas hätten ausgelichen werden müssen. Friedrich nennt dieses Vorgehen "nicht zeitgemäß".

Bei der jetzt gewählten biologischen Abluftreinigung strömt die Abluft aus der Lackiererei durch große Container, in denen eine Rinden- und Holzhackschnitzelmischung aufbewahrt wird. In ihr leben Bioorganismen, die die schadstoffhaltigen Dämpfe aufnehmen und in Kohlendioxid umwandeln. Sie ernähren sich sozusagen von den Abgasen der MBM-Lackiererei, wie Geschäftsführer Friedrich erläutert, um damit eine Schwierigkeit des Reinigungsprozesses anzusprechen. Wenn MBM beispielsweise über Weihnachten Betriebsruhe hat oder weniger Lackierarbeiten anfallen, besteht die Gefahr, dass die Mikroorgansimen verhundern. "Es sind Lebewesen, die Nahrung brauchen." Man könne sie zwar auf Diät setzen, sie dürften aber nicht verhungern.

Deshalb werden über eine Steuerungsanlage immer dann Nährstoffe zugesetzt, wenn der Schadstoffausstoß der Lackiererei zu gering ist.

Auf drei bis vier Jahre beziffert Roland Novak von der Herstellerfirma Bionik die Lebensdauer des Rinden-Holzgemischs, auf dem die Bakterien leben. Danach wird das Holz in einer normalen Verbrennungsanlage verbrannt und bei MBM durch neue Hackschnitzel ersetzt. "Von der Entsorgung her ist das also kein Problem", sagt Novak.

Diese Art der biologischen Reinigung kommt vor allem dort zum Einsatz, wo es um Geruchsbekämpfung geht; als Beispiele nennt Novak Tierverwertungsanlagen oder Lebensmittelproduktionen. Aber auch bei chemischen Prozessen wie bei MBM können biologische Abluftreinigungen eingesetzt werden.

Insgesamt 350.000 Euro hat MBM für den Bau der Anlage investiert, der Geschäftspartner Bionik hat seinen Sitz in Wiener Neudorf. Nach Angaben von Prokurist Novak arbeitet die Anlage selbstständig, wöchentliche Kontrollen der Anzeigedisplays und der Nährstoffbehälter reichen nach seinen Angaben aus.

MBM hat derzeit etwa 200 Beschäftige und macht 30 Millionen Euro Umsatz. Das Unternehmen feiert im nächsten Jahr sein 25. Jubiläum.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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