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Mühldorfer Wohnbaumodell

SPD-Antrag wirft Fragen auf: Zuschlag fürs Grundstück aber leider kein Geld zum Bauen?

Ein Bauarbeiter auf einer Leiter wirft einen Schatten an die Wand (Symbolbild)
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Wirft Geldmangel einen Schatten auf das Baulandmodell? SPD und CSU wollen in Mühldorf nachbessern.

Das Mühldorfer Wohnbaumodell sorgt in ganz Bayern für Aufsehen und findet Nachahmer: Einheimische, vor allem junge Familien und Einkommensschwächere, sollen bevorzugt ein Baugrundstück bekommen. Doch liegt offenbar ein Schatten auf dem gut gemeinten Projekt: Was ist, wenn die entsprechenden Bauherren sich das Bauen gar nicht leisten können?

Mühldorf - Einige Bürgerinnen und Bürger warten seit Monaten auf die Entscheidung: Wer bekommt den Zuschlag für die begehrten Baugrundstücke Am Kirchenfeld? Bevorzugt werden nach dem Modell der Stadt ganz bewusst Einheimische, die fest mit Mühldorf und Umgebung verwurzelt sind. Zehn Jahre Eigennutzung sind vorgeschrieben.

„Drastisch ansteigender Mietspiegel“ und „massiv gestiegene Baupreise“

Angelika Kölbl von der SPD-Fraktion im Stadtrat: „Was ist, wenn die „Gewinner“ des Grundstücks-Preisausschreibens gar nicht genug Geld haben, um darauf ein Haus zu bauen?“ Diese Vermutung legt ein Antrag der SPD-Fraktion Mühldorf nahe. „Es wird langfristig außer Acht gelassen, dass für MieterInnen der Mietspiegel Jahr für Jahr drastisch ansteigt und es gleichzeitig aufgrund der massiv gestiegenen Grundstücks- und Baupreise nicht jedem möglich ist, zu Wohneigentum zu gelangen“, heißt es dort.

Im neuen Baugebiet „Am Kirchenfeld“ an der Harthauser Straße werden über das Mühldorfer Baulandmodell Baugrundstücke vergeben. Die Bewerbungsfrist endete am 15. Januar 2022.

Die Stadt soll „künftig organisatorisch und finanziell eine Bebauung in eigener Regie - unter Einbindung der Stadtbau durchführen“. Günstig vermieten statt teuer bebauen lassen, so lautet der Vorschlag der SPD: „Wir empfehlen die Beibehaltung im langfristigem Eigentum und insbesondere die anschließende Vermietung von Wohneinheiten zu einem günstigen Preis, beispielsweise 8 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete.

Die Stadt soll mit den eigenen Grundstücken arbeiten, bei Vorkaufsrecht neuen Grund und Boden erwerben und diesen kommunal nutzen, um die Struktur des überteuerten Wohnungsmarkts aufzubrechen. Kölbl: „Bei gut geplantem kommunalem Wohnungsbau bezuschusst der Freistaat Bayern auf Antrag 30 Prozent der Kosten.“

CSU-Fraktion will nicht zu sehr in die freie Wirtschaft eingreifen

Stefan Lasner von der CSU-Fraktion im Mühldorfer Stadtrat bevorzugt eine andere Strategie: „Der Wirtschaft sollte hier, bei entsprechend vereinbarter Bindung, Vorrang gegenüber der öffentlichen Hand gegeben werden.“ Nachbesserungsbedarf am Baulandmodell sieht er aber auch:

„Bei unserem Baulandmodell sollten wir die Möglichkeit in Betracht ziehen, auch in Erbpacht ein Grundstück zu erhalten. Die Schaffung von Eigenheim ist für unsere Mitbürger von großem Interesse.“ Aber: „Bau durch erfahrene Unternehmen ist effizienter als durch ein städtisches Bauamt.“

Lasner plädiert für eine klare Abgrenzung zum Sozialen Wohnungsbau: „Da geht um etwas anderes. Und hier tut die Stadt auch was. Zum Beispiel hat ein privater Bauträger in der Nähe des Nordfriedhofs einen Wohnkomplex mit bezahlbaren Mietwohnungen geschaffen.“

Oberbayerische Gentrifizierung

Ein Hintergrund des Projekts sind eben die Bau- und Immobilienpreise, die in den letzten 10 bis 15 Jahren enorm gestiegen sind - vor allem durch den Zuzug einkommensstarker Bürger bzw. Familien aus dem Großraum München. Denn Mühldorf ist seit Jahren Pendlerstadt - mit hoher Lebensqualität. Viele Einwohner arbeiten in München.

