Laden schließt nach Streit mit der Post

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Werner Skoluda in seinem gut bestückten Geschäft mit den vielen Service-Leistungen für zufriedene Kunden in der Oderstraße: "Ich sehe keine Zukunftsaussichten mehr."

Mühldorf - In der Oderstraße hatte er lange Jahre sein Geschäft. Doch nach viel Ärger mit der Post, deren Service er anbot, will Werner Skoluda seinen Laden aufgeben.

Hermes, Versandhausartikel, Reinigungs- und Schneidereiannahme und vieles mehr bietet Werner Skoluda im Oder-Park - noch, denn der 60-Jährige will nach viel Ärger mit der bereits geschlossenen Postfiliale endgültig sein Geschäft schließen.

Seit 2005 bietet Werner Skoluda seinen Kunden in Mühldorf Süd ganz viel Service. Er hält in seinem gemütlichen Geschäft im Oder-Park nicht nur Versandhausartikel zum Verkauf bereit, er hat auch eine Reinigungs- und Schneidereiannahme, über ihn kann man bei einigen Versandhäusern bestellen und die Pakete über Hermes abholen und wieder hinbringen, wenn was nicht passt.

Der 60-Jährige hilft auch bei Computerproblemen, ist zertifizierter Microsoft-Berater, kümmert sich um Vernetzungen und Reparaturen bei Hard- und Software - er ist einfach eine Institution in Mühldorf Süd, die jeder kennt und mag. Viele Stammkunden kommen zu dem freundlichen Mühldorfer auch nur so "auf einen Ratsch".

Aber jetzt mag er nicht mehr. Zum März 2013 wird er aufhören und sein Geschäft schließen. Besonders für die vielen Älteren in Mühldorf Süd ein großes Problem.

Postfiliale geschlossen

Der Anfang vom Ende kam mit der Schließung der Postfiliale, die Skoluda in seinem Geschäft von 2007 bis Juli 2012 betrieb. "Das war der größte Aufwand bei mir, etwa 60 Prozent der Kunden kamen wegen einer Post-Dienstleistung, wollten Briefe oder Packerl abgeben, Expressgut, In- und Ausland oder Postwertzeichen kaufen", sagt der gebürtige Simbacher. Geöffnet hatte er von 9 bis 19 Uhr durchgehend.

"Ich bot also zehn Stunden von Montag bis Freitag meine Dienste an - mehr als in der Postagentur am Stadtplatz - und das für etwa 400 Euro im Monat!"

Ein Ende dieser für die Anwohner sehr praktischen Dienstleistung bahnte sich im Dezember 2011 an.

"Mitten im Weihnachtstrubel, es standen gerade sechs Post-Kunden bei mir an, rief mich ein Post-Mitarbeiter der Regionalleitung Süd aus Augsburg an, um mir fristlos zu kündigen", erzählt Skoluda erregt. Warum?, wollte er wissen. "Der Mann meinte nur, dass ich einen Mitbewerber im Geschäft hätte, Hermes eben, und dass das nicht zulässig sei."

Nun ist es aber so, dass Skoluda die Hermes-Dienste schon seit 2005 anbietet und auch unbedingt braucht, um seine Versandhausgeschäfte abwickeln zu können. Und weder bei der Eröffnung der Postagentur 2007 hätte Hermes für die Post eine Rolle gespielt, "noch haben sich die vielen Prüfer der Post, die immer wieder meine Kunden befragten und das Geschäft inspizierten, beschwert, dass ich auch Hermes-Dienste ganz offiziell im Geschäft anbiete - nie kam etwas."

Bei den Prüfungen der Post bekam Werner Skoluda übrigens immer eine glatte Eins in Kundenzufriedenheit, "aber das nur nebenbei", sagt er bescheiden. Der Postmitarbeiter am Telefon gab im Dezember 2011 ganz schnell auf mit der fristlosen Kündigung, als Skoluda sofort ernst machen und den Schalter mitten im Weihnachtsgeschäft schließen wollte - und wandelte die fristlose in eine fristgerechte Kündigung um zum 30. Juni 2012.

Von der Post unter Druck gesetzt

"Bis dahin bedrängten mich mehrere Post-Mitarbeiter, doch Hermes aus dem Geschäft zu nehmen, dann könne ich die Postfiliale behalten." Aber er brauche Hermes dringender als die Post und so schloss der frühere Beamte im Nichttechnischen Dienst der Bahn seinen Postschalter heuer zum 30. Juni. "Noch heute kommen viele Kunden, um einen Brief oder ein Packerl aufzugeben", dann muss Skoluda immer den Kopf schütteln.

Die Kunden sind verärgert: "Jetzt muss ich meine Post am Stadtplatz abgeben, das ist ein lästiger Weg und man bekommt selten einen Parkplatz", sagt Josefine Folbert aus der Illerstraße. Auch Josef Luger, 86 Jahre alt und nicht mehr gut zu Fuß meint: "Die Poststelle hier geht mir schon narrisch ab."

Was werden Skoludas Kunden erst sagen, wenn er im März 2013 seinen Laden ganz schließt? "Doch darauf kann ich keine Rücksicht nehmen, nach der Insolvenz bei Quelle und Neckermann und dem Ärger mit der Post sehe ich keine Zukunftsaussichten mehr", sagt er.

eig/Mühldorfer Anzeiger

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