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Erfüllende Aufgabe für die Mitarbeiter

Mehr Zeit für Pflegebedürftige – Ist das Pilotprojekt des Mühldorfer Hospizvereins bald deutschlandweites Vorbild?

Freuen sich über den Erfolg des Mühldorfer Pilotprojekts: Dr. Sybille Mutert (Staatsministerium für Gesundheit und Pflege), Anne Rademacher (Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung, München), Andrea Lepschy, Philip Zabinski, Erika Koch und Sabine Brantner (alle Anna Hopizverein), Isolde Hafner und Anna Scheibel (beide St. Mechthild), Martina Nicklbauer und Felicitas Kobus (beide St. Nikolaus), Sigrid Schwarzl und Stephanie Ullmann (St. Kunigund).
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Freuen sich über den Erfolg des Mühldorfer Pilotprojekts: Dr. Sybille Mutert (Staatsministerium für Gesundheit und Pflege), Anne Rademacher (Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung, München), Andrea Lepschy, Philip Zabinski, Erika Koch und Sabine Brantner (alle Anna Hopizverein), Isolde Hafner und Anna Scheibel (beide St. Mechthild), Martina Nicklbauer und Felicitas Kobus (beide St. Nikolaus), Sigrid Schwarzl und Stephanie Ullmann (St. Kunigund).

Die Idee des St. Anna Hospizvereins könnte möglicherweise bald deutschlandweit Schule machen. Denn so etwas gibt es in der Pflege bisher noch nicht.

Mühldorf – Will man älteren Menschen einen würdigen Lebensabend ermöglichen, kostet dies Eines: Zeit. Für Gespräche, besondere Pflegemaßnahmen oder auch für die Trauerbegleitung der Angehörigen.

Diese Erkenntnis beflügelte den Hospizverein St. Anna bereits im Jahr 2015 zu der Idee, im Landkreis nach besonderen Pflegekräften zu suchen. Diese sollten sich in Abstimmung mit ihren Heimleitungen das Gehalt aufstocken lassen, um sich genau diese Zeit zu nehmen. Einige Stunden sollten sich die erfahrenen Pfleger im Monat zusätzlich um besonders pflegebedürftige Patienten kümmern.

Mehr Achtsamkeit ist erklärtes Ziel

Die Idee fand mit der Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung aus München schnell Unterstützung, die sich der bestmöglichen Versorgung schwerkranker Menschen widmet. Inzwischen läuft ein bayernweites Pilotprojekt, finanziert vom Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Im Landkreis nehmen die Einrichtungen St. Kunigund in Haag, St. Mechthild in Waldkraiburg und St. Nikolaus in Kraiburg mit jeweils zwei bis drei Pflegefachkräften teil. Fortwährend wird die bis März 2023 laufende Maßnahme dabei vom Berliner IGIS-Institut evaluiert.

Die Idee der Zeitintensiven Betreuung (ZiB) des Mühldorfer Hospizvereins könnte möglicherweise bald deutschlandweit Schule machen. Denn so etwas gab es in der Pflege bisher noch nicht. Vielmehr war beispielsweise 2019 im Zuge eines Volksbegehrens vom „Pflegenotstand“ zu hören, welches aber an der mangelnden Zuständigkeit des Freistaats scheiterte.

Projekt kostet 350000 Euro

Nach ersten Versuchen des Mühldorfer Hospizvereins im Jahr 2016 fiel schon 2018 in München die Entscheidung, das Modell auch in den Hospizvereinen von Landshut, Freising, Augsburg, Rothenburg, Viechtach und Nürnberg zu erproben. Finanziert wird das insgesamt 350 000 Euro teure Pilotprojekt maßgeblich vom Freistaat und der Fraktionsreserve des Landtags.

Die Referatsleiterin für Hospiz, Palliativversorgung und Geriatrie im Staatsministerium, Dr. Sibylle Mutert, lobte den Hospizverein bei ihrem Besuch in Annabrunn: „Der Erfolg gibt Ihnen recht.“ Zwar kam es wegen Corona erst im November 2021 zum verzögerten Start des bayernweiten Pilotprojektes, doch die ersten Ergebnisse des IGIS-Institut aus Berlin sind vielversprechend: Vom Pflegepersonal über die Patienten bis zu den Angehörigen werden während der Studie alle Beteiligten befragt und die Ergebnisse ausgewertet. „Das bisherige Feedback ist eindeutig: 100 Prozent positive Rückmeldungen hatten wir noch nie“, erklärt Anne Rademacher, die Geschäftsführerin der Paula-Kubitscheck-Vogel-Stiftung.

Wie nötig das Angebot angesichts der sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sei, betonte Anne Rademacher ebenfalls, indem sie darauf verwies, dass bereits 30 Prozent der Bevölkerung in Pflegeeinrichtungen versterben.

Verwaltungsleiterin Sabine Brantner vom Hospizverein in Annabrunn gab bei einem Treffen einen detaillierteren Einblick in die Arbeit der Zeitintensiven Betreuung. So gab es während Corona Online-Meetings der ZiB-Kräfte, die sich aber auch fortwährend weiterbilden können und für die es im Netzwerk immer einen Ansprechpartner gibt, an den man sich bei Fragen oder Vorschlägen wenden kann. Teil des Projekts ist es beispielsweise, dass sich die ZiB-Kräfte die Zeit nehmen, sich mit dem Hausarzt der Patienten persönlich auszutauschen, was bisher auf keiner Agenda der Leistungsträger steht. Besonders viel Zeit ist für persönliche Gespräche und die Wellness der schwerkranken Menschen vorgesehen. Und es wurde damit begonnen, die Angehörigen in ihrer Trauer zu begleiten.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Mühldorf

Allesamt Dinge, die nur durch die vom Hospizverein initiierte Entschleunigung möglich werden. Den Pflegekräften ist es wichtig, dass diese Maßnahmen aber keineswegs zu Stress unter den übrigen Kollegen führt. Vielmehr seien diese froh, dass die Patienten durch die besondere Zuwendung insgesamt viel entspannter seien.

„Statistisch gesehen kommt in den letzten vier Wochen vor dem Tod mindestens einmal der Notarzt“, erklärt Koordinatorin Andrea Lepschy von der spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung im Landkreis. Ganz im Gegensatz zu den zeitintensiv betreuten Patienten, die oft ohne spezielle Medikation und in Frieden aus dem Leben scheiden.

Erfüllende Aufgabe für die Mitarbeiter

„Diese Personen erfahren mehr Achtsamkeit“, erklärt der Vorsitzende des Mühldorfer Hospizvereins, Peter Coelln. Für die beteiligten Pflegekräfte ist die Aufgabe erfüllend, weil sie durch die erworbenen Zusatzqualifikationen und die außergewöhnlichen Erfahrungen, die sie im Rahmen der ZiB-Tätigkeit erwerben, auch für die Kollegen zu willkommenen Ansprechpartnern bei vielen Fragestellungen geworden sind.

25-Jahr-Feier im Haberkasten

Der Mühldorfer Anna Hospizverein, feiert am Samstag, 14. Mai, ab 18 Uhr im Haberkasten sein 25-jähriges Bestehen. Spenden zur Unterstützung des Vereins sind gerne willkommen. Es gibt noch wenige Plätze. Bitte unbedingt anmelden per Mail info@annahospiz.de oder telefonisch 08631/1857-194.