Beim Freispruch bleiben Zweifel zurück

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mühldorf - Die juristische Aufarbeitung der Buntmetalldiebstähle in den Jahren 2010 und 2011 ist abgeschlossen. Über die letzte Angeklagte wurde jetzt geurteilt:

Am Donnerstagvormittag, 8. November, stand das letzte mutmaßliche Bandenmitglied vor Gericht – und wurde freigesprochen.

Die Bande ging in den Jahren 2010 und 2011 auf Baustellen und Firmengeländen in der Region auf Beutezug. Im Visier hatten die Diebe alles, was sich später bei Schrotthändlern und Recyclingunternehmen zu Geld machen ließ: Vor allem die Geschäfte mit Kupferkabeln liefen gut.

Um wie viele Fälle es sich letztlich handelte, lässt sich nicht mehr feststellen: Nicht jeder Diebstahl wurde angezeigt, gerade auf großen Baustellen mag manche fehlende Kabeltrommel noch nicht einmal aufgefallen sein. Dabei ging es um durchaus große Mengen: Ein einziger nächtlicher Beutezug brachte beispielsweise 1,6 Tonnen VA-Stahl im Wert von mehreren tausend Euro ein.

Vier Männer standen deshalb bereits vor Gericht – zwei sitzen im Gefängnis, zwei wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Vor dem Schöffengericht um Richter Florian Greifenstein musste sich nun eine 40-jährige Frau aus dem Landkreis Rottal-Inn verantworten. Die Angeklagte ist die Ehefrau eines Drahtziehers der Diebesbande und soll angeblich ebenfalls an fünf Diebstählen in der Region beteiligt gewesen sein.

Drei Stunden dauerte die Verhandlung am Amtsgericht Mühldorf. Mit zunehmender Dauer wurde mehr und mehr deutlich, auf welch dünne Beine die Staatsanwaltschaft ihre Anklage gestellt hatte.

Die Vorwürfe fußten alleine auf der Aussage eines zweifelhaften Zeugen. Der 34-jährige Schlosser gehörte ebenfalls zu der Bande – nur ein umfangreiches Geständnis und seine Bereitschaft, weiterhin als Informant tätig zu sein, bewahrten ihn vor einer Gefängnisstrafe. Im Zuge seiner Aussage bei der Polizei belastete er unter anderem die Angeklagte. Dabei nannte er zwar fünf konkrete Fälle, räumte aber schon damals ein, dass es sich um reines „Hörensagen“ handelt. „Bei meinen Diebstählen war sie nie mit dabei“, erklärte er nun erneut vor Gericht.

Außerdem machte der Zeuge keinen Hehl daraus, dass die Beschuldigungen gegen die Angeklagte eine „Retourkutsche“ gewesen seien. „Ihr Mann hatte zuvor gegen mich ausgesagt. Da ist es ja nur menschlich, dass ich mich wehre.“

Von der Hand zu weisen war der Verdacht dennoch nicht, dass die 40-Jährige mit den Diebstählen in Verbindung stand. Unter anderem wurden an zwei Tatorten die Schuhabdrücke einer Frau gefunden. Außerdem hatte die Angeklagte mehrfach Fahrzeuge angemietet und insgesamt siebenmal auf ihren Namen Buntmetall zu Schrotthändlern gefahren. „Ich wusste nicht, dass es sich um Diebesgut handelt“, verteidigte sie sich. „Das habe ich erst erfahren, als mein Mann verhaftet wurde.“

Die Fahrten zu den Schrotthändlern habe sie aus reiner Gefälligkeit übernommen: „Damit für den Freund meines Mannes keine Steuern anfallen.“ Auch den Keller im nördlichen Landkreis, in dem letztlich das Diebesgut sichergestellt wurde, hatte die 40-Jährige angemietet. „Zum Unterstellen meiner Möbel.“

Das zentrale Problem: Mit dem Vorwurf des schweren Bandendiebstahls und den fünf genannten Taten hatte sich die Staatsanwaltschaft festgelegt. Aufgrund der wertlosen Zeugenaussage und fehlender eindeutiger Indizien hieß es: im Zweifel für die Angeklagte.

Gleichzeitig war damit aber eine Verurteilung wegen Hehlerei oder Absatzhilfe ausgeschlossen. „Eine wahlweise Anklage wäre wünschenswert gewesen“, erklärte Richter Florian Greifenstein in seiner Urteilsbegründung mit Blick auf das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. So blieb ihm am Ende nur eine Wahl: Freispruch.

ha/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser