Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Aufwendige Evakuierung in Mühldorf

„Enorme Belastungsprobe“: So lief der Einsatz des Rettungsdienstes bei der Bombenentschärfung ab

Ein Großaufgebot des BRK war ebenfalls bei der Bombenentschärfung in Mühldorf im Einsatz.
+
Ein Großaufgebot des BRK war ebenfalls bei der Bombenentschärfung in Mühldorf im Einsatz.

Die Entschärfung einer Fliegerbombe hielt ein Großaufgebot an Rettungs- und Einsatzkräften am 3. und 4. November auf Trab. Im Gespräch mit innsalzach24.de erklärten Verantwortliche des Bayerischen Roten Kreuzes den Ablauf und die Schwierigkeiten des Einsatzes.

Mühldorf – Die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UGSanEL) des Haager BRK wurde bereits am frühen Mittwochabend (3. November) gegen 17 Uhr nach Mühldorf alarmiert. „Wir wussten zunächst nur, dass man wieder eine Fliegerbombe gefunden hatte und machten uns mit unserem Einsatzleitwagen auf den Weg nach Mühldorf“, so Valentin Clemente, stellvertretender Fachdienstleiter beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK).

Alarmierung bereits am Abend vor der Evakuierung

In Mühldorf angekommen, wurden die Kräfte anschließend durch den Organisatorischen Einsatzleiter Florian Ferschmann umfangreich in die Lage eingewiesen. Wie Clemente weiter berichtet, bestand die Hauptaufgabe am Abend und in der Nacht darin, zwei Bürgertelefone zu besetzen und die Evakuierung, die für Donnerstag (4. November) geplant war, vorzubereiten: „Dazu richteten wir einen Einsatzstab ein, in welchem sich jeder in seinem fest definierten Fachgebiet umgehend an die Arbeit machte. Es galt die Lage zu erfassen und darzustellen, die benötigten Einheiten festzulegen, Getränke und Lebensmittel zu bestellen und ein einheitliches Abfrage- und Antwortschema für das Bürgertelefon festzulegen.“

Einsatzstab die ganze Nacht beschäftigt

„Die ganze Nacht über blieb unser Stab besetzt, bereits um 3.45 Uhr begann die Anforderung und Alarmierung der ersten Einheiten, da die zahlreichen Einsatzkräfte bereits um 7 Uhr mit Kaffee und Frühstück verpflegt werden mussten, um gestärkt in den Einsatz gehen zu können“, so Clemente.

Ab 7 Uhr morgens löste sich der Einsatzstab schließlich auf und errichtete mit Unterstützung von Kollegen aus dem Landkreis Rosenheim am ehemaligen Kingdom Parc eine Einsatzzentrale für die Sanitätseinsatzleitung in direkter Nähe zur Einsatzleitung der Feuerwehr.

Ab 7.30 Uhr stand die komplette Einsatzzentrale

„Um 7.30 Uhr stand dann die komplette Sanitätseinsatzleitung, technisch wie auch personell“, erklärt Valentin Clemente. Diese besteht immer aus einem Organisatorischen Einsatzleiter und einem Leitenden Notarzt (LNA), beziehungsweise einer Leitenden Notärztin wie bei dem Einsatz in Mühldorf. Diese leiten gemeinsam den Einsatz, jeder hat dabei seinen definierten Zuständigkeitsbereich, aber Entscheidungen werden immer gemeinsam getroffen.

Im Einsatzleitwagen laufen alle Fäden zusammen

Clemente erklärt: „Im Einsatzleitwagen lief dann die Evakuierung an, die Kollegen am Bürgertelefon übertrugen in unseren Einsatzleitwagen in Echtzeit die Hilfeersuchen von Bürgern, die ihre Häuser nicht selbstständig verlassen konnten. Wir alarmierten die benötigten Einheiten und gaben die einzelnen Einsatzaufträge an die Leiter der jeweiligen Einsatzabschnitte weiter. Im Einsatzleitwagen laufen alle Fäden zusammen.“

Der Organisatorische Einsatzleiter und die Leitende Notärztin wurden über eine Lagekarte und Lagemeldungen im Einsatzleitwagen minutiös über den Einsatzverlauf informiert und konnten so ihre Entscheidung treffen, welche dann über die jeweiligen Abschnittsleiter an die Einheiten und deren Einsatzkräfte weitergegeben wurden. Jeder wisse was er zu tun habe und wie der Meldeweg abläuft. Auch im Landratsamt saß ein Vertreter des Roten Kreuzes, der laufend mit allen Informationen versorgt wurde und diese an die Gesamteinsatzleitung weitergeben konnte.

