Entwarnung: Keine Bombe

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Mit Argusaugen beobachtet Kampfmittelexperte Rudi Schott die Arbeiten des Baggers in der Bischof-von-Ketteler-Straße. Denn an zwei Punkten hätten nach Ansicht des Fachmanns Blindgänger aus den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs liegen können (oben). Wenn die Schaufel etwas Verdächtiges freilegte, musste Alexander Pfaffinger von der Firma Rigam mit der Schaufel vorsichtig weiter graben (links). Erst gegen Abend war klar, dass die Bauarbeiten auf der Straße zum Parkdeck wohl ohne Bombengefahr weitergehen können.

Mühldorf - Zwei brenzlige Stellen gab es an der Baustelle in der Bischof-von-Ketteler-Straße: Ein Bomben-Sucher vermutete Blindgänger unter der Oberfläche.

Gestern überwachte ein Bomben-Sucher die Bauarbeiten in der Bischof-von-Ketteler-Straße. Der Kampfmittelexperte, wie sein Titel offiziell ist, hat auf Luftbildern zwei Stellen gefunden, an denen Blindgänger hätten liegen können.

Nicht nur der Josefitag 1945 hat bis heute seine Spuren hinterlassen, immer wieder tauchen Bomben auf, die in einer der beiden Bombernächten über Mühldorf nicht explodiert sind (siehe Kasten). Vor allem rund um das Bahnhofsgelände könnte noch Sprengstoff in der Erde liegen. Deshalb hat sich Kampfmittelexperte Rudi Schott im Auftrag der Stadt den Bereich neben der Bischof-von-Ketteler-Straße ganz genau angeschaut. Zunächst auf Luftbildern der Amerikaner und Engländer und gestern vor Ort, als ein Bagger der Firma Rigam an zwei "Blindgängerverdachtsorten" in der Erde grub. "Das sind zwei Punkte auf den Luftbildern, an denen Einschläge zu vermuten sind", sagt Schott.

Die Alliierten haben vor, während und nach den Luftangriffen Fotos von den Bombenzielen gemacht, um die Auswirkung ihrer Angriffe einschätzen zu können. Deshalb gibt es in den Archiven ausreichend Material, um heute nach Blindgängern suchen zu können.

Sehr vorsichtig setzt Baggerfahrer Alfred Schimpfhauser seine Schaufel an und zieht unter den wachsamen Augen Schotts die oberste Erdschicht ab. Immer wieder muss er stoppen, dann schaut Schott ganz genau hin, weil er etwas Verdächtiges gesehen hat.

Wenn die oberste Schicht abgetragen ist, wird er mit einer Sonde bis zu sechs Meter tief erkunden, ob im Boden eine Bombe liegt. Doch nicht nur die Sprengstoffe der Alliierten bergen Gefahren, weiß Schott. "In den letzten Kriegstagen wurden Bombentrichter immer wieder vom Volkssturm genutzt, um Waffen und Munition zu vergraben."

Schott arbeitet für die Firma HRS in Unterhaching, die Ingenieurleistungen anbietet vor allem im Rohrleitungsbau. Und weil das Unternehmen ständig im Boden gräbt, hat es eine eigene Abteilung, die nach Bomben sucht. Schott, der als Pionier bei der Nationalen Volksarmee der ehemaligen DDR als Pionier tätig war, ist über Weiterbildungen zum Kampfmittelexperten geworden und schließlich nach Bayern gekommen.

Die Arbeit am Mühldorfer Bahnhof sah er gelassen. In den letzten 60 Jahren sei dort so viel gebaut worden - darunter die bestehende Bischof-von-Ketteler-Straße samt Leitungen im Boden - dass er nicht ernsthaft an einen Fund geglaubt habe. "Bei Bauarbeiten an den Bahnanlagen wurde Sicherheit immer groß geschrieben, damit der Bahnverkehr nicht gefährdet wird", sagt Schott. Trotzdem ist er vorsichtig und schaut sehr genau hin, wenn die Baggerschaufel etwas freilegt, das an dieser Stelle nichts zu suchen hat.

Gestern tauchte nichts auf, was die Bauarbeiten gefährden könnte. Solange an der Bischof-von-Ketteler-Straße gebaut wird, können aber Überbleibsel von Kampfstoffen zutage treten.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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