Einheimische - vor allem junge Familien - wurden daher schrittweise regelrecht „aus der Stadt gedrängt“ bzw. von wohlhabenden Neuankömmlingen „herausgekauft“. Für Bürgermeister Michael Hetzl (UM) Grund genug, gegenzusteuern: Baugrund für Einheimische zu bezahlbaren Preisen.

Will die „neue bezahlbare Mitte“ im Wohnungsmarkt etablieren: Die Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Angelika Kölbl.

Für die SPD ist das Baulandmodell gut gemeint, aber schwach umgesetzt

Angelika Kölbl möchte das Modell korrigieren und auf den Mietmarkt ausweiten: „Im Zwischenbereich wird die Luft zu dünn für normale Mieter mit durchschnittlichem Einkommen. Kleinere Angestellte, Krankenschwestern, Handwerker, Verkäuferinnen oder auch öffentliche Bedienstete finden lang- und mittelfristig nur schwer eine bezahlbare Wohnung.“

„Immer häufiger ist ein Ausweichen in umliegende Kommunen und somit ein höherer Pendelverkehr erforderlich“, heißt es im SPD-Antrag. Dass der Markt insgesamt angespannt ist, ist Vertretern beider Fraktionen gleichermaßen bewusst: „Singles und Paare sowie Angestellte aus dem Gesundheitsbereich brauchen auch bezahlbare Mietwohnungen“, so Stefan Lasner.

Was schlagen die Sozialdemokraten vor? „Langfristig soll die Stadt Mühldorf den Aufbau von Immobilienvermögen anstreben, um einerseits der Bevölkerung auch in späteren Jahren adäquaten und bezahlbaren Mietwohnraum zur Verfügung stellen zu können und andererseits konsequenten Vermögensaufbau für spätere Generationen zu betreiben“, so die Fraktionsvorsitzende Angelika Kölbl zu innsalzach24.de.

Frühere Großraumdisco „Kingdom Parc“: Über die Nutzung freier Gebiete in Mühldorf entscheidet der Stadtrat. Im Hintergrund eine Photovoltaik-Freiflächenanlage vor der Kirche Altmühldorf.

Wie die CSU beim Eigenheim helfen will - warum auch die Mieter betroffen sind

Lasner (CSU) glaubt, dass es auch für Familien der unteren Mittelschicht Möglichkeiten gibt, bezahlbar zu bauen: „Unsere freien Bauträger sind gesprächsbereit beim Preis. Die Beratung der Finanzierung läuft meistens über die Hausbank und dort werden auch alle Fördermöglichkeiten geprüft. Das Problem ist wohl, überhaupt das Darlehen zu bekommen.“

Doch der private Vermögensaufbau über Eigentum ist ihm besonders wichtig: „Das wünschen sich viele zu Recht. Zu bedenken ist beim Mühldorfer Modell der Grundstückspreis in Höhe von 345 Euro pro Quadratmeter, abzüglich Abschlag für ein oder mehrere Kinder.“

Dazu gerechnet werden noch Vermessungs- und Erschließungskosten (circa 50.000 Euro). Der normale Standard-Preis für ein Baugrundstück im Mühldorfer Stadtgebiet liegt bei 600 bis 800 Euro / m2.

Viermal so viele Bewerber für Grundstücke am Kirchenfeld

Lasner gibt die große Nachfrage nach Wohnraum zu bedenken: „Für die Grundstücke am Kirchenfeld haben fast viermal so viele Bewerber.“

Angelika Kölbl würde „Kriterien des Baulandmodells auch für den Mietmarkt anwenden“: Sprich, die kommunale Verwaltung prüft, ob der Bewerber mit Mühldorf verwurzelt ist und/oder im Stadtgebiet arbeitet.

Kreiswohnbau-Gesellschaft und Stadtbau machen eine gute Arbeit. Auch im höheren Preissegment ist der Mühldorfer Immobilienmarkt bestens aufgestellt. Aber unsere Bürger brauchen ein bezahlbares Angebot in der Mitte dieser beiden Segmente“, so die Fraktionsvorsitzende.

Der Antrag der SPD wird voraussichtlich zunächst im Stadtentwicklungs-Ausschuss besprochen.

-rok-

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