Insgesamt rund 300 Kräfte bei Bombenentschärfung im Einsatz

Philipp Langbauer war als Abschnittsleiter Betreuungsdienst bei der Bombenentschärfung zum einen für die Verpflegung von rund 300 Einsatzkräften von BRK, THW, Feuerwehr, Polizei und der anderen Hilfsorganisationen verantwortlich. Aber auch die Unterbringung und Verpflegung der Menschen, die aufgrund der Evakuierung gezwungen waren ihre Häuser zu verlassen, fiel in seinen Zuständigkeitsbereich.

„Dem Abschnittsleiter kommt vor allem eine koordinierende und leitende Funktion zu. So musste beispielsweise sichergestellt werden, dass die Einsatzkräfte Zugang zu den vom Landratsamt zur Verfügung gestellten Gebäuden und Flächen erhalten, sodass in kurzer Zeit der hygienekonforme Aufbau von Feldküchen, einer Essensausgabe und einer kompletten Betreuungsstelle für die betroffenen Mühldorfer inklusive Registrierung, Getränkeangebot sowie Betreuungsmöglichkeit für mobilitätseingeschränkte Personen möglich wurde“, erklärt Langbauer.

Abschnittsleiter koordinierte die Verpflegung und Betreuung der Menschen

Dank der professionellen Arbeit aller Beteiligten Einsatzkräfte gab es trotz der kurzen Vorlaufzeit nur kleinere Verbesserungspotenziale, die zusammen mit den Helfern und der Einsatzleitung gelöst wurden. So mussten beispielsweise noch ein paar Zutaten besorgt werden, die sich die Feldköche zur Verfeinerung ihrer Gerichte wünschten. Außerdem musste noch ein Lkw organisiert werden, um Sitzgelegenheiten für die Essensausgabe zu transportieren.

„Ganz besonders beeindruckt haben mich alle in meinem Abschnitt eingesetzte Einheiten – das BRK aus Ainring, Pfarrkirchen und Waldkraiburg sowie die Malteser aus Traunstein. Ohne das Engagement dieser bestens ausgebildeten und motivierten Einsatzkräfte wäre dieser Einsatz so nicht möglich gewesen“, resümiert Langbauer.

Corona-positiv getestete Personen waren besondere Herausforderung

Um 7 Uhr wurde Katharina Gallenberger gemeinsam mit ihrer Kollegin Vanessa Schmid nach Mühldorf alarmiert. „Wir hatten die Aufgabe, die medizinische Absicherung für die Einsatzkräfte sicherzustellen. Zusammen mit den anderen Transporteinheiten transportierten wir mehrere Menschen mit unserem Rettungswagen aus dem Evakuierungsradius und brachten Desinfektionsmittel aus der Klinik zur Notunterkunft für positiv Getestete.“

Großeinsatz unter Pandemie-Bedingungen Belastungsprobe für Katastrophenschutz

„Natürlich ist so ein Einsatz, vor allem unter Pandemie-Bedingungen, eine enorme Belastungsprobe für ein System, das sich vollständig auf das Engagement von hochqualifizierten ehrenamtlichen Einsatzkräften stützt“, erklärt der Katastrophenschutzbeauftragte des BRK, Florian Ferschmann.

„Aber auch bei diesem Einsatz, konnten wir die enorme Leistungsfähigkeit unseres komplexen Hilfeleistungssystems erneut unter Beweis stellen“, zeigt sich Ferschmann im Nachgang zufrieden. Natürlich könne so ein großer Einsatz nie nur von einer Hilfsorganisation in einem Landkreis allein bewältigt werden, weshalb auch Einheiten von Malteser und DLRG am Einsatz beteiligt waren. Außerdem kamen Kräfte aus den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Rosenheim und Rottal-Inn zum Einsatz.

aic

Kommentare