Landkreis für eine Gedenkstätte

+
2010 erläuterten Minister Dr. Marcel Huber (rechts) und Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk (Zweiter von links) Geschichte und Probleme des Bunkergeländes. Mit dabei war Gedenkstättenstiftungsvorstand Karl Freller (Zweiter von rechts).

Mühldorf - Mit nur einer Gegenstimme hat sich der Kreistag hinter die Pläne zum Bau einer Gedenkstätte für das ehemalige KZ-Außenlager im Mühldorfer Hart gestellt.

Damit einher geht die Bereitschaft, sich an den Kosten für die Einrichtung und den Betrieb der Gedenkstätte zu beteiligen.

Betreten verboten: Wann das steinerne Mahnmal des siebten Bunkerbogens zu einer lebendigen Gedenkstätte wird, ist offen. Der Kreistag hat sich jetzt aber eindeutig für die Einrichtung eingesetzt und bereit erklärt, sich an den Kosten zu beteiligen.

Mit seinem Votum hat sich das höchste Kreisgremium erstmals in der Geschichte des Bunkergeländes im Mühldorfer Hart eindeutig für den Bau einer Gedenkstätte eingesetzt. Die Befürworter ordneten den Bau nicht nur in die Erinnerung an die 4000 Toten und vielen Leidenden ein, sondern forderten die Gedenkstätte als Mahnung gegen erstarkten Rechtsradikalismus. Stellvertretende Landrätin Eva Köhr (CSU), die die Arbeitsgruppe zur Planung der Gedenkstätte leitet, sagte: "Wir können an einem konkreten Beispiel zeigen, wohin Extremismus führen kann."

Richard Fischer (SPD) erklärte: "Rechtsradkalismus steht nicht nur in der Zeitung", Peter Huber (UWG) schloss sich an: "Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf." Und Gottfried Kirmeier (SPD) sprach gar von einer "historischen Entscheidung, wenn es um die Aufarbeitung der Geschichte geht".

Josef Gründl (FDP) wies auf die Kosten für den Landkreis hin, Michael Hell (UWG) regte an, über eine kleinere Lösung nachzudenken, Josef Schöberl (WGW) stellte die Einstellung einer Vollzeitkraft für die Dokumentation im Kreismuseum infrage.

Auch die Grünen würdigten die Finanzargumente, legten aber Wert auf Schwerpunktsetzungen: "Es ist eine Frage, wofür wir unser Geld ausgeben", sprach sich Cathrin Henke klar für die Einrichtung einer Gedenkstätte aus.

Landrat Georg Huber stellte eine Gedenkstätte in den Rahmen der Erinnerungsveranstaltungen zum Volkstrauertag: "Wir können nicht Jahr für Jahr am Kriegerdenkmal stehen und die Greuel der Geschichte beklagen. Wir müssen hier zeigen, dass wir dazu stehen, was wir tun." Nur Dr. Bernhard Grabmeyer (WGW) stimmte gegen den Beschluss. Er regte an, die Erinnerung nicht "draußen im Wald" zu vollziehen, sondern an den Plätzen, die es bereits gibt, wie den KZ-Friedhöfen oder in Ecksberg.

Mit dem Beschluss vom Freitagabend verpflichtet sich der Landkreis, einen Teil der Kosten für die Einrichtung und vor allem den Betrieb der Gedenkstätte zu übernehmen. Die derzeitigen Pläne sehen vor, am Bunkergelände, dem ehemaligen Waldlager und dem Massengrab Stätten der Erinnerung und der Information zu schaffen. Im Haberkasten soll eine Ausstellung die Hintergründe und Zusammenhänge erläutern.

Karl Freller, Direktor der Bayerischen Gedenkstättenstiftung, betonte vor dem Kreistag: "Die Außenlager gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ich bin froh, dass wir jetzt auch die Kraft haben, die Außenlager anzugehen." Er sagte zu, dass die Stiftung 1,2 Millionen Euro bereitstellen werden. "Wir sind in dieser Verantwortung, wir wollen sie wahrnehmen." Bislang konzentrierte der Freistaat seine Gedenkstättenarbeit auf die beiden großen Lager in Dachau und Flosenbürg.

Der Landkreis und die Stadt Mühldorf müssen je 200.000 Euro beisteuern, vom Bund werden 1,6 Millionen Euro erwartet, sodass 3,2 Millionen Euro für Bau und Einrichtung der Gedenkstätte zur Verfügung stehen. Außerdem müssen sich Mühldorf und Mettenheim an den laufenden Betriebskosten und dem Erhalt der Gedenkorte und der Infrastruktur beteiligen. Für den Landkreis sind das 120.000 Euro jährlich, die zu den einmaligen Investitionekostenvon 200.000 Euro dazu kommen.

Dr. Jörg Haller, der die Pläne für die Gedenkstätte vorstellte, nannte 2015 als Termin für eine Teileröffnung und 2016 als Termin für die Fertigstellung.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser