Noch kein "Halt" für junge Komasäufer

Mühldorf - Fürstenfeldbruck rückt mit dem Präventionsprogramm "Halt" dem Komasaufen von Jugendlichen zu Leibe. Mühldorf will mitziehen, aber die nötige Stelle fehlt noch: "Das Projekt liegt jetzt erstmal auf Eis!"

"Das Projekt liegt jetzt erstmal auf Eis," berichtet uns Sandra Haslbeck von der Fachambulanz für Suchtkranke in Mühldorf. "Es fehlt die nötige Präventionsstelle. Aber im kommenden Jahr könnte es vielleicht was werden." Haslbeck hat sich im Landkreis genau angeschaut, ob und wie die Maßnahme gegen Komasaufen bei Jugendlichen hier stattfinden könnte. Und es gäbe definitiv einen fruchtbaren Boden.

Was ist "Halt" überhaupt?

Haslbeck umreißt das Projekt: "Halt ist an sich ein großes Präventionsprojekt mit zwei Ansatzpunkten: proaktiv und reaktiv. Wenn Jugendliche stark alkoholisiert ins Krankenhaus eingeliefert werden, soll innerhalb von 12 Stunden ein sogenanntes 'Brückengespräch' stattfinden," erklärt sie. In diesem Brückengespräch soll ein geschulter Mitarbeiter herausfinden, warum es zu dem Alkoholverhalten kam, wie der Konsum sonst so steht und wie die Eltern reagieren. "Hier kann es dann recht schnell zu einem sinnvollen Ergebnis kommen." Aber schon bevor ein Jugendlicher im Krankenhaus liegt, solle etwas getan werden. Ein bis zwei Mal im Jahr gibt es beispielsweise Kurse für Kids, den sogenannten 'Risikocheck'. Hier sollen sie ins Gespräch mit Pädagogen und Gleichaltrigen kommen. Erlebnispädagogische Einheiten sollen helfen, dass sich die Kids mit ihren Problemen auseinandersetzen. Auch sehr wichtig ist die enge Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie Tankstellen, Jugendvereinen und Schulen. "Da geht es darum, die Partner aufzuklären über die Problematik und über das Projekt und gemeinsam zu schauen, wie man vorgreifen kann,", so Haslbeck.

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In Fürstenfeldbruck greift hier beispielsweise eine Verordnung für Veranstaltungen: strengere Alkoholkontrollen, strengere Taschenkontrollen. Wer einmal die Veranstaltung verlassen hat, darf nur wieder rein, wenn er noch einmal den Eintritt zahlt. Der Grund: das sogenannte "Kofferraum-Saufen." Jugendliche lagern Alkohol außerhalb der Party und gehen raus, um dort günstiger und vor allem illegal zu trinken und dann wieder zur Veranstaltung zurückzukehren. Mit der neuen "Halt"-Verordnung muss mindestens ein alkoholfreies Getränk günstiger sein als das billigste alkoholhaltige. Und es muss immer ein Ansprechpartner bestimmt werden, der für die Einhaltung der Verordnung zu sorgen hat und für Polizeikontrollen zur Verfügung steht.

Sandra Haslbeck hält "Halt" für ein sehr sinnvolles Programm. "Vor allem die Brückengespräche sind sehr gut angenommen worden." Aber es sei eben auch ein sehr umfangreiches Projekt. "Um das richtig auszuführen, braucht es einfach einen Arbeitsplatz für eine Person, die das alles koordinieren kann. Und das ist momentan wohl einfach nicht drin," so Haslbeck.

ds

Rubriklistenbild: © dpa Symbolbild

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